Der langsame Abstieg (Teil 2/2)

• 2003 war das Kulturhauptstadtjahr für Graz. Als gebürtiger Grazer hatte ich dazu natürlich auch einiges zu sagen und zu diesem Anlass eine Gangway Sondernummer herausgegeben. Bei der Präsentation im ESC habe ich geschwitzt wie verrückt und ein befreundeter Autor hat gemeint, ich schaue ziemlich fertig aus.

Meine Erklärung war das Jetlag und die Hitze in Graz…

• 2004 war ich wieder in Graz zum großen 20-Jahresfest meines Literaturverlages. Die Moderation des Abends fiel mir nicht mehr so leicht wie in früheren Jahren, das Mikrofon sank immer tiefer und meine Stimme wurde leiser und undeutlicher, wie mir eine Bekannte im Publikum nach dem Abend im Vertrauen bekundete.

Da hatte ich keine Erklärungen mehr.
• 2005 vermutete mein Hausarzt erstmals die Parkinsonsche Krankheit, da ich ihm neben unruhigen Beinen beim Einschlafen auch von der Unleserlichkeit meiner Handschrift erzählt hatte. Ich wollte ihm erst gar nicht glauben und lieber einen unbemerkten Schlaganfall, ein Blutgerinnsel, oder was auch immer haben. Nur nicht diese Krankheit.
• 2006 hat mir ein Neurologe vom Royal Prince Alfred Hospital die Diagnose ins Gesicht gesagt: „Idiopathisches Parkinson-Syndrom.“
• 2007 konsultierte ich weitere Spezialisten und das gesamte Internet. “Der langsame Abstieg (Teil 2/2)” weiterlesen

Der langsame Abstieg (1 /2)

Ich war immer lebensfroh, abenteuerlustig, kräftig, ausdauernd und kerngesund. Viel unterwegs, selten länger an einem Ort. 1958 in Graz geboren, dort auch studiert und kurz verheiratet, dann in Wien gelebt und mit 30 nach Australien ausgewandert.

Eine Mandeloperation als Teenager, Mitte Dreißig eine Prostatamassage nach einer Harnröhrenentzündung. Etwas erhöhtes Cholesterin. Sonst aber nie im Spital und so gut wie nie beim Arzt.

1993 hatte ich ganz starke Schmerzen in meiner linken Schulter, so dass ich mich kaum mehr an- und ausziehen konnte. Ein Sportmediziner wollte eine Ablagerung herausschaben, ein Alternativmediziner hat mir eine Salbe gegeben. Die Schmerzen gingen weg. Damals hatte ich nicht die leiseste Ahnung, dass dies ein Frühsymptom der Parkinsonschen Krankheit war. Jetzt bin ich 50 und bereits im Ruhestand. Warum? Eigentlich brauchte ich nur die letzten zehn Jahre meines digitalen Fotoalbums zu durchblättern und mein Gesicht, meine Haltung, sowie die Gewichtszunahme zu beobachten. Daraus lässt sich rückblickend vieles erkennen. “Der langsame Abstieg (1 /2)” weiterlesen