November: Hoffnung und Angst

Oh mein Gott welche Düsternis, es ist November und das erste Thema worüber wir nachdenken wollten, ist sicherlich nicht Hoffnung und Angst.

Warum eigentlich nicht? Viele Menschen mit unheilbaren Krankheiten haben ein bestreben im Jetzt zu leben, nicht über die vergangenen Guten Zeiten zu hadern, aber auch keine großen Zukunftspläne zu machen.

Und wieder die Frage: Warum eigentlich nicht? Ich mache Pläne und erwische mich auch dabei, wie ich denke: “Wollen wir in zwei Jahren nach Portugal oder Italien? Indien wäre auch interessant.” Jetzt kommt der Verstand und fragt: “Upps, was ist in zwei Jahren, was geht da noch?“ Jetzt nur nicht ins Schneckenhaus der Krankheit zurückziehen!

Sondern PLANEN, denn PLANEN, das ist jetzt… und PLANEN führt zu schönen TRÄUMEN.

Nur nichts in Frage stellen. Keiner weiß was Morgen ist, geschweige denn in Jahren.
Die Hoffnung ist, dass in zwei Jahren alles beim alten oder besser sein wird… nur keinen Stress.

Klar, es ist November und die Angst, im Dunkel der kurzen Tage wieder in den berühmten Strudel der Depression zu fallen ist leider da. Die Angst vor der Kälte des Winters, sich nicht ohne Anstrengung bewegen zu können, das ist alles da, es sollte jedoch nicht in den Vordergrund treten.

Doch nur im Jetzt zu sein, finde ich auch nicht richtig. Alte Bilder oder Filme gucken, solange diese gute Gefühle hervorrufen, ist in Ordnung. Also ich habe gelebt und möchte meine Erinnerungen nicht verbannen, nur weil ich mal jünger und gesünder war.

Also, besser die Hoffnung  auf noch viele mehr Bilder glücklicher Tage haben. Was nutzt das Jetzt zu leben, ohne zurück oder vorwärts zu schauen??

Ängste hat jeder Mensch. Nur manche schaffen es besser mit ihnen umzugehen als andere. Ich hatte immer schon die Macke, viele Sachen einfach im Geiste durchzuspielen, es ist aber bei den meisten Situationen des Lebens nicht vorhersehbar was passieren wird.

Was nutzt es, sich zu Überlegen was man sich alles vom Lottogewinn kaufen wird, wenn der nie eintritt? Was nutz es, sich Gedanken über die THS oder Zwangsbeatmung zu machen, wenn du zwei Jahre vor der Planerfüllung gesundest, stirbst oder von Außerirdischen entführt wirst? Klar, machen die dann auch Experimente und das tut weh…. merkst du, wie blöd der Gedanke gerade war? Klar, ist es besser, wenn Du dann darauf vorbereitet bist…mmh.

Ich habe Ängste und ihr auch oder ?? Krieg ,Terror …Heckenschützen. Abstürzende Achterbahnwagen, explodierende Kettenkarussells….und die Liste geht immer weiter und hört nicht auf. Das könnte Euch alles widerfahren, darum nicht zu früh über Parkinson-typische Ängste nachdenken.
Oder geht ihr, seit ihr wisst, dass das Leben immer risikoreicher wird, nicht mehr raus ??
Klar, hoffe ich, dass sich der Scheißer noch èine Weile wegdrücken lässt.

Somit habe ich die Hoffnung, meine Kinder aufwachsen und vielleicht noch im Aufbau ihres Lebens begleiten zu können, meinen Hobbys frönen zu können, vieles weitergeben darf….

Angst habe ich, beziehungsweise, lasse ich momentan noch nicht zu und, wie gesagt, habe ich immer schon einen Plan gehabt. Doch meist kommt das Leben anders, als ich denke. Vielleicht kommt ja doch noch E.T. vorbei und heilt mich, wer weiß……

R4-Pilot

Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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