Parkinson ist nichts für Feiglinge!

Canty und ich (ihr ständiger Begleiter Parkinson): Wir gehören zusammen. Schon sehr sehr lange. Sie war damals so mit Beruf, Familie und Hobbys beschäftigt, dass sie unsere erste Begegnung gar nicht wahrnahm. So war es einfach, lange unbemerkt ihr Begleiter zu sein. Irgendwann fiel ihr auf, dass irgendwas irgendwie anders ist. Ich bin in einen Schlummerzustand zurückgekehrt.
Ach ja, irgendwann gingen wir dann auf Reisen – wir zwei: von Arzt zu Arzt. Wir spielten “verstecken“ und „ich sehe was, was du nicht siehst“ Canty fand das überhaupt nicht lustig.
Zwischendurch brachte ich Chaos in ihr Leben, doch sie verstand mein System nicht! Sie schob Probleme auf andere Ursachen.
Ich wurde beobachtet – nicht von ihr – sondern von lieben Menschen in ihrem Umfeld. Sie zerrten meine Canty zum Neurologen. Der wollte es genau wissen und scannte mich: entlarvt!
Canty hatte gerade ihren 50. Geburtstag gefeiert. Sie zog sich zurück und haderte mit sich und der Welt, die komplett in Scherben lag. Sie hatte das Gefühl, aus ihrer Normalität und Geborgenheit vertrieben worden zu sein und gab mir die Schuld.
Sie verleugnete mich und hat so einen guten Umgang mit mir verhindert. Ich gab ihr Zeit, sich zu sortieren.
Canty liebt die Sonne, da glitzert ihr Scherbenhaufen besonders – mich blendet’s – dann verkriech ich mich solange. Zwischendurch versucht sie so zu leben, als wüsste sie nicht von mir. Manchmal ist sie aber auch zickig – sie macht einfach nicht das was ich will.
Sie schwärmt, sie habe eine klasse Familie! Ihre Augen leuchten: Ihr Mann und ihre zwei Söhne drängen sich ständig vor und verweisen mich auf die hinteren Plätze.
Canty versucht die Sonne im Gesicht zu behalten, so dass sie den Schatten hinter sich nicht sieht, doch das Leben schickt sie auch in die andere Richtung, so dass ich ihr im Wege stehe: dafür hasst sie mich!
Parkinson ist eben nichts für Feiglinge!

Canty und ich aus Bayern