Parkinson ist keine Hexerei!

„Meine Mutter starb vor 12 Jahren mit Parkinson.“ So begann Hannington Kabugo (37) aus Uganda die traurige Geschichte, wie es dazu kam, dass er sich für Menschen mit Parkinson engagiert.

Hannington lebt in einem Vorort von Kampala, der Hauptstadt von Uganda und fährt täglich 20 Kilometer in die Metropole. Dort ist er als Lebensmittel- und Getränkeaufseher in der hauptstädtischen Aufsichtsbehörde tätig. Der gelernte Ökotrophologe ist froh, dass er diese Arbeit hat, auch wenn es nicht gerade sein Traumjob ist. Die Arbeitsbedingungen sind hart. Aber in einem Land mit einer sehr hohen Arbeitslosenquote, muss man nehmen was man kriegt. Insbesondere wenn man, wie Hannington, das Geld dringend braucht, um sein ehrenamtliches Engagement zu finanzieren.

Hannington leitet „Parkinson’s Si Buko“, einen Verein, der sich um Menschen mit Parkinson in Uganda kümmert und sich für ihre Rechte einsetzt. „Parkinson’s Si Buko“ bedeutet übersetzt „Parkinson ist keine Hexerei“. Damit spricht Hannington das größte Missverständnis über Parkinson an und die Ursache für die Diskriminierung, Ausgrenzung und Vernachlässigung von an Parkinson erkrankten Menschen in Uganda.

Genauso ist es auch seiner Mutter ergangen. Alle dachten Parkinson sei ihr angehext worden und sie sei nun ansteckend. Familie und Freunde, selbst ihr Mann stigmatisierten und isolierten sie. So kam es auch, dass Hannington sie selten sah. Die ganze Gemeinde rannte davon, sobald seine Mutter das Haus verließ, aus Angst, sie könnten sich bei ihr anstecken. Wenn Hannington seine Mutter besuchte, schlug er alle Warnungen in den Wind und umarmte seine Mutter, streichelte ihre steifen, zitternden Glieder und sagte ihr, dass er sie lieb hat. In diesen Momenten weinte sie, weil sie glaubte, er würde sich jetzt auch bei ihr anstecken.

Heute, nach 12 Jahren, erfreut sich Hannington immer noch bester Gesundheit und stellt sich als lebenden Beweis vor, dass Parkinson nicht ansteckend ist.

Hannington in der neu eingerichteten Gesundheitsstation für Parkinson

Vor Kurzem hat Hannington mit Spenden, unter anderem aus der „One World One Voice“ Innitiative von PJ Parkinson`‘s (USA), eine kleine Gesundheitsstation für Parkinsonpatienten eröffnet und sich damit einen großen Traum erfüllt. Hier können sich Menschen informieren, Medikamente bekommen (falls vorhanden), sich untereinander austauschen und Sportangebote wahrnehmen. Die Krankenschwester Kamusiime Brenda arbeitet hier ehrenamtlich und betreut die Patienten. Hannington würde sie gerne für ihre Leistungen bezahlen.

Wir von teamdopamin haben beschlossen, die Einnahmen aus dem diesjährigen Verkauf der Dopamin-Bücher für dieses Projekt zu spenden. Mit 230 Euro kann Hannington den erforderlichen Vorschuss für eine Mietwohnung in der Nähe der Gesundheitsstation bezahlen. Damit ist der Weg geebnet und Kamusiime kann hier Vollzeit arbeiten.

Für Hannington gibt es noch viel zu tun. Sein großes Ziel ist, das ganze Land über Parkinson aufzuklären, denn er möchte nie mehr erleben müssen, wie jemand unter den gleichen Bedingungen sterben muss, wie seine Mutter.

Ein paar Zahlen und Fakten über Parkinson in Uganda

  • Parkinson ist in Afrika weit weniger stark verbreitet als in Europa. Ein Grund ist die niedrige Lebenserwartung: Im Durchschnitt sind weniger als 5 % der Bevölkerung älter als 65 Jahre. Man geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus (1918, Uduak Williams, Oliver Bandmann, Richard Walker: Parkinson’s Disease in Sub-Saharan Africa: A Review of Epidemiology, Genetics and Access to Care).
  • Uganda leidet unter dem so genannten Braindrain. Gut ausgebildete Menschen verlassen das Land, um anderswo eine Anstellung zu finden. Die Regierung unterstützt aktiv die Auswanderung von Ärzten. 2017 kamen auf 1000 Einwohner lediglich 0,17 Ärzte. Die WHO empfiehlt einen Arzt pro 1000 Einwohner.
  • Es gibt sehr wenige Studien zu Parkinson in Subsahara Afrika.

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

%d Bloggern gefällt das: