Temperaturunterschiede, Arbeit und der Parkinson (Teil 2/2)

Bei näherem hinschauen kommt der tägliche Kampf mit der Armut zutage. Ich sprach mit einer Frau, alleinerziehend, mit drei Kindern zwischen 5 und 12 Jahre alt. Sie baut auf ihrem kleinen Feld Cassava und Mais an und verkauft die Ernte einmal in der Woche auf dem Markt im nächstgrößeren Ort. Wenn der Ertrag für den Markt nicht ausreicht, kauft sie noch etwas in ihrem Dorf dazu. Ihr Gewinn? An guten Tagen 50 Ghanaische Cedi (8 Euro) und an schlechten Tagen 20 Cedi (3 Euro). Das muss für den Rest der Woche reichen. Ich schaue im kleinen Dorfladen nach Preisen. Eine kleine Tüte Waschmittel (reicht für eine Ladung Wäsche) kostet 1,30 Cedi. Ein Kaffee 0,30 Cedi und ein Döschen Kakaobutter für die Haarpflege ganze 45 Cedi.

Ein Mann, der gerade Lehmziegel für seine neue Latrine herstellt, will mich seiner Mutter vorstellen, eine sehr alte Dame. Sie ist schlank und groß, sitzt aufrecht auf einer Bank und blättert in der Bibel. Der Schalk blitzt aus ihren Augen, als sie mir die Hand gibt. Ich erwähne, dass ich aus Deutschland bin. Sie lacht und sagt, sie hätte deutsche Vorfahren. Das ist aber lange her, sie wedelt mit den Armen, um zu zeigen, wie lange das her ist und kippt fast von der Bank. Ihre Enkelin, die bei der Übersetzung hilft, fängt ihre Großmutter lachend auf. Später frage ich meinen lokalen Kollegen, ob das sein kann. Klar, sagt er, die Familie stammt aus der Volta-Region, einer ehemaligen deutschen Kolonie.

Das Filmteam lässt eine Drohne steigen, um Aufnahmen aus der Höhe zu machen. Sofort sind die Kinder zur Stelle und rennen laut rufend hinter ihr her, wirbeln mit ihren nackten Füßen jede Menge Staub auf. In Ghana herrscht Schulpflicht und fast alle Kinder in diesem Dorf gehen zur Schule. In der Schule gibt es Mittagessen: Reis, Gemüse und Soße. Ein Grund mehr, seine Kinder zur Schule zu schicken, denn hier gibt es in der Regel nur zwei Mahlzeiten am Tag.

Bevor es zurück ins Hotel geht, werden noch letzte Aufnahmen am Brunnen gemacht. Eine Frau lässt 15 Liter Wasser in eine große silberne Schüssel laufen. Es braucht zwei weitere Frauen, um ihr die volle Schüssel auf den Kopf zu hieven. Das ist verdammt harte Arbeit für die grundlegendsten Dinge des Lebens. Ich beobachte nachdenklich ein kleines Mädchen, das mit einer kleinen Wasserflasche auf dem Kopf um die Ecke verschwindet.

Einen Nachtflug und 35 Grad Temperaturunterschied später, sitze ich in meinem Wohnzimmer auf dem Sofa und schaue mir Fotos von der Reise an. Das Telefon klingelt, ich will flink aufspringen und bleibe mitten in der Bewegung stecken.

Hallo Herr Parkinson, da bist du ja… leider….

May

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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