Schreiben oder Therapie?

1000 Fragen , 1000 Ängste, 1000 Sorgen. Das hat man nach der Diagnose.
Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll! Dank Kotti habe ich das Buch Dopamin gefunden. Ich las fleißig mit und war erleichtert, dass die anderen auch diese Sorgen hatten. Und die ersten Dinge erklärten sich beim Lesen.

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Erstaunliche Erkenntnis

Jetzt schlage ich mich schon zweieinhalb Jahre mit der Parkinson Krankheit herum.

Nach der Diagnose ging es mir wie vielen anderen. Schock und Euphorie!
Schock, diese Krankheit kommt doch viel zu früh.
Euphorie, endlich stand fest, dass ich kein Hypochonder bin, die Krankheit behandelt werden kann und die Odyssee hat ein Ende.

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Selbsthilfe

Ich spüre es ganz genau, irgendetwas stimmt nicht mit mir: mich plagen Depressionen und Ängste auf der psychischen Seite und starke Nackenverspannungen körperlich.
Dabei war ich doch erst 28 und hatte das Leben noch vor mir, auch wenn ich mir an schlechten Tagen da gar nicht so sicher war. Ich schob alles auf den frühen Tod meines Vaters und den Freitod meiner Stiefschwester, die ich sehr mochte. Zusätzlich war ich neu in einem Job, als Technischer Redakteur, den ich gar nicht gelernt hatte. Eine weitere Belastung waren die Schulden, die ich aufgenommen hatte, um ein Reihenhäuschen zu kaufen.

So vergingen die Jahre mit ständigen Arztbesuchen. Ich hab sie alle gesehen, Psychologen, Neurologen, Internisten, Orthopäden und Heilpraktiker. Jeder fand was und jeder hatte ein Mittelchen. Doch irgendwie war mir klar, dass da noch was anderes sein musste. Inzwischen war ich 58 und hatte mit viel Mühen doch durchgängig gearbeitet.

Nach einem MRT, das wieder mal einen Bandscheibenvorfall erbrachte, sagte ich zu mir, „Hilf dir selbst, sonst hilft Dir keiner“. Inzwischen gab es ja auch das Internet und recherchieren hatte ich in meinem Beruf gelernt. So sammelte ich Symptome: Da waren die Krämpfe, der Verlust meines Geruchsinns, die Depressionen und Ängste und vor allem das Zittern, das aber nur einseitig war. Meine Schrift wurde undeutlicher und kleiner. Auch Schlafstörungen gehörten zu meinem Repertoire. Hinzu merkte ich beim Yoga, dass es mir schwer viel, auf einem Bein zu stehen.

All das zusammen führte mich zur Diagnose Parkinson, was ich auch meinem Neurologen berichtete. Er machte ein paar Tests, meinte, das könnte stimmen und schickte mich zum DAT-Scan. Das Ergebnis war eindeutig und meine Selbstdiagnose richtig. Seitdem nehme ich Medikamente gegen Parkinson und kämpfe mit der Verschlechterung der Symptome.

Interessanterweise hat es mir geholfen, endlich zu wissen, wie mein Gegner heißt:
Morbus Parkinson vom idiopathischen Typ. Damit musste ich nun leben und nahm mir vor, die Zeit, die ich noch habe, möglichst intensiv zu nutzen. Der Unfalltod meines Stiefsohns verschlimmerte alles noch vielfach, denn das war das Schlimmste, was meiner lieben Frau und mir passieren konnte.

Ich lernte den Wert des Lebens, auch mit Parkinson, neu zu schätzen. Deshalb verbringe ich nun viele Wochen in Spanien und habe trotz finanzieller Einbußen aufgehört zu arbeiten, es ginge auch gar nicht mehr. Große Hilfe bekomme ich nun durch die Parkinson-Gruppe in Spanien, die auch sehr aktiv ist. So hat mich meine Selbsthilfe in die Selbsthilfe-Gruppe gebracht und ich bin kein Einzelkämpfer mehr.

Campagnol

Selbsthilfegruppe

Nach dem DAT-Scan bin ich zu Ersteinstellung in die Klinik gekommen, ich hatte Glück und zwei Tage später hat man mir einen Platz angeboten. Hier wurden mir schon die ersten Informationen gegeben, was mich nun alles erwartet und wie es weiter geht. Ich war mit der Situationen total überfordert und wollte am liebsten gar nichts wissen. Mein erster Gedanke war: was ich nicht weiß, kann mich nicht belasten. Ich wollte es am liebsten verdrängen. Nichts hören von dem Wahnsinn. Mein Gedanke war: stellt mich bitte einfach auf die Medikamente ein und lasst mich in Ruhe!

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Selbsthilfe

Im gesamten Komplex der Gesundheitsindustrie ist die Selbsthilfe inzwischen zu einem festen und wichtigen Element geworden. Sie ist für viele Patienten ein alternativloses Angebot, unter den Bedingungen einer oft schweren oder chronischen Erkrankung, nicht allein gelassen zu werden. Selbsthilfe ist nicht egoistisch, sondern lebt im Wesentlichen von der Teilhabe an den Problemen anderer Menschen. Der selbst an Krebs erkrankte und inzwischen verstorbene frühere französische Präsident Mitterand hat es einmal treffend formuliert, indem er sagte: „Das eigene Schicksal ist schon irgendwie zu ertragen, das der Anderen schon nicht mehr so.“

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