Parkinson ein Desaster! (Teil 1 / 3)

Am 23.11.2005 kam Tony vom Klinikum Großhadern nach Hause. Ich saß mit unserer Tochter Cordula, damals zweieinhalb Jahre alt, auf der Ofenbank und fragte Tony: „Und was ist jetzt?“ Und er antwortet: „Parkinson.“ Ich daraufhin: „Scheixxx.“

Wenn man mit der Diagnose Parkinson konfrontiert wird, dann ist es so, als ob jemand in einen riesigen Spiegel tritt und man zusieht wie die Scherben fallen und dahinter ist nichts, nur ein schwarzes Nichts.

Dann beginnt das Leben mit der Krankheit, das sich bei mir in Phasen abspielte und noch abspielt.

Phase Eins: „Warum ausgerechnet wir?“
Ich habe mich ständig gefragt, was wir falsch gemacht haben. Wie soll ich das schaffen mit zwei Hilfsbedürftigen, Mann und Kind? Was haben ich oder Tony noch aus einem früheren Leben aufzuarbeiten? Wenn es ein höheres Wesen gibt, warum lässt es das zu? Oder wie Gerhard Polt sagen würde: „Braucht’s des?“ Aber viel schlimmer noch, es entwickelt sich ein unglaublicher Neid, der Umwelt und den „Anderen“ gegenüber. Die Anderen haben das Problem nicht und man sieht es ja nicht.Und im Übrigen: Tony ist nicht krank, brauchen wir nicht …
Phase zwei: Das kann unmöglich Parkinson sein!
Es gibt einige Krankheitsbilder, die sich ähnlich äußern und als PTA konnte ich mir dazu alle wichtigen Informationen beschaffen. Daraufhin probierte Tony unzählige alternative Therapien aus, die das Allgemeinbefinden kurzfristig verbesserten, aber an der Tatsache „Parkinson“ nichts ändern konnten.
Phase drei: Die Krankheit akzeptieren.
In den beiden vorhergehenden Phasen waren wir beide peinlich darauf bedacht, dass es keiner merkt. Mittlerweile konnte man es nicht mehr verheimlichen, dass etwas nicht stimmt, und so war das „Coming-out“ direkt eine Befreiung. Keine Ausreden mehr!
Jeden Tag einfach beobachten, was geht – was geht nicht. Tabletten einnehmen und in die Hände spucken.
Tony ging in die Arbeit und nahm nach Therapieplan seine Tabletten, das ging schon irgendwie. Alle neun Monate Therapieplanänderung, weil die Medikamente in der Kombination nicht mehr so gut wirkten.
Cordula, unsere Tochter, kennt ihren Papa ja nicht anders und läuft irgendwie mit.

Christiane