Zehn Perspektiven zu der Frage „Warum ich?” (Teil 3 /3)

Perspektive 7:
Warum ich?
– Ich kann etwas anfangen mit der Aussage, warum nicht ich?
– Scheinbar, weil ich es aushalte und erTRAGE

Was wäre, wenn ich nicht krank geworden wäre? Ich hätte etliche mir lieb gewordene Menschen nie kennengelernt. Ich würde den täglichen Wahnsinn mit höherer Geschwindigkeit weitermachen wollen und die (auch altersbedingte) Verlangsamung nie akzeptieren. Ich könnte nie den MbP ins Treffen führen, wenn ich an meine Grenzen gelange oder einfach keine Lust mehr habe. Ich würde immer wieder lustvolle und lustgetriebene Momente der Disziplin unterwerfen… Und ein schlechtes Gewissen haben, wenn es nicht gelingt. (Impulskontrollstörung könnte keine willkommene Rechtfertigung sein

Wie wäre mein Leben dann verlaufen? Wie sähe meine familiäre Situation aus? Vermutlich nicht sehr viel anders. Aber wahrscheinlich würde ich (noch) mehr arbeiten und mir weniger Auszeit – alleine (REHA) und mit Familie – gönnen.

– Wie weit wäre ich beruflich gekommen? Ich bin schon eine ganze Weile da,
… wo ich hingehöre,
… wo ich sein wollte,
… wo ich denke, dass mein Platz ist.
Und habe verwirklicht, was ich wollte, … (aber dafür hatte es auch einer Krankheit bedurft, die mich vor die Wahl stellte, mein Leben grundsätzlich zu verändern oder den Schein zu wahren und dabei vermutlich zu sterben. Aber das ist eine andere Geschichte.)
• Es ist eher an der Zeit, mir ernsthafte Entschlüsse zur Staffelübergabe abzuringen…!

Mein Fazit: Diese W-Fragen kommen, sind wahrscheinlich unvermeidbar, sie sind quälend und zehren und am besten sucht man einen Weg, möglichst schnell brauchbare eigene Antworten darauf zu finden. Keine perfekten Antworten, aber gut genug um lebendig und handlungsfähig zu bleiben.

…Und plötzlich ergab sich eine neue Frage:
Hallo W- Frager,
mir ist aufgefallen, dass eine W- Frage, auf deren Antwort wir mit Ungeduld warten noch niemand gestellt hat.

Wann gibt es Heilung? Traut sich niemand so recht an diese Frage heran? Ist es zu absurd danach zu fragen?

Perspektive 8:
Auf diese Frage fällt mir noch eine weitere W Frage ein …

“Was ist das, Heilung?”

Aus einem langen Gespräch mit einem sehr guten Freund – von Beruf Arzt – habe ich noch das Bild vor Augen, dass du nie 100 % gesund bist und nie 100 % krank (sonst wärst du tot). Vor diesem Hintergrund ist diese Frage viel weniger fatalistisch als sie auf den ersten Blick anmutet. Wie auch immer unsere gesundheitliche Verfasstheit gerade ist – oder der Status unserer Krankheit – es kommt darauf an, was wir daraus machen! Sehen wir das Glas leider schon halb leer oder Gott sei Dank noch halb voll. Gelingt es uns, den Fokus darauf zu legen, was immer noch möglich ist oder verzweifeln wir an der Unmöglichkeit. Und wenn unser Zustand etwas besser ist, sind wir dann am Weg der Heilung und sind dafür dankbar, oder hadern wir damit, dass wir noch nicht ganz “heil” sind. Frei nach Konstantin Wecker “Genug ist nie genug!”.

Und deshalb erscheint mir die Frage “was mache ich aus dem mir im Moment gegebenen Zustand?” wesentlicher als die – vor diesem Hintergrund eigentlich unbeantwortbare – Frage “Wann gibt es Heilung?”

Perspektive 9:
Was ist Heilung?
• Die Herstellung des Ursprungszustands
• Stillstand
• Beschwerdefreiheit ohne Medikamente
• keine Einschränkungen mehr
• …
Es gibt sicher noch mehr was man der Liste zufügen kann …

Perspektive 10:
“H E I L U N G”

Alle Wetter, ihr Lieben, eines der Worte wie Glaube, Liebe, Hoffnung: nicht steigerbar, nicht teilbar, solitär ohne Hilfe von Adjektiven wie ein Fels dastehend und auch behangen mit Zierrat aus Versprechungen und Hoffnungen immer noch erkennbar.

Zuletzt flog‘s mir aus dem Mund eines Professors zu, der eine Parkinson-Patientin in einem jahrelangen Prozess der Veränderung der Darmbakterien von MP heilte, worauf ich meinte, das sei eines der wenigen ganz großen Wörter und mich zur Teilnahme an einem Heilversuch bereit erklärte.

Heilung ist für mich die grundständige dauerhafte Beseitigung einer Krankheit, deren Bewältigung durch Willens- und Körperanstrengung oder Linderung der Symptomatik durch Medis etwas anderes.

Kaum zurück aus dem barocken Freilufttempel alles Schönen, Wahren, Guten, genannt Semper-Oper, Theaterplatz, Hofkirche und noch voll von Stimmen, Gewändern, Bühnenbild und dem ärgerlichen Drama der wahren Liebe Gildas und ihres wertlos liebenden Rigoletto, leuchtet mir dieses kraftvolle Wort entgegen. Dabei sinnieren wir bei einem “Summersurprise” in der Hotelbar des Luxustempels Radisson Blue Radebeul über die Tragik des der reinen Seele der wie nach der Schöpfung noch unberührten, schönen Gilda freudig ausspringenden Jubilierens im “Die wahre Liebe! Es gibt sie doch!” und den Triumph im bösen Gebrüll des flatterhaften Rigoletto “Frauen sind unbeständig. Launisch und wankelmütig in Worten und Gedanken”.

Jaja! Die schöne Gilda und ihr Glaube an die wahre Liebe bleiben auf der Strecke, dabei hätte ein ganz kleines bisschen Piratenbraut, etwa so viel wie der erste Faden für den Rocksaum eines prächtigen Abendkleides sie schon vor dem daher gelaufenen Blender gerettet.

Aber entweder wahre Liebe oder nicht, entweder Heilung oder Linderung; nur wahre Liebe und Heilung tragen ohne jeden anderen Faden das weiße Kleid des Absoluten! Linderung und Bewältigung haben viele Farben!

Soll ich diesen gedrechselten Lindwurm jetzt Jung und Parkinson e.V. oder Parkinson Online e.V. oder den Lesern von „Dopamin“ zumuten?

Vielleicht hätte ich doch besser den wasserklaren Bach statt die abgedrehten Jungs von Vanilla Fudge im Hintergrund laufen lassen… (… wann kommen die endlich nach Deutschland?)

Fragen über Fragen…

JuP Thread (yeti blue dini kotti weissenpeter et al)

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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