Tabu

„Du siehst gar nicht gut aus!“ Nichts bringt mich so aus der Spur wie diese Feststellung. Denn „gut aussehen“ ist Pflicht. Nicht nur beim Outfit! Die Ausstrahlung muss gesund, jugendlich und frisch sein. Der Kampf mit der Krankheit, den Sorgen oder der Angst und vieles mehr braucht keiner zu wissen.
Der Verlust der Attraktivität durch Parkinson macht mir heftig zu schaffen. Ich bin absolut unglücklich über die Veränderungen in meinem Körper und habe Angst nicht attraktiv und nicht mehr begehrenswert zu sein. Ich befürchte, dass mir Parkinson meine Lust am eigenen Körper nimmt und meiner Liebe und Leidenschaft im Wege steht.
Klar, ihr könnt jetzt argumentieren: Parkinson macht sensibel, Altern hat nichts mit Parkinson zu tun oder Canty hat Luxusprobleme.

Befürchtungen, die nicht so leicht zu erklären sind:

Lust und Erotik entstehen im Kopf. Das Gehirn ist das wichtigste Sexualorgan, aber Parkinson macht mein Gehirn zunichte.

Ein strahlendes Lächeln macht sexy. Aber Parkinson verändert meinen emotionalen Ausdruck und schränkt den Gesichtsausdruck ein. Und schon gelte ich als teilnahmslos oder mürrisch.

Auch die Körperhaltung macht attraktiv: und zwar: Kopf hoch – Schultern zurück – dadurch hebt sich die Brust automatisch. Parkinson zeigt es anders: Kopf hängend, Schultern nach vorne und buckelig. Wirklich alles andere als sexy!

Sexy Gang geht so: Beine nah beieinander, somit automatischer Hüftschwung. Mit Parkinson kann ich froh sein, ganz normal geradeaus laufen zu können.

Keiner mag Stimmungsschwankungen: Mit dem Wechsel der Stimmung ändert sich nachweislich auch die Ausstrahlung und somit die Wirkung auf den anderen. Parkinson ist ein Meister der Stimmungsschwankung. Die Medikamente tragen ihren Teil dazu bei.

Mag sein, vielleicht schaue ich viel zu sehr mit der „Lupe der Angst“ auf mich und mein Äußeres. Mir geht es nicht um die Perfektion meines Körpers und ob er gewissen Erwartungen er entspricht. Wahre Attraktivität kommt von Inneren und wird durch das Gesamtauftreten offenbar. Und das ist letztendlich keine Frage von Jugendlichkeit, sondern eine Frage der inneren Haltung und dem Umgang mit Parkinson. Ganz wichtig ist Humor. Lächeln verändert unsere Stimmung.
Der Spiegel flüstert mir zu: „Denk dir doch nicht vorher schon alles kaputt! Du bist nicht alt, du bist nur fortgeschritten attraktiv“.
Ich habe meinen Humor wiedergefunden.

Canty

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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