Schwarz auf Weiß, und jetzt?

Nach vielen Untersuchungen und immer wieder dem Satz „Parkinson kann es nicht sein.“, steht es nun da, dieses Wort, welches nicht da stehen sollte, und ich habe das Gefühl, es wird immer größer. Alles darunter, davor und dahinter ist kaum zu erkennen, außer PARKINSON. Der Doc versucht es zu erklären, aber irgendwie höre ich nur noch die Hälfte. Wo bleibt der Satzteil – das ist es aber wohl nicht – ich schaue ihn an und hoffe, er nimmt den Zettel und sagt sorry, der ist nicht für Sie. Dann versuche ich zuzuhören : es ist noch sehr weit am Anfang und mit den richtigen Medikamenten muss es nicht schlimmer werden, ich muss mich halt “beobachten” .

Wir gehen noch mal meinen Tageslauf durch und dann sagt er: “wir fangen erstmals mit acht Tabletten an”. Und nun weiß ich nicht, was schlimmer war, Parkinson oder regelmäßig acht Tabletten. Wieder hatte ich den Wunsch, nicht zuhören zu müssen. Er sagte, das wäre ja auch nur für den Anfang, bis ich mich an die Einnahme der wichtigen Tabletten gewöhnt habe, dann könnten wir das auf etwa drei bis fünf reduzieren. Ich wollte das alles nicht hören, nahm den Zettel mit der Diagnose, mein Rezept und wollte ganz schnell weg. Der Doc hielt mir die Tür auf: wenn irgendwas ist rufen Sie bitte an.

Der Weg zum Auto, welches ich ein ganzes Stück weg geparkt hatte, wurde sehr lang, das Warten am Fahrstuhl unendlich, und dann saß ich im Auto… Wollte /musste zur Arbeit. Noch mal las ich die Diagnose, und dann heulte ich los. Ich war vor zwei Monaten gerade 48 geworden. Was soll das werden? Ich bin an dem Tag nicht mehr zur Arbeit, habe eine Freundin angerufen und geredet, geheult, geflucht und wieder von vorne. Abends alleine zu Hause bin ich dann grübelnd eingeschlafen.

 Ich bin kein Freund davon,  Dinge zu googeln. Ich muss reden. Ich habe die dPV (deutsche Parkinson Vereinigung) angerufen, welche mir einige Adressen gegeben hat, dann ging ich die Bücherhalle und habe gelesen, gelesen und nochmals gelesen. Verstanden hab ich allerdings fast nichts. Meine Freundin sagte, das braucht Zeit. Zeit… Zeit… wie viel habe ich denn noch? Warum denn ich? Hatte ich nicht erst vor zwei Jahren diesen EHEC Virus gerade überstanden und nun wieder so etwas? Ich hatte Angst, wollte Antworten und vor allem eine Lösung.

 Mein großer Vorteil war und ist es auch heute noch, ich kann meine Arbeit und alles was mir Spaß macht, weiter machen. Wenn ich beschäftigt bin, habe ICH das Sagen (meistens… ). Ich bin dabei, mich mit dem Parki in guten und schlechten Zeiten zu arrangieren, dieses funktioniert mal besser, mal schlechter. Was ich schnell raus hatte, ich musste lernen, das Gute im Leben zu genießen. Schon nach dem EHEC Virus war mir klar geworden: Arbeit ist und tut gut, ist aber nicht alles.

 Ich fing an, MICH ganz nach oben zu stellen. 

Gisela