Selbsthilfe

Im gesamten Komplex der Gesundheitsindustrie ist die Selbsthilfe inzwischen zu einem festen und wichtigen Element geworden. Sie ist für viele Patienten ein alternativloses Angebot, unter den Bedingungen einer oft schweren oder chronischen Erkrankung, nicht allein gelassen zu werden. Selbsthilfe ist nicht egoistisch, sondern lebt im Wesentlichen von der Teilhabe an den Problemen anderer Menschen. Der selbst an Krebs erkrankte und inzwischen verstorbene frühere französische Präsident Mitterand hat es einmal treffend formuliert, indem er sagte: „Das eigene Schicksal ist schon irgendwie zu ertragen, das der Anderen schon nicht mehr so.“

Selbsthilfe ist der Wunsch nach Kontakt, nach Kommunikation und Austausch, nach Gesprächen auf Augenhöhe und dem Wissen, Mitglied einer Solidargemeinschaft zu sein, in der man sich nicht erklären muss, denn die Mitglieder einer Selbsthilfegemeinschaft wissen, wie es einem geht. Dieses Verständnis für einander, im fairen Dialog geben und nehmen, kann nur von Patienten selbst geleistet werden. Aus diesem Grund ist die Existenz von Selbsthilfegruppen so wertvoll und so wichtig.

Der Gedanke, dass Menschen, ob gesund oder krank, einander helfen, ist so alt wie die Welt und ein Zeichen dafür, dass Fürsorge und Mitgefühl durchaus menschliche Eigenschaften sind. Durch Hilfe selbst Hilfe zu erfahren ist nicht nur ein Wortspiel, sondern ein hoch emotionaler Prozess, der nie fertig, nie abgeschlossen und nie erfüllt ist. Eine Hilfe den Menschen zu sein, die einen Halt suchen,sie nicht allein lassen mit ihren Ängsten und Sorgen, gibt aus sich selbst heraus das Gefühl von „WIR“, von Geborgenheit und Wärme, und das Beiden, dem Helfer und dem Geholfenen. Ich finde mich wieder in dem kurzen vierzeilige Gedicht eines mir unbekannten Autors, dass ich in einem alten Poesiealbum gefunden habe:

Willst du glücklich sein im Leben,

trage bei zu anderer Glück,

denn die Freude, die wir geben,

kehrt ins eigene Herz zurück

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