Temperaturunterschiede, Arbeit und der Parkinson (Teil 1/2)

Ich hatte viel Arbeit in letzter Zeit und ich hatte Mühe, das Tempo gedrosselt zu halten und dem Parkinson die Gelassenheit zu bieten, die er brauchte.

Der Höhepunkt war die vergangene Woche. Ich hatte einen Arbeitseinsatz in Ghana und keinen blassen Schimmer, wie der Parkinson darauf reagieren würde. Ein Filmteam sollte eine Dokumentation über ein Wasserprojekt in einem kleinen Dorf drehen und ich musste darauf achten, dass der Drehplan eingehalten wurde, Motive diskutieren, Interviews führen, Hühner und Ziegen verjagen und einiges mehr. Wir hatten einen sehr engen Zeitplan.

Es war Trockenzeit in Ghana, also die heißeste Zeit im Jahr. Wir hätten aber Glück, wurde uns gesagt, es war für die Jahreszeit außergewöhnlich kühl. OK, das half 32 Grad im Schatten und 98 Prozent Luftfeuchtigkeit ein bisschen besser auszuhalten. Es ist halt, wie so vieles, nur eine Frage der Perspektive.

Zum Glück war ich nicht alleine unterwegs, die Aufgaben verteilten sich auf mehrere Schultern und ich hatte Gelegenheit, mich zwischendurch im Schatten eines Baumes auszuruhen, die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen und zu schauen, dass mit Herrn Parkinson alles in Ordnung ist.

Mr. P glänzte mit Abwesenheit. Ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit. Mein Tremor war selbst für mich kaum noch zu spüren. Mein linkes Bein, das sich sonst schwach und wie ein Fremdkörper anfühlte, war wieder kräftig und Eins mit dem Rest meines Körpers. Steifigkeit und Schmerzen, alles wie weg geblasen. Ich zerbrach mir den Kopf darüber, woran das wohl liegen mochte, gab aber nach einer Weile auf und beschloss, diese Pause von meinem ständigen Begleiter einfach zu genießen.

Es gab so vieles zu sehen: Tollende Kinder, Frauen, die alles, was schwer oder sperrig war, auf dem Kopf trugen: Riesige Aluminium-Schüsseln, randvoll mit Wasser, Türme von Gebäck, die Ernte vom Feld, eine Nähmaschine. Die Frau der Elektrizitätsgesellschaft saß auf einem Hocker vor einer gelb gestrichenen Kiste im Schatten eines Baumes und sammelte die Stromgebühren ein. Überall Musik. Und wo Musik war, wurde mindestens mit dem Fuß gewippt.

May

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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