Vor der THS und nach der OP (Teil 1)

Kurz zu meiner Person:
Ich bin ein 53jähriger Mann, Diagnose 2010 (mit 45) seit 2013 Rentner
THS 07.2015, verheiratet, keine Kinder

Warum tust du dir das an?
Diese Frage habe ich oft gehört, als mein Entschluss feststand, die THS durchführen zu lassen. Ich denke, dass die Entscheidung, ob ein Betroffener diese OP machen lässt, immer einzelfallabhängig und höchst individuell ist.
Es gibt meines Erachtens kein richtig oder falsch, sondern nur eine Situation in der die THS eine Lösung sein kann.


Nach dem Auftreten der ersten Symptome Mitte 2010 habe ich auf Grund meiner familiären Vorbelastung recht schnell meine Diagnose erhalten.
2011 hatte ich meinen ersten Klinikaufenthalt und wurde auf meine Medikamente eingestellt. Leider hatte diese Einstellung nicht lange Bestand. In immer kürzer werdenden Abständen verschlechterte sich mein Zustand. Es gab Tage und Nächte in den ich mich nicht mehr bewegen konnte und auch an Schlaf war nicht zu denken. Mein Nachtschlaf belief sich auf 1 bis 3 Stunden pro Nacht.

Die Einstellung auf L-Dopa gestaltete sich schwierig, da ich als Zweitdiagnose RLS erhielt. Echt sch…. Mit dem L-Dopa sollte meine Beweglichkeit erhalten werden, was aber die Unruhe in den Beinen auch verstärkte.

Ich wußte nicht mehr ein und aus, fühlte mich wie Odysseus zwischen Scylla und Charybdis, die Wahl zwischen Pest und Cholera . Zu dieser Zeit war ich noch voll berufstätig und mein Job verlangte Belastbarkeit, Flexibilität, d.h. 60 Stunden-Wochen und ungefähr zu fahrende 50.000 km p.a. .
Ende 2012 konnte ich nicht mehr und habe eine ReHa beantragt, die ich auch problemlos bewilligt bekommen habe.

Mittlerweile war meine Tagesdosis auf 800 mg L-Dopa angestiegen, dazu Agonisten, Schmerzmittel, Schlafmittel u.s.w. die ja auch ihre bekannten Nebenwirkungen haben und auch teilweise bei mir zeigten. Ich wurde immer ungeduldiger und reizbarer, war meinem Umfeld sicherlich eine Last.

Meinem Beruf nachzugehen fiel mir immer schwerer. Meine Feinmotorik ist mir abhanden gekommen. z.B. konnte ich eine Maus nur noch mit Trickmanövern bedienen. Meine Konzentrationsfähigkeit ging immer mehr zurück.

Ich bin dann im Februar 2013 in die ReHa gefahren, in dem Glauben das ich dort wieder fit gemacht werde und dann geht es weiter. Das erwies sich als Trugschluss. Ich kam als berufsunfähig aus der ReHa zurück ; wurde von 100% auf 0 ausgebremst. Da mir mein Beruf sehr viel bedeutet hat, fiel ich in ein großes Loch, das ich nur mit Hilfe meiner Frau und professioneller Unterstützung überwinden konnte.

Nur mein gesundheitlicher Zustand verbesserte sich nicht, sondern verschlechterte sich weiter und weiter. Die Off-Phasen folgten in immer kürzeren Intervallen und ich bekam Wadenkrämpfe die bis zu 45 Minuten andauerten und als deren Folge Muskelfaserrisse entstanden. Mir fielen Gläser, Tassen etc aus der Hand, ich konnte kaum noch laufen und schlafen ging fast gar nicht mehr.

Ich habe dann zum Glück den richtigen Arzt gefunden, der mich über die THS beriet und mir die Vor- und Nachteile gut erläutern konnte und mir auch keine Versprechungen machte, sondern nur die Möglichkeiten und Folgen, Chancen und Risiken, aufzeigte.

Mittlerweile war ich bei einer Tagesdosis von 1500 mg L-Dopa angekommen ,mit dem Wissen, dass Langzeitschäden auftreten werden bei dieser Dosis und ich lebte mit permanenten Schmerzen und Krämpfen. Aus dieser persönlichen Situation heraus habe ich mich, nach reiflicher Überlegung, entschlossen die THS durchführen zu lassen.

LA65