Hat Parkinson auch positive Seiten?

Parkinson hat mir sehr viel genommen. Wie viel Jahre hat er mein Wohlbefinden schon gestört? Ich weiß es nicht, weil Ärzte nicht gefunden haben, warum ich diese Beschwerden habe.
Erst als das Zittern des Beines 2010 auftrat wurde Parkinson vermutet.
Alles hat zwei Seiten. Auch Krankheiten, so auch Parkinson. Leider sind die positiven weniger aber dafür intensiver.
Als ich endlich 2013 die Diagnose gestellt bekam, suchte ich nach Menschen, denen es ähnlich ging wie mir. Ich fand die Selbsthilfegruppe Parkinson. Es war eine Kontaktgruppe von etwa 10 Leuten.
Mein Gefühl hier etwas zu finden, was mir hilft mit dieser Krankheit zu leben,
hat mich nicht getäuscht. Als der Leiter der Gruppe diese Arbeit nicht mehr machen konnte, wurde ich gefragt. Mein Mann erklärte sich bereit und übernahm die Gruppe. Wir wurden eine Regionalgruppe mit zur Zeit 25 Mitgliedern.
Was hat mir Parkinson gebracht? Viele nette Leute mit denen gemeinsame
Unternehmungen Spaß und Freude bereiten. Jeden Monat mindestens zwei Veranstaltungen, wie Buchlesungen, Frühlingsfest, Kremserfahrt, Arztvorträge u. s. w.
Und das Beste, ich habe das Forum und Team Dopamin entdeckt.
Viele gute Beiträge und Hinweise erhalte ich. Danke
Es muss keiner allein mit seinen Problemen fertig werden, wenn er bereit ist offen darüber zu reden.
Leider sind wir meist schon 70 plus Jahre, uns fehlen junge Leute, denen ich wünsche von dieser Krankheit verschont zu bleiben.

Lindi

Kraniche für Kyoto

Das Basteln der Kraniche bereitet mir Freude.
Da wird trotz Tremor nicht an Parkinson gedacht.
Wenn er mich nachts nicht schlafen lässt, dann stehe ich auf und fange zu basteln an.
Das Falten geht nicht immer gut, doch verliere ich nicht den Mut.
Ist nicht alles ganz exakt, der gute Wille zählt und das ist Fakt.
Die Botschaft, die ich überbringe:

Gesundheit, Freude, Erfolg, Glück und Frieden bringen mir Freunde zurück.

Wenn über Ländergrenzen sich die Menschen verstehen, in Frieden miteinander leben, wird diese Erde zum Paradies.
Frieden ist genauso wichtig wie Gesundheit.
Wer einmal einen Krieg erlebt hat und wie durch Bomben die Erde bebt, Menschen qualvoll sterben müssen, der kann nur eine Botschaft in allen Sprachen schreiben.

Frieden, Mir, peace, paix, heiwa, shalom, rauha, pace, fred, taika, vrede, paz, bike, baris, pyanghwa, pokoy…

Lindi

Ich komme mit dir, Ella

Liebe Ella,
mir gefällt dein Vorschlag, den Jakobsweg zu gehen.
Leider bin ich schon alt und nicht mehr gut zu Fuß.
Als Kind bin ich bei Kriegsende von dem Ort unserer Flucht nach Hause gelaufen (Schlesien).
Jeden Tag 15 bis 20 Kilometer, oft ohne Essen und Trinken.
Das dauerte zehn Tage und dann kamen wir in einem verwüsteten Heimatort.
Überall standen Panzer, sogar in der Kirche und die Straßen waren vermint.

Es war ein Weg in die Heimat, den ich nie vergessen werde, da viele schreckliche Erlebnisse unsere Begleiter gewesen sind. Nur einen Monat durften wir zu Hause sein, dann wurden wir wie eine Viehherde vertrieben, links und rechts bewaffnete Soldaten.
ES REICHT!

Nun würde ich gern mit dir den Jakobsweg gehen.
Mich an einer schönen Wiese erfreuen, dem Gesang der Vögel lauschen und mit dir ein Lied singen.
So vertreiben wir die Sorgen mit Herrn Parkinson.
Du bist noch jung, ich schon alt. Wir können uns gegenseitig Mut machen.
Berge, Wälder, Flüsse und Seen bestaunen wir.
Wenn die Kraft nicht mehr reicht, geben wir uns die Hände,dann geht es sich leicht.

Haben wir den letzten Berg erstiegen, der so gewaltig vor uns lag, singen wir frohen Mutes:
„Schön ist das Leben… schön“.

Wie bist du schön, unsere Erde!
Mit deinen Wiesen, Bergen, Wäldern, Meeren, Feldern, Flüssen und Seen.
Tiere und Pflanzen erfreuen meine Sinne und leise höre ich eine Vogelstimme.
Sie jubiliert wie meine Seele.

Hier ist ein Paradies.

Dir liebe Grüße von

Lindi

Andere Krankheiten – wie gehe ich damit um?

Wie ihr bereits von mir wisst, ist Parkinson nicht meine einzige Krankheit.

Schon als Kind musste ich erfahren, dass krank sein keinen Spaß macht. Bei einem Sturz verletzte ich mich am Kinn, bekam eine Infektion und habe eine Narbe unter dem Kinn als Andenken. Schlüsselbeinbruch, Keuchhusten, Mittelohrvereiterung und so ging es weiter.

Meine Mutter hatte mit uns fünf Kindern viel zu tun. Meist war einer von uns krank. Von 1947 bis 1950 war ich in der TBC Heilstätte in Dresden – Loschwitz. Im Studium goss ich mir kochende Schwefelsäure über die linke Hand.

Das waren alles Krankheiten, die wieder vergingen.

Bald stellten sich welche ein, die ich nie wieder los werde. Kniearthrose, Herz – Kreislaufkrankheiten, Bluthochdruck vererbt, Bradykardie und Mister Parkinson darf nicht fehlen.

Das sind Krankheiten, die durch Medikamente in Schach gehalten werden sollen. Hier muss man auf der Hut sein, dass es nicht zu viele werden, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen kennen.

Die Beipackzettel lese ich deshalb sehr genau, bevor ich die Rezepte einlöse. Viele Ärzte fragen nicht nach anderen Erkrankungen und Medikamenten. Schmerzmittel lehne ich ab.

Knie-, Schulter- und Rückenschmerzen halte ich im Griff mit Teufelskralle, Fichtennadelfranzbranntwein und Pferdesalbe, Kopfschmerzen und Schwindel mit Pfefferminzöl.

Helfen diese Mittel nicht mehr, dann erst sind Medikamente aus der Schulmedizin gefragt. Die Psyche spielt auch eine Rolle. Da kann man sich Hilfe durch die Familie, Freunde und Bekannte holen. Manchmal bewirken gut gemeinte Ratschläge das Gegenteil. Auch Ärzte können zu einer Verschlechterung beitragen. Falsch gewählte Worte verletzen und die Seele leidet, bei Anhalten dieser Verletzung reagiert der Körper.

Kranke Seele bedeutet gleich kranker Körper.

Lindi

Jeder Tag ist ein Geschenk

Lieber Mister Parkinson,
viele Krankheiten habe ich schon.
Musst dich nicht noch dazu gesellen,
möchte dir ein Bein gern stellen.
Dass du auf der Strecke bleibst.
Dir bei mir nicht die Zeit vertreibst.
Kann ohne dich viel besser leben.
Würde gern auf die Gesundheit ein Gläschen heben.
Gesundheit ist das höchste Gut.
Die Zukunft zerstörst du mir.
Ich habe auf dich eine große Wut.
Doch das nützt mir auch nicht viel.
Muss mit dir ob ich will oder nicht
spielen dieses Spiel.
Hoffe, dass ich noch viele Male gewinne
und dir damit auch entrinne.

Will nicht verzweifeln an Parkinson.
Renne ihm mit einem Lied auf den Lippen davon.
Hoffe, dass ich recht weit damit komme.
Gegen ihn gewinne.
Auf der Lebensleiter
noch so manche Sprosse erklimme.
Lasse den Kopf nicht hängen.
Wenn er mir weh tut und mich mit anderen Unannehmlichkeiten tut bedrängen,
Muss ihn akzeptieren,
auch wenn ich krieche auf allen Vieren.
Werde es versuchen und ihn auch verfluchen.
Oder nehme ich ihn als Freund an?
Wohl dem, der das kann.
So lange ich mich kann noch freuen an den kleinen Dingen,wird es Parki nicht gelingen,
mir das Leben zu vermiesen.
Werde alles was noch geht, voller Dankbarkeit genießen.

Lindi

 

 

 

Jeder Tag ist ein Geschenk

Wenn du die Augen am Morgen öffnest und erwachst, danke dafür und versuche den Tag so zu gestalten, dass du am Abend froh sagen kannst: “Danke.” Es gibt keinen zweiten Tag davon. Auch das Leben ist einmalig. Es wird dir nur einmal geschenkt. Man kann die Lebensmelodie in Dur oder Moll singen.

“Jeder Tag ist ein Geschenk” weiterlesen

Freude an kleinen Dingen

Meine Geschichte habe ich schon geschrieben. Viele von euren gelesen.

Zum Weltparkinsontag 2017 habe ich ein Gedicht geschrieben.

Zitternde Hände, wankender Schritt,

hat der eine Flasche Alkohol mit?

Ist der betrunken am helllichten Tag?

Was soll es sonst sein?

Ich werde von der Seite betrachtet,

sonst fällt ihr nichts ein.

Da ergreife ich das Wort und sage:

“Das macht mein Begleiter mit Namen Parkinson.

Das ist eine Krankheit, wer will die schon?

Schleichend werde ich kaputt gemacht.

Zitternde Hände, wankender schlürfender Schritt,

leise Stimme, nicht von der Stelle wegbewegen können.

Plötzliches Umfallen, komische Bewegungen,

das kommt vom Parki und vieles mehr.

Das Leben mit ihm fällt mir oft schwer.

Wo nehme ich die Kraft für das Leben noch her?”-

„Entschuldigung, das wusste ich nicht,

dass Parki so ein Bösewicht ist.

Ich werde nie wieder so eine Äußerung machen

und auch nicht über einen kranken Menschen lachen.“

Ja, wo nehme ich die Kraft für das Leben noch her?

Ich bin Jahrgang 1939. Habe schon ein gutes Alter erreicht.

Wenn ich mein Leben Revue passieren lasse, dann habe ich schon viel Schlimmes verkraften müssen. TBC, als Kind zwei Jahre in der Heilstätte gelegen, Vater im Krieg gefallen, Mutter mit fünf kleinen Kindern allein, aus der Heimat vertrieben, bettelarm gewesen, trotzdem gute Schulbildung, auch als Katholiken in der DDR.

Ach, und immer durch neue Krankheiten geplagt, durch’s Studium gekämpft, selbst vier Kinder groß gezogen und alle vier studieren lassen.

Das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann, ist ein Kind zu verlieren. Mein erstes Kind wurde kurz nach Beendigung des Studiums ein Opfer seiner Hilfsbereitschaft.

Meine Schwiegertochter meinte :”Du bist ein Kämpfertyp!”

Wo nehme ich die Kraft zum Leben noch her?

Freude an den kleinen Dingen, Blumen, Tiere oder Naturwunder, Landschaften. Als Kinder haben wir viel gesungen und das mache ich jeden Tag. Mein Leben war bisher mit vielen Opfern verbunden.

Nun wollte ich mir noch ein bisschen die Welt ansehen, Länder und Menschen kennen lernen. Parkinson hat mir einen Strich durch meine Wünsche gemacht.

Ich werde nicht verzweifeln, sondern das noch unternehmen was möglich ist.

Zufriedenheit ist die beste Kraftquelle für das Leben.

 

Lindi