Was ich schon immer mal loswerden wollte

Mein Liebster, es ist schön, einen Menschen an meiner Seite zu haben, der bei mir bleibt und nicht wegläuft, „nur“ weil ich an Parkinson erkrankt bin.

Wenn ich morgens schwer in die Gänge komme – so dass nicht einmal der Bewegungsmelder reagiert. Danke, dass du mich so annimmst, wie ich in diesem Augenblick sein kann.

Und du bist an meiner Seite geblieben, in Zeiten, in denen ich mich selbst verlassen hätte. Zeiten, in denen sich meine sonst so gute Laune wochenlang nicht blicken ließ. Zeiten, in denen ich antriebslos und verzweifelt war. Und…., wenn ich mal wieder deine Warte-Geduld strapaziert habe.

Danke, dass du mein “Mittherapeut” bist, mir Mut machst und mir eine wichtige Stütze bist.

Leugnen. Behaupten, dass alles super sei, extrem anstrengendes Gute-Laune-Vorspielen. Ich mache das wirklich. Es funktioniert manchmal – wenn mein “Seelen-Akku” leer ist. Mein Lächeln ist manchmal nur Tarnung. Und ich vermeide, dir in die Augen zu sehen: mit Absicht! Denn sonst wüsstest du, was mit mir los ist.

Häufig bin ich aber besser drauf, als du denkst, mein Körper kann das dann nur nicht zeigen.

Wenn dann deine Sprüche folgen wie: „Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir“, dann muss ich lachen – das ist schön! Dein Passwort fürs Leben heißt HUMOR. Kurz mal nicht an Parkinson gedacht – zack glücklich!

Wenn ich genügend Blut in meinem Dopamin-Kreislauf habe, bin ich high und da schon etwas verrückt, aber du weißt ja, ich bin nicht immer so, es gibt auch Zeiten, da dreh ich völlig durch, gehe klettern und fahre Motorrad.

Und wenn ich mal wieder der Überzeugung bin: „Lass mich, ich kann das alleine!……oh, kaputt!“, dann merkst du was gerade in diesem Augenblick zu tun ist, einfach und praktisch.

Ich bin dir dankbar „für den Anfang und das Ende und die kostbare Zeit dazwischen“.

Und wenn du mich „zwingst“, mich auszuruhen. Damit die Putzkolonne in meinem Hirn aufräumt. Für all das liebe ich dich!

Für den Moment, an dem es heller wird, drinnen und draußen, und das Gefühl in mir aufsteigt, dass es vielleicht doch noch ein gutes Leben werden könnte.

Manchmal geht es einfach darum, weiterzumachen, sich aufzuraffen, den Parkinson alleinzulassen. Es ist anstrengend. Aber ich laufe jetzt los

Aber was ich eigentlich am allerliebsten loswerden wollte: Eigentlich müsste hier stehen: Nichts möchte ich so sehr los haben wie Parkinson!

Aufstehen, Lebensmut und Hoffnung einpacken und ab in einen sonnigen Tag!!

Deine

Canty

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