Nur eine Nacht (Teil 2 / 3)

So gingen die Tage ins Land, Weihnachten und Silvester sind abgefeiert und ich setze mit dem 3. Januar, dem Tag vor der Pickelentfernung, mit dem Anruf bei der Krankenhaussekretärin wieder auf. Freundlich wünschen wir uns gegenseitig das Beste für das neue Jahr und die Planung sieht vor, dass ich um 12:30 Uhr „dran“ bin und ich mich infolgedessen um 10:30 Uhr einzufinden hätte. Niemand wollte sich daran erinnern, dass ich, aufgrund meiner langjährigen Parkinson-Karriere, um die Berücksichtigung eines frühen Termins bei den Vorbesprechungen gebeten hatte. Ich sollte ja nüchtern erscheinen. Die zeitlich enge Terminlogistik mit dem Zugriff auf die Operationssäle sei mit einer Vielzahl von Einflussgrößen verzahnt, sodass eine kurzzeitige Verschiebung des ausgewiesenen Termins unmöglich sei.

Begleitet von Gisela stehe ich pünktlich vor der Tür der mir zugewiesenen Adresse. Ich werde zur Patientenaufnahme weitergereicht und von dort mit einem Stapel Papieren auf die Station 2 geschickt, zum Stationszimmer. Die Wachhabende nimmt mich auf und Schwester C. bringt uns in ein mit zwei Betten ausgerüstetes Krankenzimmer mit der Nummer 228. Schwester C. verlässt den Raum mit dem Hinweis, ich möge das auf dem Bett liegende Nachthemd anziehen, nachdem ich Ring, Armbanduhr und Kleidung, sogar die Unterhose, abgelegt hätte. Ich wusste ja, dass ich mich in mein Schicksal zu ergeben hatte. Da ich mit Gisela allein im Zimmer war, will ich mich hier auch nicht anstellen. Die mir bis dato geläufigen Hemden, Jacken und Mäntel sind so gefertigt, dass sie von vorn geschlossen werden. Die Nachthemden im Krankenhaus werden hinten zusammengebunden. Warum eigentlich? Ich dachte nicht länger über diesen Umstand nach und kroch unter die Bettdecke.

Für den reibungslosen Betrieb eines Krankenhauses gibt es viele Dinge zu berücksichtigen. Die Versorgung der Patienten mit Nahrung morgens, mittags und abends ist sicher ein wichtiger Faktor zur Gesundung und zum leiblichen Wohlbefinden der hier Eingewiesenen. Um die beschriebenen Voraussetzungen zu erfüllen, fand sich kurz nach meiner Inbesitznahme des Bettes eine Krankenschwester mit einer Art Handy vor meinem Bett ein, die sich als Zuständige für die Versorgung mit Lebensmitteln vorstellte.

Sie: „Wollen sie Brot oder Brötchen zum Frühstück?“

Ich: „Brötchen.“

Sie: „Normale, Vollkorn, Roggen, Mischkorn, Käse, Kürbiskern oder Kümmel?“

Ich: „Zwei reichen.“

Sie wiederholt: „Normale, Vollkorn, Roggen, Mischkorn, Käse, Kürbiskern oder Kümmel?“

Ich: „Ein Normales und ein Vollkorn.“

Sie: „Mit Marmelade, Käse, Wurst, Schinken, Butter, Margarine, Frischkäse oder Streichwurst?“

Ich: „Mit Marmelade und Wurst.“

Sie: „Mit Erdbeere, Kirsch, Pfirsich, Preiselbeere, Apfel, Birne, Pflaume oder Sauerkirsche?“

Ich: „ Zwei sind genug.“

Sie wiederholt: „Mit Erdbeere, Kirsch, Pfirsich, Preiselbeere, Apfel, Birne, Pflaume der Sauerkirsche?“

Ich: „Mit Erdbeere und Sauerkirsche.“

Sie tippt alles in ihr Handy und stellt die Frage nach dem gewünschten Käse, jedoch nicht, ohne mich vorher in der bekannten Manier über die Angebotsvielfalt zu informieren. Dieses Prozedere wiederholt sich nun auch bezüglich des Mittag- und Abendessens. Ich bin beeindruckt und erinnere mich daran, dass es jetzt 11 Uhr ist und ich heute noch nichts von dem, was bis eben besprochen wurde, gesehen habe und ich Hunger verspüre.

Gisela ging und ich wartete auf die Fahrt im Bett zum Operationssaal, der ja um 12:30h für mich reserviert sein sollte. Im kalten, tristen Zimmer, in das hin und wieder Schritte von über den Flur rennenden Personen drangen, saß ich nun mit meinem hinten zugebundenen Nachthemd im Bett und wartete.

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