Verhaftet, jedenfalls beinahe (Teil 2/3)

Unfähig, mit klaren Sinnen zu denken, viel weniger noch in klaren Worten zu reden, unmöglich etwas leserlich aufzuschreiben, hämmerte mir mein Hirn mit ultrakurzer Wiedervorlagezeit den Begriff „internationaler Haftbefehl“ in den Kopf, immer wieder.

Ein aus der digitalen Antike herübergeretteter Taschenrechner auf dem Schreibtisch, mit vergleichsweise riesengroßen Tasten, rettete mich wohl vor der sofortigen Verhaftung. Es war das Gerät, das ich in der gegenwärtigen Verfassung bedienen und in das ich die mir genannte Telefonnummer eintippen konnte.

Nach Abschluss dieses Telefonats wäre jetzt wohl der richtige Zeitpunkt gekommen, das alles mal in Ruhe sacken zu lassen und nachzudenken… ja wäre…mir jedenfalls ist dieser Gedanke nicht gekommen, mich ritten im Moment wohl zehn Teufel gleichzeitig und das jeder in eine andere Richtung, wobei sie mir ständig „nur eine halbe Stunde Zeit“, „internationaler Haftbefehl“, „Bundeskriminalamt anrufen“ ins Ohr brüllten.

Zitternd wählte ich die im Taschenrechner gespeicherte Wiesbadener Nummer des Bundeskriminalamtes. Nach gerade zweimaligen Klingeln sprach ich mit Herrn Straub vom BKA.

„Tja, Herr Bornemann“ hörte ich ihn sagen, nachdem er anhand meiner Personalausweisnummer, die ich ihm vorgestottert habe, er angeblich meine Identität geprüft hatte. „Gegen Sie liegt ein internationaler Haftbefehl aus der Türkei vor, Sie haben bedeutende Kulturgüter widerrechtlich außer Landes geschafft, was sagen sie zu diesem Vorwurf, Herr Bornemann?“

Ich inzwischen den Tränen nahe und mit derartigen Überbewegungen versehen, das Sorge um die Unversehrtheit der in meiner Reichweite positionierten Gegenstände bestand, erinnerte mich daran, und ich gab dem BKA zu Protokoll, dass wir vor Jahren an lässig eines Türkeiurlaubes mal einen viel zu teuren Teppich gekauft haben. „Sie geben den Vorwurf also zu?“ schrie mich das BKA an. „Ich schicke zwei Kollegen los, die Sie umgehend abholen und hier nach Wiesbaden bringen werden, halten Sie sich bereit!“

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