Mit den Augen einer Angehörigen (3 / 3)

Wäre er nicht so kooperativ und einsichtig, wäre ich, das gebe ich unumwunden zu, schon weggelaufen. Wie manche Pflegende das aushalten, wenn der Kranke auch noch bockig oder sonst wie unfreundlich ist, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man bedenkt, dass die Angehörigen es genauso schwer haben wie die Kranken… oder etwa nicht? Also, ich habe fast 10 Jahre gebraucht, um meine neue Rolle als Pflegende zu akzeptieren. Mit der Krankheit verliert man/frau den Partner in jeder Beziehung! Mit der beginnenden Demenz auch noch den Gesprächspartner. Und man/frau muss stattdessen viel, viel Geduld lernen…

Wie er sich wirklich dabei fühlt, kann ich nicht aus meinem Mann herausbekommen. Ich habe das Gefühl, er akzeptiert alles so, wie es ist und trauert nicht mal seiner gesunden Vergangenheit hinterher. Was ja für ihn auch das Beste wäre. Stattdessen ordnet er seit etwa einem Jahr seine vielen alten Unterlagen und Erinnerungsstücke (ich habe ihn zum Aufräumen verdonnert) und ist recht vergnügt dabei, was er so alles wiederfindet.

Liebe Angehörige, es gäbe noch viel mehr zu berichten, aber das muss erst mal genügen. Nur ein Tipp: Spielt nicht die Helden, sondern gebt offen zu, wie schwer es ist! Macht euch nicht kaputt, sondern nehmt jede Hilfe, die ihr kriegen könnt. Und sagt auch mal Nein, wenn es nicht mehr anders geht. Schafft euch einen Ausgleich (Sport, Singen im Chor…) und redet mit anderen Pflegenden, aber offen und ehrlich, das hilft!

Danke auch an alle, die im Forum fragen und antworten und so engagiert sind wie Christoph u. Weitere.

Helia