Vor der THS und nach der OP (Teil 3)

Dann begann die OP, die ich ja, wie bekannt, bei Bewusstsein, miterleben „durfte“. Das Geräusch, als mir die Schädeldecke geöffnet wurde, werde ich nie vergessen. Erst das Surren des Bohrers und dann das laute Knattern des Meißels. Angst hatte ich seltsamerweise keine und Schmerzen habe ich auch keine gespürt. ich hatte jedes Zeitgefühl verloren, erst später wurde mir bewusst, dass ich sieben Stunden im OP war, davon fünf bei Bewusstsein.

In den letzten beiden Stunden wurde mir die Batterie in die Brust eingesetzt. Dies geschah unter Vollnarkose.

An den genauen Ablauf der OP kann ich mich nicht mehr erinnern, nur an einzelne Sequenzen. Besonders die Testung der Elektroden, da diese teilweise sehr unangenehm bis schmerzhaft war. Es war sehr hilfreich, dass meine Neurologin die ganze Zeit anwesend war, mich beobachtet, mit mir geredet und mir Mut zugesprochen hat.

Meine Frau war da, als ich aus dem OP-Raum kam. Ich war ziemlich benebelt, obwohl ich alles, auch ihre Anwesenheit, wahrgenommen habe und auch mit ihr gesprochen habe.

Zehn Tage nach der OP, wurde ich für die Nachsorge -wie abgesprochen- in eine Fachklinik verlegt. Diese konnte ich dann drei Wochen später verlassen.

Heute kann ich sagen, dass die OP sehr gut verlaufen ist und eine -für mich- richtige Entscheidung war. Ich konnte meine Dosis L-Dopa auf aktuell (drei Jahre nach der THS) von 1.500 mg auf 400 mg pro Tag reduzieren und nehme keine Agonisten mehr.

Auch habe ich keine schweren Krämpfe mehr, die allgemeine Beweglichkeit hat sich verbessert und die innere Unruhe hat nachgelassen. Auch die RLS-Symptome sind zurück gegangen.

Für mich begann das Leben neu. Ich bin an Parkinson erkrankt, ok, aber ich habe gelernt damit umzugehen und auch durch die THS gelernt, dass es immer Möglichkeiten gibt, die Lebensqualität zu erhalten. Das Leben im Hier und Jetzt habe ich erlernt und meine Perspektiven, Ansichten und Werte haben sich geändert. Ich jage nicht mehr beruflichen Erfolgen hinterher und muss nicht immer perfekt sein und das auch noch schnell, sondern ich kann das tun was mir wichtig ist, und zwar in meinem Tempo. Wertschätzung und Anerkennung erhalte ich nicht mehr für meine Leistungen, sondern für meine Person.

Auch wenn es Tage gibt, an denen ich mich frage: Warum ich? und ich mich schlecht bewegen kann, Schmerzen habe und ich mal wieder irgendwas kaputtmache, weil es mir aus der Hand fällt, so kann ich dies nun viel besser wegstecken und mich an den guten Tagen erfreuen. Ich kann zwar nicht mehr so viel Sport treiben, habe jedoch anderes neu oder wieder für mich entdeckt.

Diesen Bericht habe ich geschrieben, um allen Betroffenen zu sagen, dass es nicht Die Lösung gibt, sondern, dass ein Jeder seine Lösung suchen und finden muss. Es gibt sie, und so schlimm die Veränderungen auch empfunden werden, sie eröffnen auch andere Wege und Sichtweisen.

LA65