Outing – Man (n) fällt aus der Norm

Outing steht für „anders sein“ – „nicht der Norm entsprechen“. Es ist wie als ob man z.B. Homosexuell wäre. Sie outen sich auch. Muss man sich Outen? Herr Wowereit, ehemaliger Bürgermeister von Berlin, stellte sich hin und sagte: „Ich bin Schwul und das ist gut so“. Er hat für Aufsehen und Zündstoff gesorgt.

Als ich die Diagnose bekam und es meinem Umfeld mitteilte – wenn es nicht schon ein „besorgter“ Mitmensch getan hatte – war der „Huch“ Effekt inkl. des Gesichtsausdrucks fast der Gleiche. Denn wir entsprechen nicht der Norm. Und fallen durch das Raster. Welches Raster? Das Raster des Lebens. Ich fiel so schnell durch, ich konnte noch nicht mal den Fallschirm öffnen (bildlich gesprochen). Ich stellte mir vor, dass ich auf einem Fließband liege und Etiketten bekomme: Parkinson? Demenz…. Zittern…Krumm – für den Anfang hat das gereicht.

Als ich für mich entschied an die Öffentlichkeit zu gehen, bekam ich ganz schnell wieder einen Stempel aufgedrückt. Es hat keiner verstanden, dass ich „aufklären“ wollte. In deren Augen wollte ich mich wichtig machen und wurde beobachtet, wo immer ich war. Man kam zu dem Entschluss, dass ich lügen würde. Ich zitterte nicht und konnte noch gerade gehen.

Ich wurde dann langsam ungehalten und habe gesagt: “Wenn ich noch sichtbare Beschwerden hätte – dann habe ich einen schlechten Neurologen.” In dem Dorf, wo ich wohnte und in dem Nachbardorf, wo ich aufgewachsen bin, kamen dann doch so nach und nach die „Parkinsonerkrankten“ auf mich zu,# – leider teilweise mit einer „schlechten Einstellung gegenüber der Krankheit“ – und wollten von mir vom Gegenteil überzeugt werden. Nur weil meine Einstellung anders war/ist. Ich bin nicht da um zu überzeugen. Denkanstöße geben: Ja. Ich wollte lediglich, dass akzeptiert wird, dass auch junge Menschen Parkinson bekommen können. Dass sie von diesem Klischee wegkommen und sich evtl. mit diesem Thema auseinander setzt.

Alt + Jung = Parkinson

Ich wurde zum Querkopf. Wie konnte ich mir anmaßen, so darüber zu reden. „Du hast Parkinson? Aber du zitterst doch gar nicht! Wenn ich dagegen meinen Opa sehe…“ Es versteht keiner, dass jeder Mensch anders ist, genau wie der/sein Parkinson.

Eines wurde mir bewusst, mit Jogginganzug und schlappem T-Shirt konnte ich nicht mehr vor die Tür gehen. Ich war richtig interessant geworden. Wow!. Hinter mir wurde hergeschaut. Auch mal der Blick eines Mannes verirrte sich in meine Richtung.

Ich suchte mir eine Arbeit auf 625,– DM Basis  Bei dem Vorstellungsgespräch outete ich mich, dass ich Morbus Parkinson habe. Mein Eindruck war, es spielte keine Rollen Nach ca. sechs Monaten sagte meine Chef „Die Geschäfte laufen schlecht deshalb bekommst du weniger Geld und hielt mir noch vor ich würde zu lange mit den Kunden über Privates reden.

Vier Tage später bekam ich eine betriebsbedingte Kündigung und einer Zusatzbegründung, die Kunden würden wegen mir ausbleiben. Ich staunte nicht schlecht. Nach einiger Zeit wurde mir dann angetragen das mein ehemaliger Chef Probleme mit Krankheiten hatte. Er mochte keine kranken Menschen. Dadurch hatte er sich auch geoutet. Mein Fazit…egal wie oder was, irgendwann „Outen“ wir uns alle. Jeder sagte mir, dass es Diskriminierung war. Stimmt. Aber sollte ich ihn wirklich anzeigen? Nein, in meinen Augen war er schlechter dran als ich. Immer die Angst zu haben irgendwann mal krank zu werden – wäre mir zu anstrengend. Dann sage ich lieber mit einem Lächeln:

„Ich habe Parkinson und stehe dazu!“

Beate