Parki begleitet mich schon eine ganze Weile

Parki begleitet mich (männlich, 59, noch voll im Berufsleben) schon eine ganze Weile. Auch wenn ich das selbst gar nicht gewusst habe.

Bemerkt habe ich eine gewisse Tendenz zur Mißmutigkeit (als gelernter Österreicher habe ich das auf den “Altersgrant” geschoben). Ich habe meine Pilotenlizenz ruhend gestellt, weil ich das Gefühl hatte, nicht mehr sicher genug zu fliegen (als Ursache sah ich die jobbedingt fehlende Zeit zum Fliegen um in Übung zu bleiben…). Beim Laufen wurde es beschwerlicher und ich hatte ein Taubheitsgefühl im Vorfuß, so wie wenn die Socke im Schuh Falten schlägt und sich verknittert (“… ach, hast vor lauter Stress die Socken wieder nicht ordentlich angezogen …”). Beim Tippen auf dem PC kam die linke Hand plötzlich nicht mehr nach und die Tippfehler (links) vervielfachten sich …

Viele Indizien gab es in den letzten neun Jahren, die ich nicht wahrgenommen oder nicht richtig interpretiert habe … oder die ich vielleicht auch nicht sehen wollte…

Vor knapp fünf Jahren hat mich ein Bandscheibenvorfall ereilt, der auch trotz Kur nicht besser werden wollte. Und dann kam noch ein Schulterproblem dazu, ohne großen Unfall oder so (ich kannte ja Sportverletzungen und Verletzungen aufgrund von Unachtsamkeit und Leichtsinnigkeit beim Spielen mit den Kindern – davon habe ich drei, einen erwachsenen Sohn aus erster Ehe und zwei Schulkinder mit 10 und 12 aus meiner zweiten Ehe).

Als der Orthopäde meinte, es wäre Zeit zum Operieren, weil die Therapie immer nur zu kurz greift, habe ich mich besonnen und bin wieder einmal zu meinem Homöopathen gegangen (bisher die allerbesten Erfahrungen!!!).

Ihm ist aufgefallen, das meine Gesichtszüge “eingeforen” waren und ob ich das schon länger hätte. Ich kannte viel an mir, aber ein ausdrucksloses Gesicht bisher nicht, aber bei genauerem Hinsehen hatte er ja Recht. Er äußerte seinen Verdacht und schickte mich zum Neurologen zur Abklärung. Bei uns gibt es ein sehr gut funktionierendes “Netzwerk Homöopathie”, in dem die Schulmedizin und die Homöopathie sehr gut miteinander kommunizieren und kooperieren. Und beim Neurologen war es dann klar und der Verdacht hat sich bestätigt … Morbus Parkinson.

Gefreut hat mich das gar nicht. Aber irgendwie war ich auch erleichtert, endlich zu wissen, warum ich mich nicht mehr gut bewegen konnte, warum meine linke Hand beim Tippen versagt, warum Sport so beschwerlich geworden ist (ich bin leidenschaftlich und viel gelaufen) und warum mir auch meine bioenergetischen Übungen zunehmend weniger Freude machten …

Nach einer langen Abklärung mit Neurologe und Homöopath habe ich akzeptiert, dass an einer Substitutionstherapie kein Weg vorbei führt. Ich bin ja ansonst ein klassischer Pillenverweigerer, lieber ins Bett, schwitzen und auskurieren als Medikamente schlucken!

Und so kam ich zu Sifrol … Nach gut einem dreiviertel Jahr Monotherapie kamen so die Nebenwirkungen, Ödeme (Wasser in den Beinen, insbesondere Sprunggelenken), Impulskontrollverlust (gesteigerte Libido, Einkaufssuchtverhalten …).

Ein Wechsel zu Requip war ein absoluter Rohrkrepierer. Wirkung null, aber alle Nebenwirkungen, die man(n) sich (nicht) wünscht. Keiner weiß warum, aber ich bin in einen Zustand wie völlig unbehandelt zurückgefallen, der linke Arm hat nicht mehr mitgeschwungen (auch nicht bei “ernsthaften Überredungsversuchen”), das linke Bein habe ich nachgeschleppt und gegangen bin ich und gefühlt habe ich mich wie ich denke, dass sich ein knapp 90jähriger fühlt …

Vor einer Einnahme von Levadopa / Madopar habe ich mich gefürchtet ob der immer wieder beschriebenen Hyperkinesie. Nach neuerlichen intensiven Gesprächen mit meinen Ärzten habe ich mich zu einer Substituionstherapie mit L-Dopa entschieden.

Und dann kam die Reha.

Eines der besten Dinge, die mir in meiner Parki-Karriere widerfahren ist, war mein Reha Aufenthalt in Münster / Tirol. Mein Kompliment nochmals an Dr. Christian Brenneis und sein Team, die den Aufenthalt nicht zu einem Verweilen in einem “kranken Haus” machten, sondern eine Atmosphäre der Herausforderung, der aktiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper- und Krankheitsbild gestalteten und konsequent zur Übernahme von Eigenverantwortung für den weiteren Lebensverlauf angehalten haben. Hier nochmals ein Danke!

Heute fühle ich mich recht gut eingestellt (150 mg Madopar und Azellekt um 6:00 in der Früh), jeweils 100 mg Madopar um 10:30, 14.30 und 18.30 und 100 mg retardiertes Madopar CR um 22.00 plus ein Neupro Pflaster 6mg/24 Std). Den Medikamentenzyklus und den damit verbundenen Nahrungsaufnahme-Zyklus (2 Stunden vor Medikamenteneinnahme keine Nahrung und kein Eiweiß, auch keine Milch im Kaffee) muss ich sehr akribisch einhalten, dann geht es mir ausreichend gut, auch wenn die Beweglichkeit gegenüber dem Reha Ende vor mehr als einem Jahr deutlich schlechter ist.

Ja, da gibt es noch eine Episode. Im Sommer letzten Jahres hatte ich einen Autounfall. Ich bin von der Straße abgekommen und mein Vorderreifen hat sich in einer tiefen Regenrinne verhakt, an deren Ende sich ein Kanalabflussrohr befand. Und da bin ich beinahe ungebremst hineingedonnert. Das Auto war ein Totalschaden (Vorderes Rad inklusive Achsaufhängung ausgerissen, Unterboden kaputt …) Mir war scheinbar nichts passiert, nur nach einigen Tagen begann mein Rücken krummer zu werden und zu schmerzen. Die Physiotherapeuten gingen von einer “Überdehnung meiner Wirbelsäule aufgrund des Aufpralls” aus …

… und damit hatte ich auch wieder eine Begründung, warum es mir schlechter geht …

Aber (ein Teil der / bzw die) Wahrheit war: Wenn ich ausreichend Sport betrieb und / oder meine Übungen machte, ging es mir (vor dem Unfall) gut. Wenn der innere Schweinehund gewonnen hatte oder ich mich von der Arbeit verführen ließ, anstelle etwas für meinen Körper zu tun, dann merkte ich das sofort und unerbittlich.

Und Ausreden zählen nicht!!!

Dann kam eine sehr intensive Reitstunde mit meiner Tochter im Dezember letzten Jahres … an deren Ende ich fast nicht mehr vom Pferd absteigen konnte. Verdacht auf Bandscheibenvorfall. Nachdem es trotz Injektionen nicht besser wurde, ab in die Radiologie. Die MRT zeigte dann je eine Deckplattenfraktur beim 3. Lendenwirbel und 12. Brustwirbel. Bei der anschließenden Densitometrie dann die Diagnose “Osteoporose”. Wahrscheinlich aufgrund einer früheren Einnahme von hochdosiertem Kortison …

Ob es Spätfolgen des Autounfalles oder Überanstrengung beim Reiten oder “bloß” eine Spontanfraktur aufgrund der Osteoporose waren, kann keiner mehr mit ausreichender Genauigkeit beurteilen. Fakt ist, dass meine Beweglichkeit aufgrund des Morbus Parkinson eingeschränkt ist und das noch durch ein Stützmieder zum Stabilisieren der Wirbelsäule verstärkt wurde.

Einen neuerlichen Reha Termin musste ich aufgrund der Wirbelbrüche absagen. Um wenigstens irgendetwas für meinen Körper in der Phase der maximalen Unbeweglichkeit zu tun, habe ich mich auf das Experiment einer Ayurveda Kur eingelassen. Mit sehr zufriedenstellenden Ergebnissen. In Summe habe ich 10 kg abgespeckt und die subjektive Befindlichkeit nach der Kur war bedeutend besser als vorher.

Eine Selbsthilfe-Gruppen-Kollegin vor mir hat bei Ihrer Vorstellung geäußert “Parkinson ist nichts für Feiglinge!” Dem kann ich nur zustimmen. Ich arbeite so hart ich kann am Erhalt meiner Beweglichkeit, merke aber doch auch immer wieder Rückfälle und Verschlechterungen. Manchmal gibt es auch Fortschritte, aber mit den Rückschritten muss ich auch leben. Ich denke, ich habe mich in Summe mit “meinem” Parki und mir ganz gut arrangiert, aber die Herausforderung beibt bestehen. Und das ist nicht immer ganz leicht!

Peter