Von Einem, den Parkinson nie interessiert hat (Teil 2/3)

Er ist einfach umgefallen…

Und das waren damals sicherlich schon Anzeichen von Parkinson. Im Nachhinein betrachtet ergibt jedes kleine Puzzleteil nun ein gesamtes Bild.
Aber damals, ja damals haben wir drüber gelacht, blöde Witze gerissen und nicht im Traum daran gedacht, dass eine solche Krankheit dahintersteckt.
Die Anzeichen dafür, dass irgendwas mit Tony nicht stimmt, wurden im Lauf der Zeit immer mehr und immer deutlicher. Schwankender Gang, immer langsamer werdende Bewegungen, teilweise eingeschränkte Fingerfertigkeit und auch die Art und Weise seinen Kopf zu bewegen, waren auffällig.
Und eines Tages erfuhren wir: Der Tony hat Parkinson!
Parkinson!

„Schüttellähmung, oder wie heißt das?“
Unsere Meinung war: Das bekommen doch nur alte Leut´!
Weit gefehlt!
Und wie rasant der Krankheitsverlauf dann war, war für uns als Freunde schon erschreckend. Innerhalb von ein paar Jahren brauchte der Tony einen Stock zum Gehen, weil ein Fuß nicht mehr so wollte wie er und plötzlich saß der Tony zeitweise im Rollstuhl!

Das kannst du als Außenstehender nicht begreifen!
Beim Zelten haben wir es dann so richtig mitbekommen. Die Unmenge an Tabletten, alle paar Stunden eine Handvoll! Dinge, die für uns selbstverständlich sind und leicht von der Hand gehen, wie z. B. das Zelt aufstellen, die Abspannschnüre spannen, die Heringe in den Boden schlagen, für alles brauchte der Tony unendlich viel Zeit. Aber auch damals ließ er sich kaum helfen, er wollte immer alles selber machen. Da konnte man schon erkennen, dass sich der Tony mit seiner Krankheit nicht einfach so abfinden wollte.

Was innerlich in einem Menschen vorgehen muss, der seinen eigenen „Verfall“ in dieser Geschwindigkeit erlebt, kann sich einer, den es nicht betrifft, kaum vorstellen. Die Unzufriedenheit, das Hadern mit dem eigenen Schicksal, die teilweise Aggressivität in der Wortwahl und der harsche Umgang mit seiner Familie und Freunden, aber auch das Resignieren, das alles findet plötzlich eine Erklärung.

Und trotzdem hat uns das manchmal aufgeregt. Aber so war er halt, der Tony.
Einige Zeit später hat er sich dann einen „Hirnschrittmacher“, wie er ihn nennt, einsetzen lassen, weil es für ihn die einzige Option war, massiv etwas gegen die rasante Entwicklung der Krankheit zu unternehmen. Was war das für ein Erfolg.

Thomas