Reha Gailingen – Die Erkenntnis

Nun, die letzten zwei Wochen waren wohl die Wochen der Erkenntnis für mich.

Ich habe hier in der Klinik mit der Berufstherapie angefangen und musste schnell feststellen, dass ich an meine Grenzen komme. Konzentrativ war ich nach einer Stunde schon am Ende. Natürlich wollte ich das nicht einsehen und habe meine vorgesetzten Aufgaben weiter erledigt, nur um beim nächsten Termin zu hören, dass ich viele Fehler gemacht habe. Die Berufstherapie soll feststellen, wie gut und wie lange man noch arbeiten kann.

Hier geht es aber nicht nur um den Beruf, sondern auch um den Therapieplan an sich.
Der wird mit Absicht sehr voll gepackt, damit man an seine Belastungsgrenzen kommt.
Was mich anbelangt, habe ich nach einer Woche diese Belastungsgrenze für mich selbst reduziert. Ich habe mir Sperrzeiten einbauen lassen, sodass ich erst ab 9:00 Uhr morgens mit den Therapien beginne und von 12:00 – 14:00 Uhr eine Pause habe.
Für diese Erkenntnis habe ich eine Weile gebraucht und zu verstehen, dass man nicht mehr so kann, wie man will, ist nicht einfach.

Nun habe ich das große Glück, durch meinen neuen Medikamente sowie die Gabe von medizinischem Cannabis gesundheitlich in einem Topzustand dazustehen. Ich denke, dass das Gesamtkonzept zur Verbesserung meiner Situation beigetragen hat. Unter anderem habe ich hier angefangen mit der BIG – Therapie. Sehr interessant, wer sie noch nicht kennt, sollte sie auf jeden Fall ausprobieren. Es handelt sich um eine Einzeltherapie in der Krankengymnastik.
Anfangs habe ich mich mit den Übungen sehr schwer getan, mittlerweile schaffe ich es, vom Boden ohne Festhalten im freien Stand aufzustehen. Vor ein paar Monaten hätte ich noch nicht daran geglaubt, diese Leistung erreichen zu können.

Im Therapieplan werden wechselnde Prioritäten gesetzt.
Anfangs lag der Schwerpunkt auf der Krankengymnastik, danach auf der Berufsberatung.
Nun sind wir wieder bei der Krankengymnastik gelandet.
Beruflich wird es mit Sicherheit in Richtung Rente gehen. Auf die Frage, ob ich mich in der Lage fühle, drei Stunden ohne Pause plus An- und Abfahrt zu arbeiten, muss ich ganz klar NEIN sagen. Nein, das schaffe ich nicht.

Dass ich das sagen kann, ist für mich mittlerweile ein großer Schritt, denn wer möchte mit 36 Jahren schon in die Rente gehen?
Der Aufenthalt in den Schmieder Kliniken hat mir gezeigt, dass es keine Rolle spielt, wann man in Rente geht. Viel wichtiger ist doch, dass es einem gut geht. Parkinson ist eine Krankheit, bei der niemand weiß, was kommt. Was mich anbelangt, quäle ich mich seit 22 Jahren mit meinem Tremor herum. Mein Akku ist leer, zumindest war er das, bevor ich hierher gekommen bin.

Den aktuellen Zustand, den sehr guten körperlichen, seelischen, tremorfreien Zustand möchte ich mir bewahren. Wenn der Weg dahin die Rente ist, dann soll es so sein. Das heißt noch lange nicht, dass ich nichts mehr tun kann, denn Parkinson Youngster ist eine ehrenwerte Aufgabe. Die Selbsthilfe wird zwar nicht mit Geld bezahlt, dafür aber mit Dankbarkeit. Was will man mehr?

Wenn man mich fragt, was ich zu den Schmieder Kliniken sagen kann, gebe ich ein definitiv eine Empfehlung! Tolle Therapeuten sowie ein super Konzept. Alle sind darum bemüht, dass es einem am Ende wieder gut geht. Natürlich gibt es immer etwas, das nicht so gut läuft. Es wäre ja auch seltsam, wenn es nicht so wäre. In meinem Fall ist es wohl meine behandelnde Ärztin, ich komme mit der Frau einfach nicht klar. Nun bin ich aber durchaus eine resolute Person, sodass ich dieses Problem für mich mit Sicherheit gut gelöst habe.
Aus meiner psychologischen Gesprächsgruppe wurde eine private Selbsthilfegruppe. Auch nach Ende der Therapie hat man sich getroffen. Die Gespräche untereinander sind ebenfalls ein Teil des Konzeptes für gelungene Reha-Maßnahmen.
Die neuen Kontakte, die ich hier knüpfen durfte, sind für mich definitiv eine Bereicherung.
Und eine große Motivation, denn hier gibt es Menschen mit vielen neurologische Krankheitsbildern und jeder, der hier ist, hat seine Geschichte.

Was uns aber alle verbindet, egal welche Diagnose es ist, ob Parkinson, MS, Schlaganfall oder andere:

Jeder von uns ist ein Kämpfer und das Ziel heißt „Zurück ins Leben!“

Dini