Tanzen bei Parkinson? Ja!

Natürlich bzw. warum nicht? Für mich ist Tanzen immer schon eine Medizin gewesen! Sowohl für die Seele als auch für den Körper!
Bis vor 2 Jahren war Parkinson für mich der Name einer Krankheit, bei der man zittert. Das war´s. Sehr sehr vielen Leuten in unserer Gesellschaft geht es leider auch so.

Seitdem ich Parkinson durch meine Leidenschaft, das Tanzen, kennenlernte, bin ich stolz und froh aktiv gegen dieses Gesellschaftsbild zu arbeiten! Ich bin 28 und Künstlerin. Ich arbeite als Musiktheaterdarstellerin, Tanz- und Musikpädagogin und bin Gründungsmitglied und 2. Vorsitzende des Vereins projekt:tanz e.V., der Tanzen für Parkinsonerkrankte anbietet.
Ich gebe zu, ganz am Anfang war ich etwas eingeschüchtert. Wie viel kann ich verlangen wenn ich mit Parkinsonerkrankten tanze? Darf ich streng sein und Kritik üben und wie sehr darf ich sie fordern? Außerdem ist jeder Tag, an dem wir uns zum Tanzen treffen, anders. Weil jeder Tag mit dieser Krankheit anders ist, wie ich gelernt habe. Aber das ist völlig ok! Jeder soll nur so viel machen, wie er in diesem Augenblick geben kann! Keiner erwartet einen Spagat oder eine doppelte Pirouette. Darum geht es ja auch gar nicht! Es geht darum, sich gemeinsam auszuprobieren, sich, seinen Körper und seine Grenzen zu erforschen und herauszufordern. Durch den ständigen Austausch und das Vertrauen von und zu unseren Tänzern, ist diese Arbeit einfach nur toll und ich fühle mich auch nicht mehr unsicher! Ja, Parkinson ist da, aber irgendwie ist das auch egal.
Wenn ich das so beobachte, ist die Arbeit mit unseren Parkinsontänzern, im Vergleich zu meiner Arbeit sonst, etwas ruhiger, bewusster, lustiger, weil oft gelassener, und irgendwie sinnlicher. Anders kann ich es nicht beschreiben. Und es ist einfach so dermaßen toll, wenn man innerhalb von einer Stunde schon Verbesserung der Symptome, der Haltung, des Gemüts sieht! Und das kommt wirklich immer vor! Jedes Mal bin ich nach einer Stunde zufrieden und glücklich, weil mindestens einer etwas geschafft hat worauf er stolz sein kann!
Außerdem ist es für mich sehr beeindruckend, dass so viele so motiviert sind aktiv eine Rolle zu übernehmen um gegen die Symptome anzukämpfen! Aufgeben ist für mich sowieso nie eine Lösung, daher von mir der Appell: unternehmt Sachen, bewegt euch, singt, malt, tanzt, es kann nur helfen!!!

Soi