Nur eine Nacht (Teil 3/ 3)

Quälend langsam drehten sich die Uhrzeiger auf halb eins, die Stunde meiner zugesagten Operation. Nix passierte, fast nichts, mein Hunger stieg und mein Groll auch. Als ich um ein Uhr immer noch nicht abgeholt wurde, zog ich das hinten zugebundene Nachthemd über den Kopf und schmiss mich in meinen Trainingsanzug. Offensichtlich hatte man mich vergessen. Ich ging zum Zimmer der Wachhabenden und erkundigte mich zu meinem Fall.

„Die haben sich von unten noch nicht gemeldet, warten Sie einfach.“

OK, ich warte, gehe im Zimmer auf und ab und wundere mich darüber, dass ich auf Grund von Nahrungsmangel noch nicht kollabiert bin. Um 14:00 Uhr habe ich die Nase voll, rufe per Knopfdruck die Schwester. Verzweifelt rede ich auf sie ein, erzähle von Hunger, von Parkinson und von all den negativen Folgen, derer man sich zu erwehren hat, wenn hier was aus dem Ruder läuft. Sie empfiehlt, in Ruhe abzuwarten.

Um halb drei kommt ein Pfleger, der mich apathisch im Bett vorfindet und mir freudig mitteilt, dass es nun losgeht. Widerstandslos lasse ich mich zum OP fahren. Die Vorbereitungen für die eigentlichen Prozedur, wegen der ich seit vier Stunden hungernd im Bett sitze, dauert eine weitere Stunde. Gegen 18 Uhr wache ich wieder auf und bekomme tatsächlich ein Abendessen. Die Operation, die 10 Minuten gedauert hat, sei gut verlaufen und ich würde voraussichtlich am nächsten Tag entlassen. Soweit so gut, ich zeige mich versöhnt und schlafe schmerzfrei bis zum Morgen durch.

Ich teile das Zimmer inzwischen mit einem ebenfalls gerade operierten Patienten, erfahre bei der notwendigen und üblichen morgendlichen Untersuchung näheres zu seinem Blutdruck, Stuhlgang und seinem Operationsverlauf, dafür muss er mit ansehen, wie der Arzt bei der morgendlichen Visite meine Operationswunde unterhalb des Steißbeines begutachtet. Nun ja, tröstlich sind die abschließenden Wort des Medizinmannes: „Sie können heute nach Hause gehen.“

Pünktlich um 8:00 Uhr kommt das Frühstück… für meinen Bettnachbarn. Wo bleibt meins? Um 8:30h kommt die liebe Schwester von gestern wieder und zeigt auf ihr Handy mit den Worten: „Hat es nicht abgeschickt, ihr Bestellung ist futsch. Was wollten Sie nochmal?

Ich: „Zwei Brötchen, eines mit Marmelade eines mit Käse.“

Sie: „Was für Brötchen, Normale, Vollkorn, Roggen, Mischkorn, Käse, Kürbiskern oder Kümmel?“

Ich: „Zwei reichen.“

Sie wiederholt: „Normale, Vollkorn, Roggen, Mischkorn, Käse, Kürbiskern oder Kümmel?“

Ich: „Ein Normales und ein Vollkorn.“

Sie: „Mit Marmelade, Käse, Wurst, Schinken, Butter, Margarine, Frischkäse oder Streichwurst?“

Ich: „Mit Marmelade und Wurst.“

Sie: „Mit Erdbeere, Kirsch, Pfirsich, Preiselbeere, Apfel, Birne, Pflaume oder Sauerkirsche?“

Ich: „…..“

Sie trommelt alles in ihr Handy und teilt mir dann mit, ich könnte nur ein normales Brötchen bekommen. Aber im Kühlschrank wäre noch ein Rest von mitgebrachter Marmelade…

Als ich ging, fiel mir ein Fragebogen mit der Überschrift „Lob und Tadel“ in die Hand.

Ich bin weit davon entfernt, mich mit dieser Niederschrift als nörgelnder Kritiker des Krankenhauses auszuweisen. Weiß ich doch, dass es für die Stadt und die Region ein großer Gewinn auf eine solche Einrichtung zu verweisen, die in der Regel von der ansässigen Bevölkerung eher gelobt wird. Alles, was ich sagen will ist, dass auch eben die Provinz ihren ganz individuellen Charme hat. Und das ist gut so.

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