Zurück im Leben!

Ja, wie ging es weiter nach meiner jahrelangen Odyssee und der MP Diagnose vor etwa eineinhalb Jahren?

Dieser kleine Zwerg, der gigantische Größe erreichen konnte, hatte sich fest eingenistet. Ich bekam zunächst einen Agonisten, der gegen ihn antreten sollte.

OK, der Tremor reduzierte sich und tritt heute nur noch bei Erschöpfung und Aufregung auf. Meine Beine jedoch blieben sehr schwer und manchmal hatte ich das Gefühl, es würde gleich gar nichts mehr weitergehen. Ich gab mit meinem Kopf den Befehl an meine Beine, aber es kam nicht an, Befehlsverweigerung. Dieser Zustand und dass ich Tag und Nacht essen wollte, was durch das Medikament verursacht wurde, stürzte mich mal wieder in eine Depression. Nicht die Freunde zogen sich zurück, nein, ich wollte mit meinem gigantischen Zwerg alleine sein.

Zum Glück gab es Mitstreiter, so wurde ich darauf aufmerksam, dass L-Dopa bei uns Parkis für Fitness sorgt.

Mein Neurologe fand das noch nicht angebracht, er wüsste nicht, wie er mich dann in zehn Jahren behandeln sollte, weil es bei der Behandlung mit L-Dopa ein Limit gibt.

Nun, erst mal weiß niemand, was in zehn Jahren ist und außerdem möchte ich jetzt ein wenig mehr Lebensqualität. So verhandelten wir und einigten uns auf die geringste Dosierung.

Gespannt lauschte ich, was mein kleiner Zwerg davon hielt. Schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass sich das Blatt gedreht hatte, er wurde ein wenig müder und ich wesentlich agiler. Schnell gehen kann ich immer noch nicht, aber länger zumindest und ich habe wieder mehr Elan. Habe beim Tanzcafé Tango getanzt und werkele in meinem Gärtchen oder tolle mit meinem kleinen Enkel.

Dazu schaffe ich es noch, ein wenig zu arbeiten und viele Sachen nebenbei zu erledigen, nur alles etwas langsamer. Ein altes oder defektes Automobil kann auch keine 200 mehr fahren, man soll es hegen und pflegen. Genau so gehe ich jetzt mit mir um, umsichtig und verständnisvoll. Ich bin leider allein, aber mein Freundeskreis steht zu mir und sieht es genauso, kein Mitleid, neue Ideen und Verständnis.

Ich helfe meinem Körper und Geist durch Kunsttherapie, Achtsamkeitstraining, Bewegungsbad und einiges mehr. Das drängt auch meinen kleinen, hässlichen Zwerg, den Parkinson in die Defensive. So sieht es aus, 20 Monate nach der Diagnose, somit nach circa sieben Jahren MP. Ich hoffe, ihn noch lange im Zaum halten zu können und vertraue auf die Wissenschaft.

 

Bika

Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.