Zehn Perspektiven zu der Frage “Warum ich?” (Teil 1/3)

(In diesem Beitrag sind zwei bereits veröffentlichte Antworten auf die W-Frage enthalten. Da sie Teil der Diskussion waren, möchten wir die Dynamik nicht stören und haben sie im Beitrag belassen. #teamdopamin)

Wir sind Betroffene und kennen uns (zumindest virtuell und zum Teil persönlich) aus einem Internet-Forum von Betroffenen für Betroffene und sind freundschaftlich oder zumindest durch unsere Krankheit verbunden.

Immer wieder berichtet jemand oder stellt Fragen: „Sagt mal, welche Nebenwirkungen hat dieses oder jenes Medikament bei euch …“, „Wer hat Information über den Zusammenhang zwischen …“, „Hat jemand von euch Erfahrung mit …“.

Manchmal wird auch nur einfach geblödelt und der reinen Lebenslust Raum verschafft – auch als chronisch Kranke kennen wir die Lebensfreude, die Lust am Fabulieren, das Entflammen des Geistes am Geist und das Sich-am-Wortwitz-ergötzen. Manchmal werden auch philosophische und weltanschauliche Fragen aufgeworfen. Und manchmal entspinnt sich daraus ein lebendiger Faden von Meinungen und Perspektiven.
Dieser Beitrag ist der (leicht gekürzte und publikationsfähig gemachte) Meinungsaustausch zu so einem Thema.

Christoph hat mit einer Frage eröffnet, die sich jede*r von uns schon einmal gestellt hat …

„Warum ich? Warum gerade ich? Was wäre, wenn ich nicht krank geworden wäre? Wie wäre mein Leben dann verlaufen? Wie sähe meine familiäre Situation aus? Wie weit wäre ich beruflich gekommen? Welche Frage stellst du dir?”

Gibt es darauf „gute“ Antworten? Gibt es darauf überhaupt Antworten?

Das hat einen Quell an Antworten zum Sprudeln gebracht … Hier sind zwölf Perspektiven zu einer Frage:

Perspektive 1:
Meine W- Fragen waren damals die Gleichen. In meiner Anfangszeit waren diese Fragen ständig in meinem Kopf und drehten sich im Kreis. Antworten gab es natürlich keine darauf. Das ist jetzt über sechs Jahre her. Und rückblickend, aus heutiger Sicht, finde ich Antworten für mich:

Warum Ich?
Weil ich mich immer in den Hintergrund gestellt habe. Habe immer zuerst an alle anderen gedacht und mich und meine Gesundheit, Bedürfnisse, Wünsche hintenangestellt.

Was wäre, wenn ich nicht krank geworden wäre?
Ich würde immer weiter im Stress leben. Als typischer Ja-Sager auf der Arbeit genauso wie im familiären Umfeld. Wahrscheinlich hätte ich schon längst ein Burnout. Ich würde den wirklich wichtigen Dingen im Leben immer noch nicht genug Beachtung schenken und mit Vollgas durchs Leben rasen, ohne auf mein Inneres zu achten.

Wie sähe meine familiäre Situation aus?
Ich wäre wahrscheinlich noch berufstätig. Natürlich nebenbei noch Ehefrau und Mutter mit Haus, großem Garten und Hunden. Immer bemüht, dass alles perfekt funktioniert und falls nicht, immer bedacht darauf, dass es nach außen zumindest den Schein hat. Heute erlaube ich mir nicht perfekt zu sein und genieße es

Wie weit wäre ich beruflich gekommen?
Zu dieser Frage muss ich sagen, dass ich meinen Beruf sehr geliebt habe. Auch ich habe mir die Frage gestellt, wie Gesellschaft damit umgeht…mit 42 in Rente…was will ich noch erreichen?
Jetzt bin ich auf eine gewisse Art dankbar, dass ich diesen Schritt machen konnte. Ich habe durch die Erkrankung eine zweite Chance bekommen, mich noch einmal umzuorientieren. Wer kann sich so eine Chance in der heutigen Zeit schon noch erlauben.

Meine wichtigste W-Frage:
Wäre ich glücklicher, wenn ich kein Parkinson hätte?
Klare Antwort für mich…NEIN!!!

Ich lebe mein Leben durch Parkinson intensiver, langsamer, ich genieße mehr und vor allem nehme ich mich deutlicher wahr. Ich habe viel dazu gelernt und ganz viele tolle Menschen mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten kennen lernen dürfen. Und ganz ehrlich, darauf möchte ich nicht verzichten!!!

Perspektive 2:
Ich möchte mich für deine so offene Antworten auf die W- Fragen bedanken! Auch mein Leben ist bewusster und intensiver geworden, auch wenn da noch mehr geht. Natürlich wäre ich lieber gesund geblieben, hätte in diesem Fall – und davon bin ich inzwischen überzeugt – vieles im Leben versäumt, was mir inzwischen sehr wichtig ist.

JuP Thread (yeti blue dini kotti weissenpeter et al)

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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