Mit dem Fahrrad über die Alpen (Teil 2 /3)

Immer wieder wird die Übersetzung angepasst, nach dem eigenen Rhythmus gesucht und nach jeder Kurve gehofft, das die Steigung nachlässt. Dieses Szenario, diese Gedanken, dieses Wollen und nicht aufgeben, Reserven mobilisieren und fahren am persönlichen Grenzbereich, sich kennen und wissen wann es genug ist, sind wichtige Voraussetzungen und werden jedem Radfahrer, der sich mit den Alpen einlässt, abgefordert.

Radfahren in den Alpen steht nicht nur für Lust. Es steht auch ebenso für Leiden und ein bisschen auch für die Lust am Leiden. Dafür, immer weiter zu treten – Umdrehung für Umdrehung, auch wenn die Beine schmerzen und die Lunge zu verbrennen scheint. Es steht dafür, den kleinen Mann im Kopf zu ignorieren, der immer wieder nervtötend fragt: „Warum tust du dir das an?“

Wind und Regen, die nachlassende Kraft, die Steigung, die Luft jenseits von 2300 m Höhe, alles setzt mir zu. Ich brauche meine Pausen, ich gönne sie mir. Alles liegt im Nebel, Sicht vielleicht 20 m.

Erst spät entdecke ich unser Auto, es steht auf dem Timmelsjoch.Gedanken

– beim Radfahren –

Ein Radfahrer braucht ein gutes Gleichgewicht, eine gute Koordination sowie Kraft und Ausdauer. Diese Eigenschaften sind besonders in den Bergen gefragt, wenn man aufgrund der Steigungen nur ganz langsam vorankommt. Erschwerend kommt hinzu, dass man die meist schmale Straße auch noch mit den motorisierten Verkehrsteilnehmern teilt. Sollte man angesichts dieser Bedingungen nicht glauben, dass sich ein Parkinson-Patient beim Befahren von Alpenpässen mit dem Rad stets in höchster Lebensgefahr befindet?

Wenn ich Rad fahre, folgen meine Bewegungsabläufe offensichtlich anderen Mechanismen. Ich fahre auch dann noch sicher Rad, wenn mir andere Bewegungen längst schwer fallen. Auf dem Rennrad gibt es für mich keinen Unterschied zwischen krank und gesund, es gibt nur Radfahrer und ich bin einer von ihnen.

Ein letztes Mal

Abschied

So manchen Schweißtropfen habe ich in den letzten Jahren in den Bergen und Tälern Tirols liegengelassen. Habe geflucht, geschimpft, gezweifelt und war stolz und dankbar, wenn ich trotz aller widrigen Umstände mit meinem Fahrrad auf den höchsten Alpenpässen angekommen bin.

Zuletzt war ich 2010 in den Alpen unterwegs, das heißt, ich bin inzwischen zwei Jahre älter geworden und mein zwanzigjähriger Parki hinterlässt auch bei mir immer deutlichere Spuren. Mir ist durchaus bewusst, dass alles seine Zeit hat und für mich hier etwas zu Ende geht, dass mich jahrelang gestärkt und auch getragen hat. Dennoch, ich bin es mir schuldig, selbst einen Schlussstrich zu ziehen, bevor die Zeit ihn mir diktiert und alles in eine gewisse Tragik-Komik zerfällt. Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, doch ein letztes Mal wollte ich mich der Herausforderung noch stellen. Ein letztes Mal die Zähne zusammenbeißen und zwischen Schweiß und Schmerzen die Kraft des Wollens spüren, die mich in den letzten Jahren immer ins Ziel getragen hat. Ja, ein letztes Mal noch…

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Mit dem Fahrrad über die Alpen (Teil 3/3)