Mein Weg mit meinem Untermieter (Herrn Parkinson) (Teil 2/2)

So gingen einige Jahre ins Land und mein Weg führte mich nach Wachtberg bei Bonn.

Eine sehr schöne Zeit begann. Meine Schmerzen wurden weniger und die Unruhe in meinem Arm ging zurück. Ich fühlte mich wohl und dachte, das kriegst du schon hin. Im September fuhr ich mit meinem damaligen Lebensgefährten nach Kroatien. Wir genossen fast drei Wochen Sonnenschein, Meer und nette Leute. Auf der Rückfahrt erzählte mir mein Lebensgefährte dann, dass er im beruflichen Umfeld eine Frau kennengelernt hätte und wenn wir zu Hause wären, würde er zu ihr ziehen. Die Welt um mich zerbrach. Mein linker Arm zitterte, mein Kopf hämmerte und mir war total schlecht. Ich wurde laut und dann leise, ich wollte den Schmerz in mir fühlen. Der Arm zitterte mehr als zuvor und mir war nur noch schlecht.

Irgendwie gingen die Monate weiter.

Es kam Weihnachten und der Jahreswechsel stand an. Ich fuhr zu meiner Familie und verbrachte Silvester bei Freunden. Es ging mir langsam wieder besser. Ab Mitte Januar fuhr ich für sechs Wochen zu einem Prüfungskurs.

Hier erlebte ich das erste mal sehr heftig, wie sich Stress auf Parkinson auswirkt.

In der zweiten Woche fing ich an, mich immer schlechter zu fühlen. Mein Gedächtnis wurde zum Sieb, alles was ich vorne aufsaugte, ging hinten verloren. Meine linke Seite machte sich wieder durch inneres Zittern bemerkbar. Ich fühlte mich von Tag zu Tag schlapper und quälte mich zur Schulung. Meine Stimme wurde immer leiser und ich hatte Probleme mit dem Gleichgewicht. Irgendwie überstand ich die Woche. Montag Vormittag nutzte ich, um meine Hausärztin aufzusuchen. Klare Diagnose: Machen Sie Urlaub, Sie sind überarbeitet.

Na klar, alles wie immer! 🙂

Am Ende der fünften Woche stand Donnerstag Vormittag eine interne Prüfung an. Sie bestand aus einem schriftlichen und einem praktischen Test und nur, wer hier durch kam, ging zur IHK Prüfung. Aufregung und Stress war vorprogrammiert.

Mein Parki freute sich, endlich wieder Gelegenheit zu haben, zu zeigen, was in ihm steckt.

Meine Prüfung bestand ich, aber dann kam der Zusammenbruch.

Meine Neurologin erklärte mir immer noch, ich müsse Urlaub machen.

Ich recherchierte im Internet, immer wieder stieß ich auf Parkinson.Ich ging zu meiner Neurologin und bestand auf einen Datscan (radiologische Untersuchung im Rahmen der Parkinsondiagnostik) .

Termin 22.12.2015,  seit dem geht es bergauf.

Ich bin super eingestellt, gehe 120 Stunden im Monat arbeiten und bin glücklich.

Dagmar

Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.