Mein Tag mit Parkinson – Jahr zwei – Monat sieben (Teil 2/2)

Ich habe gestern meinen Verschlechterungsantrag für die Schwerbehinderung fertig ausgefüllt. Heute tüte ich ihn ein, damit er in die Post kommt. Die Bearbeitung wird ja wahrscheinlich noch lange brauchen. Seit zwei Jahren habe ich einen GdB (Grad der Behinderung) von 50 %. Jetzt möchte ich eine Erhöhung auf 60 und Merkzeichen G ( für gehbehindert). Ich rechne mit einer Ablehnung und werde dann mit dem SoVD einen Widerspruch einlegen. Mal schauen. Ich hoffe, meine Ärzte unterstützen mein Anliegen.
Ich habe bei solchen Aktionen immer das Gefühl, dass die Vorteile eines solchen GdB immer nur mit Kampf durchzusetzen sind. Dabei bin ich doch schon mit dieser Sch….Krankheit geschlagen.
Eigentlich sollte man nicht mit Ämtern kämpfen müssen, wenn man chronisch krank ist. Die psychische Belastung der Nichtanerkennung einer Behinderung und die nachfolgenden Widersprüche und Klagen vor dem Sozialgericht sind anstrengend und belastend. Da wünschte ich mir einen anderen Umgang mit mir und meiner Erkrankung. Also jetzt erst mal Daumen drücken, es soll ja auch positive Ausnahmen geben!
Ein Bekannter fragte mich in diesem Zusammenhang, ob ich eine Pflegestufe beantragt hätte. Hab ich nicht. Sooooo krank bin ich doch noch nicht, oder? Wann ist da der richtige Moment? Das muss ich mal in der Selbsthilfegruppe besprechen. Ist ja auch eine Sache, die den Stolz berührt. Ich habe ja viel damit zu tun, in der Öffentlichkeit einen gesunden Eindruck zu machen und ich denke, das gelingt mir meistens gut. Mir ist bange vor der Krankheitsphase, in der ich nicht mehr verbergen kann, dass ich Parkinson habe.
So jetzt aber los und zum Tanzen fahren…
Das ist eine supertolle Art, sich zu bewegen und viel Spaß mit anderen Parkis zu haben. Wir proben heute für einen Auftritt auf einem Stadtfest am nächsten Wochenende. Es geht darum, diese Möglichkeit für andere Betroffene bekannt zu machen und eventuell. für das Tanzen zu begeistern.
Und so tanzen und lachen wir heute viel, nehmen unsere Schwächen mit gemeinsamen Humor auf die leichte Schulter und üben geduldig, bis alle Schritte sitzen. Hoffentlich klappt das dann auch am Wochenende! Und hoffentlich muss ich dann wegen der Aufregung nicht die ganze Zeit zittern.
Am Nachmittag beim Kaffee mit meiner Mutter bin ich dauernd weggenickt. Bleiern müde und wehrlos. Auch am Abend ist heute nichts mehr rauszuholen. Ich bin für heute fertig. Gehe früh ins Bett (eine echte Ausnahme) bin dann um drei Uhr aber auch schon wieder hellwach. Ein guter Moment um diesen Text fertig zu schreiben…
Kornblume

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