Mit den Augen einer Angehörigen (2 / 3)

Nachdem ich nun einen Namen für die vielen Probleme hatte, ging es mir erst mal besser, denn ich hatte immer gedacht, ich selbst hätte das Problem, dass ich das Altern meines Mannes nicht akzeptieren könnte. Aber es war nicht das Alter (er war ja erst 62), es war eine Krankheit. Dank Internet konnte ich mich gleich informieren und mit den Folgen vertraut machen. Zum Glück haben wir gleich in der nächsten kleinen Kurstadt einen neuen jungen Neurologen gefunden, bei dem mein Mann noch heute in Behandlung ist. Er ist jetzt kein ausgewiesener MP-Spezialist, aber immer bereit, dazuzulernen und offen und einfühlsam. Die erste Sifrol-Therapie war auch für alle Beteiligten ein gutes Erlebnis, denn ca. 3 Jahre lang ging es meinem Mann wieder deutlich besser (und damit auch mir).
Jetzt ist er seit fast 15 Jahren in Behandlung und bekommt natürlich längst L-Dopa u.a. Leider hat er auch ein Pisa-Syndrom (Schiefhaltung) und eine verkrümmte Wirbelsäule und dann auch noch Arthritis. Was mir als Ehefrau am meisten zu schaffen macht, ist seine beginnende Parkinson-Demenz. Wenn ein promovierter Physiker der an der Uni geforscht hat nicht mehr richtig rechnen kann, ist das schon hart. Einer, der im Beruf jahrelange Experimente geplant und Apparate gebaut und daheim Leitungen verlegt hat nicht mehr weiß, welche Werkzeuge für kleine Reparaturarbeiten gebraucht werden…

Ich will mich hier nicht beklagen, zumal mein Mann sehr lieb und einsichtig ist, auf mich hört und alle seine Therapien konsequent macht. Er möchte solange es geht zuhause bleiben, was ich ihm auch ermöglichen will. Aber ein großes älteres Haus und ein riesiger Garten sind auch für mich kein Pappenstiel, zumal ich ihn 4 x/Woche zu einer Therapie bzw. einem Arztbesuch fahren muss. Doch er ist froh, dass seine Frau so viel jünger und noch gesund ist, dass sie das alles für ihn “wuppt”.
Seit 2 Jahren sind wir dank einer tollen Physio- und Ergotherapiepraxis in einer lockeren Parkinson-Gruppe, die sich monatlich trifft. Und es bringt mir sehr viel, mich mit den anderen Partner/innen austauschen zu können und zu sehen, wie es den anderen betroffenen geht. Zwei Herren aus der Gruppe sind bereits im Pflegeheim, weil die (über 70-jährigen) Frauen es nicht mehr zuhause gepackt haben. Wenn dann noch unruhige Nächte dazu kommen, geht die/der Pflegende schnell “auf dem Zahnfleisch”. Wenn ich mit meinem Mann darüber reden möchte, kommt leider nicht viel. Aber ich denke, er würde auch das akzeptieren, wenn es nicht mehr anders geht. So ist er darauf bedacht, so viel wie möglich selbst zu machen (besonders nachts) und ich unterstütze ihn dabei und schaffe alle Hilfsgeräte an, die sich eignen. Auch wenn er Vielem gegenüber erst mal ablehnend war (z.B. der Beantragung einer Pflegestufe, Anschaffung eines Rollators, einem zusätzlichen Gedächtnistraining), findet es es im Nachhinein gut und nutzt es auch.

Helia

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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