Der kleine James 4/5

Also begann ein neuer Versuch, den nun größer werdenden James mit anderen Nährstoffkombinationen zu beruhigen. Leider konnte dieser Versuch das kleine Monster in mir auch nicht wirklich besänftigen. Letztendlich kamen die extremen Schlafstörungen wieder, mein Leistungsvermögen brach noch mehr ein, vom Selbstvertrauen will ich gar nicht reden.

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Ein Tag, als ich noch zur Arbeit ging (Teil 1 / 2)

Ich wache auf dem Sofa auf, und ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass es noch nicht einmal 1:00 Uhr ist. Da muss ich mal wieder beim Fernsehen eingeschlafen sein, und meine Frau hat mich so zurückgelassen. Sie ist ja froh, wenn ich mal ein Stündchen schlafe. Da ich sie nicht stören will, bleibe ich einfach hier im Wohnzimmer und versuche nochmal in den Schlaf zu finden. So liege und liege ich da, drehe mich von einer auf die andere Seite, aber an Schlaf ist nicht zu denken.

Ich versuche alle möglichen Techniken, von denen man sagt, sie sollen den wohl verdienten Schlaf bringen. Selbst das Zählen von Schäfchen hilft wie so oft nicht, dabei springen diese in meinen Gedanken so schön über den Zaun.
Ich war schon vor der Diagnose kein Schlafwunder, aber seit ich die Medikamente nehme, ist es geradezu eine Katastrophe geworden.

Zwischenzeitlich ist es 2:30 Uhr und noch immer bin ich wach und fühle mich aufgedreht. Also schauen wir mal in die Weiten des Internets, ob wir da ein wenig Ablenkung finden. Nach einer halben Stunde habe ich genug vom Surfen und fühle mich nun auch endlich ein wenig müde. Also wieder zurück aufs Sofa und nochmal versuchen.

Um 4:00 Uhr wieder hoch, ich habe keine Ahnung, ob ich mal ein paar Minuten gedöst habe. Ich denke eher nicht. Also nochmal den PC anwerfen und schauen, ob schon eine Kommunikationsmöglichkeit besteht. Wie nicht anders zu erwarten, treffe ich um diese Zeit natürlich auf andere schlaflose Geister und kann somit die nächste Stunde überstehen.

Um 5:00 Uhr endlich klingelt mein Wecker, Zeit zum Aufstehen und für die Arbeit richten. Also Frühstück, Bad und leise ins Schlafzimmer schleichen und vernünftige Klamotten rausholen. Mal wieder geschafft, ohne dass meine Frau aufgewacht ist. Um 5:45 Uhr fährt die Straßenbahn, zum Glück brauche ich nicht lange, so dass ich mal wieder um 6:00 Uhr der erste im Büro bin. Sogar die Putzfrau habe ich wieder geschlagen.

So nun den PC anwerfen und noch ein wenig den Schreibtisch freikämpfen. Da liegt noch Papierkram, den ich in der Mülltonne entsorgen kann. Ich schaue auf die Uhr, es ist fast 8:00 Uhr. Ich schrecke auf, was habe ich in der Zeit seit meinem Eintreffen gemacht? Ich habe keine Ahnung, es ist ausgeblendet. Mist da bin ich wohl mal wieder im Bürostuhl eingeschlafen und fühle mich natürlich wie gerädert. Hoffentlich hat keiner meiner Kollegen reingeschaut …
Mit Entsetzen stelle ich fest, dass mein Papierkorb an einem anderen Platz steht und geleert ist. Wie peinlich, die Putzfrau muss wohl da gewesen sein.

Kotti

Der kleine James (Teil 3/5)

Natürlich sollte das nicht alles sein. Er begann nun mit Verspannungen zu arbeiten, welche besonders den rechten Schulterbereich betrafen. Aber auch andere Muskelpartien fühlten sich oft an, als hätte ich Muskelkater und das ganz ohne Aufwand für mich, ich musste dazu keinen Sport machen. Zur Abwechslung durften dann auch ab und zu die Füße oder Waden krampfen.

Aber er schenkte mir auch nicht materielle Erscheinungen, wie das Gefühl eines permanenten Kribbelns im Kopf, eine ausgeprägte Schreckhaftigkeit und oft das Gefühl, als würde sich von hinten ein Schatten an mir vorbei schieben.

Und all das führte für mich zu weiteren ungeklärten Fragen. Was von alledem kommt von James und was kommt von dem Futter, das ich ihm zuführe? Bin ich selbst schon total durchgeknallt?

Je mehr James heranwuchs und die für mich nicht zu klärenden Fragen mehr wurden, stieg auch meine psychische Belastung. Bei der Arbeit war ich gefühlt mehr krankgeschrieben als anwesend. Wenn ich arbeiten war, ließ meine Produktivität zu wünschen übrig.

All dies und auch die Tatsache, dass meine Frau aufgrund schwerer Erkrankung auf dem Weg war, nur noch im Rollstuhl leben zu können, brachten bei mir wohl das Fass zum überlaufen.

So gab es dann nur noch den Weg in eine Einrichtung, welche das geistige und psychische Wohlergehen fördern sollte.
Aller dortigen Bemühung zum Trotz war mein Geist noch immer nicht reif, zu akzeptieren, was da mit mir geschah. So kam ich zu der Überzeugung, dies alles könne nur ein böser Traum sein und das Futter von James mir eher schadet, da hier die Ursache meiner Schlaflosigkeit und meiner Ängste lag. Außerdem kann das ja gar nicht stimmen, dass sich ausgerechnet bei mir ein so heimtückischer, nicht greifbarer Untermieter eingenistet hat.

Ich werde es der Welt schon zeigen, meinem Neurologen, den Psychotherapeuten und meiner Familie, ich kann dem allem die Stirn bieten. In der Konsequenz dieser These wurde dem kleinen James die Nahrung entzogen, wie sich natürlich versteht, ohne dies mit irgendwelchen Therapeuten oder sonst wem abzusprechen. Das war ja schließlich auch ganz allein meine Sache.

Viel geändert hat sich nicht an meinem Zustand, eher war das Bewegen noch beschwerlicher geworden. Einzig mein Schlafverhalten verbesserte sich ein wenig. Ich blieb neun Wochen hart mit mir und dem Bengel, der sich da bei mir eingenistet hatte. Dann kam der nächtliche Knall. Statt dass meine rechte Hand zitterte, begann der komplette linke Arm zu leben. Dies war so heftig, dass ich keine Chance hatte, entgegen zu wirken. So musste ich dann in aller Frühe in eine neurologische Ambulanz und dort meinen Nahrungsentzug für James eingestehen. Zur Besänftigung bekam der Lausbub ein ordentlich hochdosiertes Vesper und schon bald gab er die Kontrolle über den Arm wieder frei.

Kotti

Der kleine James 2/5

Und so begann nun erst richtig die Zeit meines Leidens, und vor allem der Frage, warum schleicht der sich ausgerechnet bei mir ein. Hat der vorher nicht in meinen Ausweis gesehen und festgestellt, dass ich doch noch zu jung für ihn bin? Wie soll das weiter gehen, wo doch noch so viele Arbeitsjahre vor mir liegen und eine Familie, die nach Sicherheit verlangt, an meiner Seite ist?

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Der kleine James 1 / 5

Es war einmal ein kleines, nicht sichtbares Etwas, welches sich selbst James nannte.

Trotz seiner Materielosigkeit war sein Dasein geplagt von Zittern, Steifigkeit und einer unsagbaren Langsamkeit. Jede Bewegung fiel ihm schwer und manchmal konnte er nur noch im Stillstand verharren. An ein ausgewogenes Schlafen war kaum zu denken. Die Gerüche, die ihn umgaben, waren kaum wahrzunehmen. Und so gab es noch viele andere Unannehmlichkeiten, die ihn den lieben langen Tag über plagten.

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Gedanken zum Jahreswechsel

Die Einkaufswagen sind überfüllt. Das wenigste, was darin zu sehen ist, sind die Dinge der Grundbedürfnisse.
Raketen, Kracher und Böller, oder wie auch immer sie alle heißen mögen.
Hunderte, tausende, nein eher zehntausende von Euro werden wieder in die Luft geblasen werden.

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Zwischen Angst und Hoffnung

Welcher schmaler Grat, auf dem ich mich da bewege.

Die Hoffnung auf eine Zukunft, in der trotz Krankheit ein noch angenehmes Leben möglich ist.
• Die Hoffnung, dass unsere Medizin Wege finden wird, chronische Krankheiten zu mildern oder gar zum Stillstand zu bringen.
• Die Hoffnung, dass unsere Gesellschaft zu einem anderen Umgang mit uns Erkrankten kommt.
• Die Hoffnung in unsere Politik, dass sich unser Gesundheitssystem zu unseren Gunsten verändert.
• Die Hoffnung auf eine Welt in Frieden.
• Die Hoffnung auf eine Welt ohne Neid und Missgunst.
• Die Hoffnung auf eine Welt des gegenseitigen Verständnisses.
• Die Hoffnung …
• Die Hoffnung …

Doch schwingt mit dieser Hoffnung nicht sogleich die Angst einher, dass dies alles nicht in Erfüllung gehen mag. Je mehr ich hoffe, desto mehr ängstige ich mich vor einer Zukunft, welche dies alles nicht erfüllen kann.

Sie sind so eng verbunden, zwei Worte Angst und Hoffnung. Ist es überhaupt möglich, dass das eine ohne das andere existiert? Wo Angst ist, gibt es doch immer die Hoffnung, diese zu überwinden. Wo Hoffnung existiert, gibt es auch die Angst, dass diese nicht in Erfüllung geht.

Kotti

Die Kraft der langsamen Bewegung

Und wieder einmal stehe ich da und meine Bewegungen sind unendlich langsam. Ich spüre jeden Muskel, der an den Bewegungen beteiligt ist.
Doch ist es nicht mein Parkinson, der mich zu dieser Langsamkeit zwingt.

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Langer oder kurzer Schlaf, was ist besser?

Heute Morgen wache ich mit dem Gefühl auf, einmal lange geschlafen zu haben. Und tatsächlich es ist bereits 7:30, was mir zeigt, dass ich heute doch über sieben Stunden geruht habe. Aber mit dem Erheben aus der Vertikalen musste ich sehr schnell feststellen, dass Sir James nicht geruht hat.

Die Bewegungen fallen mir schwer, die Muskeln sind gespannt, ein dezenter Tremor plagt mich und dies alles bei gedämpfter Geschwindigkeit.

Nach dem Frühstück geht es aber dennoch, zum Khundalini Yoga, heute mit geballten Fäusten. Ich hoffe, dass ich mich danach besser fühle. Ich möchte mich schließlich nicht aufgrund dieser Situation von meinem medikamentenfreien Weg verabschieden. Der Weg von der Straßenbahn bis zum Übungsraum scheint heute irgendwie weiter zu sein, als dies an anderen Montagen der Fall ist. Zum Glück bin ich zeitig genug von zuhause losgegangen. “Langer oder kurzer Schlaf, was ist besser?” weiterlesen

Aufgeweckt

Und wieder einmal eine Nacht, in der ich noch um zwei Uhr morgens auf die Uhr schaue, ohne davor geschlafen zu haben. Doch irgendwann bin ich dann doch noch eingeschlafen.

6:00 Uhr morgens, der Wecker klingelt laut und heftig. Aber warum nur, ich habe ihn doch gar nicht gestellt und außerdem ist es ein anderer Ton. Ein helles, fast unerträgliches Piepsen durchbohrt nicht nur den Raum, sondern auch meine Ohren. Ich quäle mich aus dem Bett und komme dann doch recht schnell auf den Gedanken, das müssen unsere vier Rauchmelder sein.

Was ist denn jetzt los? Zuerst einmal ein vorsichtiger Blick in alle Zimmer und schauen, was Sache ist. Erleichtert stelle ich fest, dass nirgendwo Rauch zu entdecken ist. Also gehe ich ans Werk und hole die guten Teile zuerst einmal von der Decke, um sie auszuschalten. Welche Ruhe auf einmal wäre, hätte sich nicht fast unerträglich mein Tinnitus zu Wort gemeldet. “Aufgeweckt” weiterlesen