Mein Leben mit Mister Parkinson

Ja eigentlich begann es mit einem leichten Zittern der Hand. Das war 2006.

Wir hatten gerade das Tanzen für uns entdeckt. Plötzlich konnte Dirk (mein Mann) seinen Fuß nicht mehr richtig schnell heben, wie beim Jive notwendig ist. Am Anfang habe ich gedacht, mein Gott, was stellt er sich so an. Üben, üben, üben. Dann hatte Dirk die Idee, sich aufgrund seiner Beschwerden, beim Orthopäden vorzustellen. Okay, dachte ich, soll er, schaden kann es nicht.

Er ging zu so einem Professor, der auch nebenbei ein Fitnessstudio betreute. Er untersuchte ihn und sagte “ Sie sind nicht orthopädisch krank aber ihr Körper hat den Zustand eines 60-jährigen Mannes. Dirk war 45! Wir sagten, der spinnt doch und dann sagten wir uns, okay, geht er mal zum Neurologen.
Was er dann auch tat. Der Neurologe, der auch Psychiater war, schickte ihn zur MHH Hannover zum Parkinsontest.

Der war nicht richtig positiv, weil eigentlich gibt es nur bei solch einem Test, Ergebnis Positiv oder negativ. Jedoch bei Dirk halbe, halbe. „Mmhhh…“, sagte der Arzt in der MHH, „ja, Sie haben Parkinson, möchten Sie an einer Studie teilnehmen?“ Wir entschieden uns dagegen und dann war er auch schon wieder zurück überwiesen an den niedergelassenen Neurologen. Dieser gab ihm ein Q10 Präparat und gab ihm ein paar Verhaltensregeln, da ja bis auf das Zittern, nichts weiter war.

Wir waren erstmal hilflos. War es wirklich war? Was machen wir jetzt. Okay Q10, da haben wir ja schon viele positive Sachen von gehört. Es wird bestimmt wieder gut. Naja, eine wirkliche Veränderung kam da nicht.

Ich selbst habe damals bei einem Arzt gearbeitet, der mich aufmerksam machte, dass es da ein Pflaster gibt, was Neupropflaster heißt und gute Erfolge versprach. Okay, da ich ganz viel Vertrauen zu meinem Chef hatte und wir auch eine persönliche und familiäre Verbundenheit hatten, holte sich mein Mann dieses Pflaster von dem Neurologen. Das war kein Problem.

Und siehe da, es wirkte, Das Zittern hörte auf und auch die depressive Verstimmung und die Lustlosigkeit, die sich zunehmend eingestellt hatte, waren wie weggeblasen. Supi, so können wir damit leben.

Ja, nach drei Monaten, fing es wieder an. Dirk gleich zu seinem Arzt, der sagte, ja das ist auch viel zu niedrig in der Dosierung, ich schreibe eine höhere Mikrogrammzahl auf. Okay, hurra, es wirkte.

Alles wieder gut. Nur einen Monat später ging es wieder los. Was nun, noch höher dosieren?
Wir wechselten den Neurologen und gingen zu einer Neurologin in Hannover. Sie war super nett am Anfang und machte uns Hoffnung. Sie gab zusätzlich noch ein anderes Präparat und das Pflaster, so ging es erst mal ganz gut.

Plötzlich waren die Pflaster auf dem Markt nicht mehr erhältlich, da es Schwierigkeiten in der Produktion gab. So musste die Ärztin ihm ein Ersatzpräparat verschreiben, das wir ausgerechnet im Urlaub umstellen mussten. Dirk ging es richtig schlecht, er schlief viel, war depressiv und der Arm zitterte wir verrückt.

Ich musste etwas tun, so ging es nicht weiter. Ich fühlte mich auch von dieser Ärztin allein gelassen, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass sie meinem Mann wirklich helfen wollte. Er war zig mal in der Sprechstunde und das einzige, was er von ihr dann noch bekam, war die Wartezeit im Wartezimmer.
Ich suchte im Internet Hilfe und fand die Parkinsonambulanz der MHH Hannover.

Da muss Dirk hin, dort hilft man bestimmt.

Diagnose in der MHH

Dirk bekam schnell einen SCAN Termin in der MHH. Damals ging das noch auf Überweisung vom Hausarzt, denn die Neurologin war überhaupt nicht begeistert von der Idee, der Sache auf den Grund zu gehen, warum die Medikamente schon nach kurzer Zeit nicht mehr wirkten. Gott sei Dank, gab uns unser Hausarzt die Überweisung.

Voller Hoffnung auf eine Diagnose und Therapie wurde die Untersuchung durchgeführt. In dem ärztlichen Gespräch danach, sagte man uns, dass eine speziellere radiologische Untersuchung durchgeführt werden muss. Dazu müssen alle Medikamente abgesetzt werden und das unter drei Tage stationär.
Kein leichtes Brot, wie sollte es Dirk ergehen, ohne Medis? Jedoch, wir wollten diese Untersuchung und wir sprachen uns Mut zu, denn dann endlich wissen wir, woran er leidet und dann kann er endlich mit Medikamenten eingestellt werden.
Ich brachte Dirk zur MHH und am ersten Tag nach der Aufnahme ging ich ihn besuchen. Ihr glaubt nicht, wie mein Herz weinte, als ich ihn sah. Der Arm flatterte, er war in sich zusammengesunken und es ging ihm nicht gut. Aber er war so voller Hoffnung und sagte, ich schaffe das und dann wissen wir was es ist!

Meine Tochter rief mich damals Abends an. Sie war nach mir bei ihm zu Besuch gewesen und sie weinte bitterlich. Ihn so zu sehen hat sie damals sehr mitgenommen.
Ja, wie reagiert man, wenn die Tochter so am Telefon weint. Natürlich war ich wieder mal stark, habe getröstet und danach geraucht und selbst geheult. Am nächsten Tag war es besser. Hoffnung, Glaube und Stärke, es wird bald wieder gut.

Dirk kam 3 Tage später nach Hause und hatte arge Nebenwirkungen von dem Kontrastmittel. Er litt unter akuter Divertikulitis mit Fieber. Ich gab Paracetamol und massierte ihm den Bauch, gab ihm eimerweise zu trinken, Apfelsaft und alles was für die Darmbewegung gut ist.
Endlich spät Abends wurde es endlich besser. Gott sei Dank, ich hatte schon den Notarzt im Hinterkopf. Leider konnte er aber nicht den schönen Krustenbraten genießen, den ich extra für ihn gemacht hatte, die ganze Familie war da als er nach Hause kam. Egal, Hauptsache es ging ihm besser.

Eine Woche nach der Untersuchung hatten wir die Besprechung in der Parkinsonambulanz der MHH.
Dr. S. war ein netter Arzt, der selbst im Rollstuhl saß, es machte mir etwas Mut, da die Ärzte in der MHH schon sehr ärztlich sind- ihr wisst bestimmt, wie ich das meine.
Ich war mega aufgeregt.

Dann ging es los. Dr. S. sagte uns, dass die Untersuchung ergeben hat, dass Dirk an Multisystematrophie im Sinne einer Parkinsonschen Krankheit leidet. Leider würden da keine richtigen Medikamente wirken und er könnte ihn nur symptomatisch einstellen. L-Dopa, Akineton aber mehr geht da nicht . Und leider würde das auch Nebenwirkungen hervorrufen, was gerade den Mann sehr einschränkt.

Ich bin da raus und wusste eigentlich soviel wie vorher und Dirk sagte eigentlich nicht viel. Es wird schon werden und da die Präparate neu waren, schöpfte er natürlich Hoffnung. Wir durften in der Parkinsonambulanz weiter als Patienten in Behandlung bleiben, da die Neurologin natürlich sauer war und damit nicht mehr bereit war, Dirk weiter zu behandeln. Wir bekamen den Befund schriftlich mit.

Zu Hause setzte ich mich an den PC und fragte Mister Google. Multisystematrophie, was ist das denn?
Ich war wie gelähmt, was ich da lesen musste:
Keine medikamentöse Behandlung möglich, sieben Jahre höchste Lebenserwartung, abhängig von der Form, denn es gibt MSA-C, MSA-P, die MSA Blickparese usw. aber alles endete mit dem Verlust sämtlicher Körperfunktionen, Verlust des Gedächtnisses , Rollstuhl und zum Schluss der Tod. Und! Mehr war da nicht zu finden. Keine Beispiele, nichts Positives.

Ich hätte schreien können vor Angst um meinen Dirk. Mein Liebstes, der immer so voller Schaffenskraft und Fröhlichkeit war.
Ich ging zu ihm ins Wohnzimmer, ich weiß es noch wie heute und wollte stark sein.
Aber das konnte ich nicht, ich habe mich an ihn geklammert und habe bitterlich geweint. Er wusste erst überhaupt nicht was los war und dann habe ich es ihm gesagt, was ich da gelesen habe.
Wir lagen uns in den Armen und weinten. Ab da zog in unser Haus eine Traurigkeit ein, die sich wie ein Schleier über unser Haus legte. Kein Lachen, Grübeln und nur Traurigkeit war da. Die Kinder wussten nichts davon. Ich wollte das ihnen nicht sagen, blieb doch noch immer ein Fünkchen Hoffnung. Vielleicht wird es ja nicht so schlimm……

Ein Moment der Hoffnung, des Friedens und des Glücks

Ja, in unserem Haus war alles traurig, wie in einem Dornröschenschloss. Mein Dirk, saß nur noch vorm Fernseher, durch die L-Dopa Medikamente waren seine Schlaf- und Wachzeiten total durcheinander. Er ging um 20 Uhr zu Bett und stand 22 Uhr wieder in der Tür und sagte “Ich hab ausgeschlafen.”
Ich kam damit überhaupt nicht klar. Vor allem war ich auf Arbeit total eingespannt. Ich hatte eine Stelle als Chefarztsekretärin angenommen. Unser “Mittelster” war gerade flügge und er brauchte mich. Ich hatte zuvor in einer Urologischen Praxis 10 Jahre und mittlerweile als Erstkraft gearbeitet, aber da meine Älteste uns in der Pupertät entglitten ist, habe ich dann sehr, sehr schweren Herzens die Praxis verlassen und damit nicht nur mein Herz gebrochen, sondern auch das Herz meines Chefs, zu dem ich heute noch ein sehr nettes Verhältnis habe.

Dirk versuchte weiter seinen Job als Lagerverwalter zu machen, aber es war schwierig. Der Druck, immer zur Zeit aufzustehen, pünktlich zu sein und den zeitlichen Ablauf zu bewältigen, wurde immer schwieriger. Ich konnte sehen, er schmierte sich seine Brote und er wurde immer langsamer. Er wollte es natürlich auch vor seinen Kollegen geheim halten. Es war verdammt schwierig. Gott sein dank spielte der Hausarzt mit, der ihn dann in solchen Phasen krank schrieb.

Ich konnte das nicht mit ansehen, ich ging wieder mal ins Internet und googelte. Ein Lichtblick tat sich auf, die ELENA Klinik in Kassel, eine Parkinsonklinik, nur darauf spezialisiert. Ich fand eine E-Mail Adresse, der Chefärztin. Da ich ja E-Mails schreiben konnte im Chefarztsekretariat, machte ich das von dort aus, vielleicht eine Möglichkeit, dass ich nicht nur die Aufnahme kontaktieren konnte, dazu später mehr.

Ich hatte auf Arbeit aber eine Kollegin und dann auch Freundin, der ich alles erzählen konnte. Sie hatte eine belgische Schäferhündin. Mhhh, werdet ihr euch fragen, sie schreibt von Kollegin jetzt Hund??? Ja, ich möchte noch einflechten, dass wir damals unsere Westidame gehen lassen mussten und darunter sehr gelitten haben und wir haben uns geschworen, NIE NIE wieder einen Hund und die Erfahrung, einen Hund erlösen zu müssen, noch einmal machen.

Meine Freundin Karola, so hieß sie, hatte Ojo, eine Tervuerenhündin. Karola hatte einen neuen Freund und sie wollten gern am Wochenende mal für sich sein. Ich hab mich als Hundesitter angeboten. Ich muss euch verraten, ich habe damals immer SAT 1 Frühstücksfernsehen geschaut und da war Lotte, die englische Bulldogge. Ich wollte wieder einen Hund haben, aber Dirk war dagegen und sagte immer, was ist, wenn ich nicht mehr arbeiten kann, das Haus und die harten finanziellen Verpflichtungen? Das geht nicht. Okay, so machte ich ihm das Sitting von Ojo schmackhaft, jääää und es klappte.

Karola, Martin und Ojo kamen uns das erste Mal besuchen und Dirk war so locker, wie schon lange nicht mehr. Wir gingen alle spazieren und haben zusammen gegrillt und dann war Ojo die erste Nacht bei uns. Ihr glaubt gar nicht, wie schön das war! Ojo und Dirk lagen zusammen auf der Couch und sie waren so EINS. Ich selbst musste mich an die Art Hund erstmal etwas gewöhnen. Ich kannte sowas überhaupt nicht, aber ich sah wie glücklich Dirk war und dann ging mir das Herz auf.

Ojo kam immer öfter zu uns, Dirk war wieder stärker – natürlich, diese blöden Wach und Schlafzeiten waren immer noch da, aber das rückte irgenwie in den Hintergrund und wir hatten einen Plan. Wir wollten Ojo für uns. Karola und Martin waren so oft am Wochenende weg, und auch zwischendurch war Ojo bei uns, warum eigentlich nicht ganz? Tja, die Idee kam bei Karola natürlich nicht gut an, sie liebte ihre Ojo trotzdem, aber sie versuchte die Züchterin zu kontaktieren. Leider, leider züchtete sie nicht mehr, aber die Züchterin gab uns eine Adresse, wo wir mal anrufen sollten.

Die Geschichte kommt in der nächsten Folge, obwohl ich eigentlich schon den Einzug von Canis verkündet habe aber ich erinnere mich an eine schöne Begebenheit, von der ich Euch erzählen möchte.

Unser gemeinsamer Sohn Max hatte Konfirmation. Er bekam natürlich diese Veränderungen bei Dirk mit, aber wir versuchten nach dem Einbruch und der tollen Erfahrung mit Ojo,  ein Fest daraus zu machen.

Dirk ging es ganz gut und wir luden Freunde und Verwandte ein. Wir hatten als Geschenk uns eine Reise nach Fuerteventura ausgedacht und da Max noch keine 14 Jahre war, bei Abschluss der Reise, konnte er noch als Kind mitreisen. Wir bekamen ja noch unsere vollen Gehälter, Dirk ging wieder zur Arbeit, da es ihm ja besser ging. So überraschten wir Max, indem wir ihm bis zum Flughafen nicht erzählten, wohin es ging. Alle machten mit, Max das zu verheimlichen, was wirklich irre schwer war. Eigentlich ging es in den Urlaub nach Lalling im Bayrischen Wald. Aber selbst der Hotelier dort war eingeweiht, denn wir waren schon oft da, aber eben diesmal nicht. Er wurde informiert und spielte mit, da Max mit Volker, so hieß der Hotelier, E-Mail Kontakt aufnahm und ihm schrieb, wie sehr er sich auf die Ferien dort freute. Erst auf dem Flughafen, die Ankunft hatte Max verschlafen, kam es heraus. Glaubt mir, diese Augen, wir heulten alle vor Glück auf dem Hannoverschen Flughafen, morgens früh um 4 Uhr. Max war so, so glücklich! Dirk war glücklich, seinen Sohn so zu sehen. Und ich? Ich heulte, weil es einfach ein Moment der Glückseligkeit war, wie im Film.

Glaubt es mir, es war wirklich dass letzte Mal, wo ich Dirk, so sah, wie er vor seine Krankheit war.
Fuerteventura, unsere Insel, wo wir unsere Hochzeitsreise verlebt hatten, eine Insel, wo wir so so gern hingezogen wären aber das war leider nicht realisierbar. Max genoss dort sein zwischen Kind und Jugendlich Sein und wir hatte so viel Zeit für uns und Abends waren wir alle zusammen. Max zeigte dort, seine Talente in Sport und Spiel, was er drauf hatte und wir, wir zeigten ihm die Insel, die wir ja mit allen Facetten kannten.
Es war ein unglaublich wunderschöner Urlaub und fast glaubten wir, das Klima könnte Dirk helfen, wieder gesund zu werden oder die Krankheit weit hinaus zu zögern. Leider mussten wir die andere Seite kennen lernen, dass dem nicht so war aber das erzähle ich euch später.

Wieder zu Hause, waren wir gestärkt und sogar der Wunsch nach einem Hund, der bei uns einziehen könnte, wurde wieder hervor geholt.
Und dann endlich, Dirk gab sein Einverständnis, ich durfte bei der Züchterin anrufen und mich erkundigen, wie und was man mitbringen muss, um einen belgischen Schäferhundwelpen zu bekommen.

Tja, wie war das.
Ich hatte ja die Adresse bzw Telefonnummer bekommen von Ramona Matejka, der Züchterin vom Zwinger of the beautiful black one. Sie hatte erst 2 Würfe gemacht und war noch sehr jung in der Züchtergemeinschaft.
Sie kam auch aus der ehemaligen DDR, so wie ich auch und das machte mir Mut. Also rief ich sie an.
Ich muss euch sagen, so geprüft über Telefon bin ich in meinem ganzen Leben noch nie und auch nie wieder geworden. Was sie alles wissen wollte. Warum, wieso, Hundeerfahrung, wo und wie leben wir, gehen wir arbeiten, was wollen wir machen, uff.
2 Stunden haben wir gesprochen und hinterher wusste ich nicht, sollte ich das wirklich machen? Genügen wir diesen Ansprüchen? Ich rief am nächsten Tag wieder an und wollte ihr absagen.
Sie war erstaunt, wir sollten doch erstmal kommen und alles anschauen. Schließlich waren ja die Stammhunde da, Shiva und Abby. Okay, also los, fahren wir.
Ramona sagte noch, wen ihre Shiva nicht mag, der bekommt keinen Welpen. Uiuiui, wir beluden uns mit Leckerchen und als erstes ging Dirk rein. Shiva war sofort da und Dirk beugte sich runter und sofort war das Eis gebrochen. Shiva war von da an, an Dirk seiner Seite.
Wir waren bis zu Canis seinem Einzug 4 Mal bei Ramona und als endlich der C Wurf soweit war, durfte Dirk aussuchen. Tja, wie wen was????? Da kam ein kleiner Trotti aus dem Welpenhaus und setzte sich zwischen Dirk seine Beine und Dirk schaute runter und sagte, Den nehmen wir.
Ich war eigentlich nicht so begeistert, diesen Eigenbrötler und angeknurrt hatte der mich auch noch, naja aber Dirk sollte ja aussuchen. So war es beschlossen, Canis kam ins Haus Bogusch-Gabriel.

Als wir angekommen waren, haute Canis erstmal ab in den Garten und hatte so gar keine Lust auf Gemeinsamkeit. Aber das änderte sich schnell als es zu futtern gab und ich weiß es noch wie heute.
Wir saßen draußen vor der Tür auf der Bank unterm Vorbau und Canis schlief so friedlich und es regnete. Aber es war so schön und von da an drehte sich alles um den kleinen Kerl.

Dirk war wie umgewandelt, ich aber auch. Es gab plötzlich keine Krankheit mehr, sondern wir hatten zu tun. Planschbecken anschaffen, Welpenschule aussuchen und der erste gemeinsame Urlaub stand an und alle 3 Kinder kamen mit und natürlich Canis Lupus.
Es ging in den Bayrischen Wald und eine lange Autofahrt lag vor uns.
Canis bröckelte erst mal in der ersten Autorast uns das Auto voll, natürlich hatten wir ihn vorher gefüttert, war wohl nicht so gut. Wir hatten ja keine Erfahrung aber es ging ihm sonst gut.
Der Rest der Fahrt war okay aber eins blieb leider bis er erwachsen war. Autofahren fand er nicht so gut.
Wir kamen gut im Landhotel an und Canis fühlte sich pudelwohl, leider hatte er seine Blase noch nicht so gut im Griff. Früh morgens raus, uhhhh Tür abgeschlossen, Hund abgesetzt , aufgeschlossen, Canis hatte schon einen schönen See gesetzt, oh neiiiin, wie peinlich.
Auch fand er den Balkon total schick und setzte da zu gern seine Wasserzeichen. Den Feng Shui Sessel hatte er zum Fressen gern und er sorgte auch dafür , dass er gesund blieb mit einer Flasche Lebertran und Frauchen sollte handyfrei sein und er schaffte es, das seine Zähne im Display verewigt waren. Aber nichts davon konnte man ihnen übel nehmen, vor allem Dirk verzieh im Alles.
Wir hatten soviel Spaß und wir lachten uns kaputt über seine Einfälle, die der kleine Kerl hatte.
Und es passierte, was so lange nicht mehr war, wir waren glücklich und planten wieder die Zukunft. Was gab es Schöneres, Dirk hatte wieder Mut weiter zu machen.
Als wir nach Hause kamen, war die Zusage für Dirk seine Kur im Briefkasten.
Wieder ein Hoffnungsschimmer mehr.

Ja, ihr lest richtig, es begann eine richtig schwere Zeit, die sehr Kraft zehrend waren und mich an meine Grenzen brachte. Aber so ist es im Leben Berg hoch , Berg runter aber wir gingen ins langsam Jahr für Jahr ins tiefe Tal. Bis es durchschritten war, vergingen 4 Jahre.

Ich musste also einen Neurologen finden, einen niedergelassenen Arzt, der uns betreute. Mein damaliger Chef kannte eine Studienkollegin, die Neurologin in Braunschweig war und er machte uns einen Termin bei ihr.
Sie war nett und einfühlsam, endlich!!! mal Eine die zuhört. Sie war neu niedergelassen und sehr positiv. Sie versprach uns jegliche Unterstützung, die wir auch noch richtig brauchen konnten.
Sie konnte zwar nichts wirklich Neues für Dirk tun aber sie gab sich wirklich jede Mühe. Okay, eine Baustelle weniger. Wenigstens die Arztsuche hörte jetzt erstmal auf.

Sie unterstützte uns in der Beantragung des Grades Schwerbehinderung. Damit schmeißt das Amt für Soziales nicht gerade um sich aber die Beurteilung des Gesundheitszustands von Dirk von der Neurologin brachten ihm immerhin 50 Prozent ein. Das war auch wirklich notwendig. Denn Dirk fehlte sehr oft auf Arbeit, war ständig krank geschrieben und so langsam wurde die Geschäftsführung aufmerksam.

Es kam, was kommen musste, er wurde zum Gespräch bestellt. Dort hakte man auf natürlich nette Weise nach, was er denn hat und ob das Alles von Dauer ist. Dirk hielt dem super stand und sagte nichts dazu, außer das er eben eine Krankheit hatte und jetzt in Schwerbehinderung ist.
Natürlich stieg auch in mir die Angst hoch. Wie sollte das denn weiter gehen, er war ja auch wirklich aller 1 bis 2 Monate mindestens 2 Wochen am Stück krank.
Es ging auch nicht anders, denn wenn er belastet war, schon durch den Ablauf, Aufstehen, Frühstück machen, zur Arbeit fahren, arbeiten, am späten Nachmittag nach Hause kommen, Das alles machte ihn langsam und das Zittern und die Verkrampfungen nahmen zu.

Meine nervlichen Anspannung nahm immens zu und jetzt hatte ich auch noch Ärger auf der Arbeit.
Ich hatte eine Kollegin, die mich in meiner Tätigkeit als Chefarztsekretärin unterstützen sollte und auch meine Vertretung war. Sie war auf 18 Stunden eingestellt und ich Vollzeit.
Ihr könnt euch vorstellen, dass so etwas nicht funktionieren kann und hinzu kam, dass sie ein Mensch war, der sich immer sehr im Vordergrund sehen wollte, vor allem beim Chef und das gelang ihr gut.
Das möchte ich hier auch gar nicht so klein klein ausführen, jedoch kam es so weit, dass ich von ihr gemobbt wurde und Chef hielt sich komplett raus.
Ich war am Rand des Wahnsinns und dann zog ich mich raus. Ich ließ mich krank schreiben, ich weinte nur noch, schrie herum, sobald was schief lief. Das war natürlich nicht gerade hilfreich im Zustand von Dirk und im Zusammenleben mit der Familie.
Ich hätte am liebsten Schluss gemacht aber das brachte ich nicht fertig.
Ich war bei meinem Hausarzt, der auch Dirk betreute und er gab mir eine Adresse von einer Psychotherapeutin, die ganz neu ihre Praxis eröffnet hatte. Ich machte einen Termin bei ihr. Das war wie ein 6er im Lotte, denn ich brauche nicht zu erwähnen, wie lange man sonst warten muss.

Im ersten Gespräch tat sich da eine Verbundenheit auf, obwohl sie einiges jünger war und sie war bereit mir eine Therapie zu gewähren. So beantragte sie bei der Krankenkasse eine 2 jährige Therapie und die bekam ich auch. Ihr glaubt nicht, wie weit mich das gebracht hat und welche Unterstützung das im weiteren Verlauf hatte. Davon erzähle ich aber noch. Aber ich war durch diese Entwicklung wenigstens wieder bereit zu kämpfen.

Es musste was passieren mit Dirk, wegen der Arbeit. Frührente? So befragte ich mal wieder meinen Freund Herrn Google. Wie beantragt man Frührente, was ist besser, gleich Rente beantragen oder Krankengeld? Was ich heraus bekam, dass man einen Verdienstältesten der Deutschen Rentenversicherung befragen kann. Das sind Menschen, die arbeiten ehrenamtlich für die Rentenversicherung. Okay????, also suchte ich im Umkreis unseres Wohnortes und siehe da, 2 Querstraßen weiter. Anrufen??? Oh man, ich war so aufgeregt aber ich machte es doch.
Er war sehr nett und auf meine Frage, was ist besser, 72 Wochen Krankengeld abwarten oder Frührente beantragen, gab es für ihn nach meiner Schilderung über den Krankheitsverlauf, gar keine 2 Meinungen. Natürlich Antrag, sofort und ich bekam zeitnah einen Termin bei ihm. Ich musste noch einige Berichte von den Ärzten, MHH, Reha usw besorgen und dann wollte er schauen.
Er war einfach klasse. Ich hatte Glück, er war hauptberuflich bei einer Krankenkasse angestellt und er füllte den ganzen Antrag für uns aus. Dirk braucht nur Auskünfte geben und dann war er endlich fertig,
Der Antrag auf Frührente.
Was für ein Einschnitt, mein geliebter, immer früher ein stets allseits bereiter und tatkräftiger Mann war, der unser Haus gebaut hatte, musste jetzt den Antrag auf Frührente stellen, weil diese Krankheit ihn immer mehr in Beschlag nahm.

Es machte mich einfach traurig und ich war einfach fertig aber ich durfte mir das nicht anmerken lassen, denn auch Dirk hatte seelisch ziemlich damit zu tun. Aber er wollte keine psychotherapeutische Hilfe. Ich wollte ihn da auch nicht drängen. Er brauchte einfach nur mich. Dann war er zufrieden. Er war so aufmerksam, so lieb zu mir und las mir jeden Wunsch von den Augen ab.
Ich weiß noch, die letzte Weihnachtszeit vor der Berentung war noch einmal so unbeschwert, obwohl ich auf auf der Suche war, nach einer neuen Arbeitsstelle, denn auch ich war immer noch krank geschrieben, wegen meiner beruflichen Sache.
Wir verbrachten ein wunderbares Weihnachtsfest in unserem eigenen Haus mit den Kindern, was es so nie wieder gab und geben sollte.

Ich habe euch ja im Teil davor erzählt, dass wir einen Rentenantrag gestellt haben.
Das ging durch die Hilfe des Verdienstältesten der Rentenversicherung recht schnell und wir bekamen zeitnah einen Gutachtertermin. Das löste in uns Angst aus, denn hören und lesen konnte man darüber genug. Diese Gutachter arbeiten ja oft im Sinne der Rentenversicherung und somit wird solch ein Antrag gern abgelehnt. Aber es half nichts, wir mussten dahin.
Es empfing uns ein älterer Neurologe, der unheimlich nett war. Er machte es uns überhaupt nicht schwer. Er sah, was alle sahen. Dirk war krank und das nicht wenig. So sagte er uns, das er diesem Rentenantrag in jeder Form zustimmen wird und dies erstmal für 1 Jahr bewilligt werden wird, da ja die Rentenversicherung davon ausgeht, es könnte sich ja wieder bessern.
Egal, wir waren so froh, als wir dort raus waren mit diesem Ergebnis. Wir feierten dies, mit einem Essen bei Subway gegenüber. Warum schreibe ich das so genau, werdet ihr euch jetzt fragen, tja weil ich seit langem das Gefühl einer Erleichterung gespürt hatte und Das ist mir noch in vollster Erinnerung.
So, ein Schritt war getan aber jetzt stellte sich die Frage, wie geht es finanziell weiter. Ich war immer noch zu Hause und im Krankengeld und bald würden wir nur noch die Rente von Dirk haben.
Unser Haus war in der Abzahlung und wir hatten auf Erbpacht gebaut und bald mussten wir den Kredit vom Aufwendungsdarlehen zurück zahlen. Ging das Alles?
Wir machten Kassensturz und es kam pi mal Daumen gerade so hin Aber… was ist wenn die Rechnung nicht aufgeht. Wir sahen uns an aber keiner hatte eine Antwort drauf. So, warteten wir erstmal den Rentenbescheid ab.
Ich musste wieder arbeiten gehen aber konnte das gehen, nach dem Ganzen da?
Ich suchte das Gespräch mit meinem Chef. Es verlief wider erwarten ganz gut und mein Wiedereinstieg hing eigentlich nur noch an der Situation mit meiner Kollegin.
Hatte ich vielleicht doch zu überspitzt gehandelt, vielleicht sollte ich noch einmal das Gespräch mit ihr suchen, immerhin hatte sie ja in meiner Krankheitsphase das Sekretariat weiter geführt. Natürlich mit Hilfe anderer Kollegen aber egal. Also suchte ich die Aussprache und auf einmal ging es. Wir konnten reden. Hatte ich mich wirklich so verrannt oder hatte sie sich geändert. Schnurz, ich wollte wieder arbeiten und so stieg ich wieder ein. Hier ende ich erst einmal aber zum Vorwort, es blieb nicht so.

Dirk bekam in der Zeit ein Medikament Levodopa, das war das absolute Teufelszeug. Denn er hatte keinen Rhythmus mehr. Er schlief ganz plötzlich ein, wachte 2 Stunden später wieder auf, war putz munter, nur leider war es nicht die Schlafenszeit, sondern Tagzeit. Dann stürzte er plötzlich vermehrt. Er war damals noch in einem Tennisverein. Trotz seiner Krankheit! Die Spieler dort waren total lieb zu ihm und wussten sich zu verhalten. Leider stürzte er bei einem seiner Spiele so schwer, dass er sich einen Handgelenksbruch und einen Bänderriss zuzog. Das war das Ende der Zeit beim Tennis. Dirk nahm dort schweren Herzens seinen Abschied. Die Mitglieder dort waren so so lieb und schenkten ihm ein Abschiedsgeschenk mit der Gabe, wenn er mal wieder spielen möchte, er ist jederzeit willkommen. Ich möchte nicht wissen, wie es in Dirk ausgesehen hat. Denn es war wieder eine Stufe hinab. Aber er war so vernünftig und stark. Ich unterstützte ihn und machte ihm Mut. Wir finden etwas Neues. Tja und dann kam noch mehr auf ihn zu. Er musste auf Arbeit jetzt sagen, dass er den Rentenantrag gestellt hat. Dort nahm man es wirklich super auf, die Kollegen war wirklich sehr traurig. Denn Dirk war immer ein lustiger Gesell und sehr kameradschaftlich. Es war ein schwerer Abschied. Die Firma machte Dirk dann ein Angebot. Wenn er aussteigen würde, dann bekäme er eine gute Abfindung. Das war hart, sehr hart aber zu überlegen.
Inzwischen war der Rentenbescheid eingetrudelt. 800 Euro Rente. Ist das gut oder schlecht. Ja, wenn wir eine normale Wohnung gehabt hätten, ja dann ja aber so??? Ich verdiente zwar nicht schlecht und das Kindergeld für Max und Patrick war ja auch noch da und Patrick war in der Lehre und gab Kostegeld ab. Kathleen war schon länger ausgezogen und hatte mit sich zu tun.
Was machen wir mit dem Vorschlag des Arbeitgebers von Dirk? Arbeiten konnte er ej nie wieder und wenn doch, als Eisenbahner, das war sein 1. Beruf, ging doch immer noch. Und die Abfindung würde erstmal das Gröbste abwenden. Also stimmten wir dem Vorschlag zu. Es kam schließlich eine schöne Summe auf unser Konto. Aber es gab kein Zurück in die Firma, was sich später als super Entscheidung herausstellte, da die Firma 2 Jahre später in die Insolvenz und pleite ging.

Jetzt musste aber etwas mit den Medikamenten getan werden. Das ging so nicht weiter. Es zerrte an meinen Nerven, diese Tagesabläufe von Dirk. Es war ja nicht mal mehr möglich gemeinsam Fernsehen zu schauen, geschweige etwas zu spielen. Ich machte einen Termin bei der Neurologin und sie setzte es daraufhin endlich ab. Er wurde auf Amatadin umgestellt. Das letzte Medikament was man gibt im Parkinsonverlauf, wenn nichts mehr hilft. Das war mir bewusst und es machte mich so traurig und ich hatte Angst. Wie weit geht das noch, wie lange hilft das.
Ich konnte mich aber in meinen Sitzungen bei meiner Psychotherapeutin ausheulen. Ich glaube soviel, wie ich dort geweint haben, habe ich mein ganzes Leben noch nicht. Aber ihr werdet es nicht glauben. Es tat gut zu weinen, Wut zu haben und mit sich zu hadern. Sie war ein aufmerksamer Zuhörer und gab mir Raum. Ich ging immer wie von innen geputzt aus diesen Sitzungen und in mir wuchs immer mehr Kraft, obwohl ich jede Woche Bäche dort heulte.
Ich überlegte, was kann ich tun, um noch mehr Kraft zu tanken. Ich hatte eine Idee. Ich stelle einen Kurantrag. Dirk ging es etwas besser mit dem Amatadin und Max und Patrick waren ja auch da und Canis würde dafür sorgen, das Dirk seine tägliche Bewegung bekommt.
Okay, also stellte ich den Kurantrag, der auch gleich abgelehnt wurde.
Unfassbar, warum, wieso???, Der Mann am Telefon sagte zu mir, “versuchen Sie es mal mit Urlaub”. Hatte der eigentlich einen Knall??? Ich war fassungslos und ich bin nicht umsonst vom Sternbild Steinbock. Ich erhob Einspruch und was kam, ich musste zum Gutachter. Zum Psychiater. Was für eine Demütigung. Ich stand einem Gutachter, der meines Erachtens eigentlich völlig überarbeitet gegenüber. Stehen ist gut, ich war kurz zuvor am Hallux operiert worden und musste dann dorthin.
Er fragte, fragte und fragte. Es war unglaublich. Zum Schluss heulte ich eigentlich nur noch und dann hörte er endlich auf zu fragen. Was für ein Ergebnis??? Keine Ahnung, ich wurde nach Hause geschickt.
Dazu kam noch, dass ich meinen Chef und meiner Kollegin erzählen musste, das ich zur Kur fahren wollte. Sie wussten ja in jeder Instanz von Dirk und dem Leidensweg. Sie stimmten zu, meine Kollegin, die wirklich nett war, nach unserer Aussprache, wollte die Vertretung übernehmen. Also von dort ging alles klar.
Dann kam der Bescheid. Na, was mein Ihr? Jaaaaa ich durfte fahren , ich bin fast umgefallen.
6 Wochen Heinrich – Heine- Klinik nach Potsdam. Oh Gott 6 Wochen. Na lustig drauf waren sie bei der Arbeit nicht mehr, denn man ging von 3 Wochen aus aber nun war es so wie es war. Ich legte meine Abfahrt aber in den August. Ich wollte wenigstens meiner Kollegin ihren Urlaub gönnen.
Den Bogen wollte ich nicht überspannen.

Dirk freute sich für mich so sehr aber ich hatte schon wieder die nächste Baustelle. Ich hatte im August Canis gemeldet in Leipzig. Wir wollten dann bei Ramona sein. Und nun?
Dirk sagte, ich fahre allein und Ramona stellt Canis aus, Echt??? Ja , Ramona war natürlich einverstanden und so war die Sache beschlossen.
Die Kinder würden Dirk unterstützen aber es ging ihm wirklich gut mit dem Amatadin und er ging jetzt immer regelmäßig zur Krankengymnastik, das tat ihm auch gut.

So fuhr ich am 16.8.2010 nach Potsdam in die Heinrich-Heine – Klinik.
Warum schreibe ich das Datum??? Weil es eine Zeit war, in der ich eine wunderschöne Zeit verlebt habe und ich möchte Euch im nächsten Teil davon erzählen. Das war Lebensglück , was ich dort erleben durfte und es hat mich stark gemacht, den die Stärke würde ich noch brauchen können, denn das Leben änderte sich für mich um 180 Grad.

In diesem Teil geht es fast nur um mich. Ich möchte einfach von einer Zeit erzählen, die mich entgiftet, geprägt und stark gemacht hat.
Die Zeit in der Heinrich-Heine – Klinik in Neu Fahrland.
Am 16.8.2010 ging es los und das war auch der Tag meines Eintauchen in ein rauchfreies Leben.
Wie oft habe ich versucht, das Rauchen aufzugeben.Ich war eine Genussraucherin , einen schönen Kaffee und Zigi dazu, tja und das machte es schwer. Aber! diesmal wollte ich es nochmal versuchen, mit den Worten, “wenn ich es diesmal nicht schaffe, dann nimmer mehr” So hatte ich keinen Zwang.
Aber die Gesundheitsvorträge meines Sohnes nervten, so wollte ich es versuchen.
Ich zog nun ein, in die Klinik. Ich wurde abgeholt vom Taxifahrer der Klinik , mit den Worten, nach 6 Wochen werden Sie nicht mehr weg wollen.
Ja ja, mal sehen , ne? Ich hatte ein schönes Zimmer zum Park raus und es gab alles was man so brauchte. Irgendwie war ich gleich heimisch dort und ich nahm mir vor, für mich zu bleiben und die Anwendungen brav mitzumachen und mich erholen.
Am 2. Tag lief mir, ich nannte sie später Dedd, über den Weg. Es war, man könnte sagen, Sympathie auf den 1. Blick. Das habe ich in meinem ganzen Leben nie wieder erfahren und so auch noch nie erlebt. Uns beiden war, als hätten wir uns schon immer gekannt. Wir machten gleich am nächsten Tag eine Schifffahrt mit und dort erzählten wir uns, warum wir da sind und mehr , mehr , mehr.
Mit ihr konnte man lachen, traurig sein, erleben. Alles was ich in den 6 Wochen dort erlebt habe, habe ich mit ihr geteilt. Wir waren, so die die uns da kennen lernten, die Klinikzwillinge. Wo Dedd war, war ich und umgedreht auch. Sie war einfach eine Freundin, so wie ich das noch nie erlebt hatte, leider endete das auch mit der Heimkehr. davon aber später noch.

Die Therapie bestand darin, dass es Therapiegruppen gab. Feste Gruppen, die mehrmals in der Woche sich trafen. Das erste Treffen war schon mal haarsträubend, weil sich dort einige schon in die Wolle bekamen , bei der Vorstellung der Person und warum man dort war. Wir hatten für die 6 Wochen auch eine feste Therapeutin, sie war spanischer Herkunft, was sich auch in unserer Tanztherapie niederschlug. Therapie mit Flamenco Elementen, wo gab es das. Nur bei den “Trauerweiden”, so nannten wir uns. Der stille Mitleser hier, weiß , wer den Namen erfunden hat.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten und auch Reserviertheit Einiger wuchsen wir zusammen. Wir waren gerne in der “Anstalt”, so nannten wir spaßhaft unsere Klinik. Natürlich gab es Ausnahmen aber der Kern war genial. Ob es das Pilze suchen war, Spiele Abende oder auch Ausflüge in die “Taverne” , ich habe mich so frei, lustig und jung gefühlt.
Ich weiß noch wie ich den 1. Tag dort war, da fand eine Disco statt. Was soll das denn, hab ich mich gefragt. Ich stell mich doch nicht da hin und tanze da, wo ich kaum jemand kenne. Haha, die nächste Disco hottete ich wie in meiner besten Jugendzeit dort ab und konnte kaum erwarten, dass wieder der Discotag kam.
Ich entdeckte plötzlich, dass ich auch eine künstlerische Seite hatte. Ich ging mit Dedd zur Seidenmalerei. Nie,nie , nie hatte ich sowas gemacht, noch hätte ich gedacht, dass ich ein brauchbares Werk abliefern konnte. Ich war geflasht als ich mein Tuch in den Händen hielt. Mein erstes selbst gestaltetes Tuch. Boa. In der Ergotherapie, modellierte ich ein Türschild aus Ton, was heute noch unsere Hauswand ziert. Ich hatte doch eigentlich zwei linke Hände für sowas. Gib mit eine Säge oder Hammer, da weiß ich was ich damit mache aber kreativ??? Ne nie war das mein Ding.
Ich war so stolz auf mich.
ich sang sogar mit Dedd im Klinikchor. Erst wollte ich das nicht machen aber der Professor , der diesen Chor leitete war so klasse und Dedd drängte mich. Also machte ich mit. Es hat soviel Spaß gemacht. Dieser Chor sang immer zur Begrüßung der Neuen und zum Abschied der Alten. Der Abschied war nie so schön, weil immer alle heulten, wie die Schlosshunde. Denn dort hatten sich Freundschaften gebildet und man war in einer eigenen Welt, wie bei Kapitän Nemo.
Man fühlte sich dort so sicher und aufgehoben. Ich habe ein Video von dort mitbekommen aber ich kann es mir nicht anschauen. Zu groß wäre die Sehnsucht.
Meine neue Entdeckung war die sportliche Seite, worken, jeden Tag schwimmen, Chi Gong usw. und es hat Spaß gemacht, weil man es mit Menschen tat, die alle ihren Kummer hatten, die durch Verlust eines Menschen, Krankheit, kranker Partnerschaft oder Schwierigkeiten im Leben und in der Arbeit hatten. Dort waren Mensche mit Schicksalen bei denen man in den Gruppentherapien schockiert war und wo man von der Gruppe aufgefangen wurde.
Man wuchs immer und immer mehr zusammen. Ob es beim Essen war, beim Sport oder auf den Ausflügen. Wir redeten, lachten, benahmen uns manchmal wie Teenager aber genau das war es was uns gefehlt hatte. In unserem sorgenvollen Leben hatten wir einfach verlernt zu lachen.
Nach 6 Wochen sah man, wie diese Menschen sich wieder wohler fühlten, offener waren.
Ich hatte auch den Mut, die Gegend allein zu erkunden. Mit dem Fahrrad war ich in den Therapiepausen unterwegs, bis Potsdam war es nicht weit. Die Gegend war einfach so schön, Wald , Seen und Stadt. Der Wahnsinn, ein Tipp für Euch mal hinzufahren. Dort kann man auch Urlaub machen. Ich hatte sogar Mut, ganz allein in den Filmpark nach Babelsberg zu fahren. Ich hatte dort ganz allein einen wunderschönen Tag. Dedd konnte nicht mit, da sie Besuch von ihrer Familie hatte.
Ich hatte in den 6 Wochen keinen Besuch, zum Einen weil die Empfehlung war, von Besuchen abzusehen um einen Therapieerfolg zu bekommen und zum Anderen war es für Dirk etwas weit für 1 Tag und Hotel war teuer und wohin mit Canis. Außerdem hatte ich Angst, dass ich Heimweh bekomme, wenn ich die Beiden sehe. Also ließen wir es. Außerdem stellten Dirk und Ramona in Leipzig Canis aus, der dort sein 1. V1 in der Zwischenklasse bekam. Ich war so so stolz und das machte mein Glück im Moment voll rund. Ich war so stolz, auf Dirk, dass er allein nach Leipzig fuhr, auf Canis, der sich so toll präsentiert hat und gewann und auf mich, die immer mehr Fortschritte machte.
Jede einzelne Therapie und das Gespräch mit den Therapeuten kitzelte in mir die Kampflust wieder hervor. Ich fühlte mich gesund, kraftvoll und schlank. Ich hatte dort 4 1/2 Kilo in den 6 Wochen verloren, ohne wenig zu Essen und ohne zu rauchen.
Die Zeit ging langsam dem Ende entgegen. Es wurde uns schmerzlich bewusst , dass wir uns, die Trauerweiden und vor allem Dedd und ich uns trennen mussten.
Ich weiß es noch wie heute. Ein paar Tage vorher waren Dedd und ich nochmal auf einer Fahrradtour. Wir saßen am See und tranken Kaffee und plötzlich weinte sie bitterlich. Ich versuchte clean zu bleiben, wollten wir uns doch besuchen und Kontakt halten. Jedoch von da ab wusste ich, dass es ein Abschied für immer war. Wir haben dann noch einmal telefoniert und geschrieben aber es gab nie mehr ein Wiedersehen. Da war auch niemand Schuld dran, es war das weitere Leben, was wir dann führten und was nicht einfach war. Wir hatten dann beide Schicksalsschläge, die wir verarbeiten mussten. Ich denke, wir haben uns das auch nie übel genommen, weil wir so viel von uns wussten und wenn wir uns jetzt sehen würden, wäre es wieder so schön. Aber ich habe mir gesagt, es war eine ganz eigene Welt da, man muss das erlebt haben, um das zu verstehen.

Die Trauerweiden feierten einen lauten Abschied, mit Adressen, Telefonnummern, E.Mail Austausch. Naja, wie das immer so ist. Ich hab kaum noch Kontakt aber ich denke es ist normal.
Es ist die Welt der Heinrich-Heine -Klinik, unserer “Anstalt” in Neu Fahrland gewesen. Der Abschied von da, war wahnsinnig schmerzlich und ich hatte danach lange Mühe mich wieder einzufinden in der Normalität aber ich war gestärkt, erschlankt und rauchfrei. So konnte ich doch mit einem guten Ergebnis die Kur beenden. Ich wäre da so gern noch einmal hingefahren aber ich glaube, dass kann man So nie nie wiederholen. Ich habe den Ort gemeinsam mit Dirk ein paar Jahre später nochmal besucht und es hat sich nach Sehnsucht angefühlt.

Jaaa, das war die Geschichte meiner Reise in eine andere Welt, wo es keine Probleme gab. Wo man behütet und verwöhnt wurde, wo man als Mensch geachtet wurde, wo einem geholfen wurde, wo Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft herrschte. Die Kur die dann einige Jahre später machte, hatte nicht mal den Ansatz davon.

Im nächsten Teil schreibe ich über meine Heimkehr , neue Probleme auf Arbeit und in der Familie.

Ja, warum geht das denn immer weiter. Wenn ihr jetzt denkt, joa, Katrin hat die Zeit in der Reha ja geholfen, jetzt geht es bergauf, der liegt leider nicht richtig.

Ich kam aus der Reha, eigentlich mehr traurig als froh. Eigentlich wollte ich gar nicht nach Haus. Klar, Canis hätte doch wenigstens ein Punkt der Wiedersehensfreude sein müssen, war er auch irgendwie aber dieser Schutz ,den ich in der Klinik hatte, der war aufgehoben.
Ich kam nach Hause und Dirk hatte mich überrascht. Er hatte den ganzen Flur neu gefliest und tapeziert. Toll sah das aus, eigentlich hätte ich mich doch so sehr freuen können aber es regte sich irgendwie nix bei mir. Natürlich lobte ich ihn aber innere Freude ist was anderes.
Als erstes ging ich mit Canis spazieren bzw Worken! Denn Das wollte ich mir beibehalten. Das tat mir gut und ich war eigentlich in Gedanken in der Heinrich – Heine – Klinik.
Ich ging 2 Tage nach meiner Ankunft wieder zur Arbeit, meine Kollegin wollte auch nicht mehr vertreten. Gerne hätte ich noch ein bisschen ankommen wollen, nach der Zeit aber ich hatte Verständnis. Also ging ich wieder zur Arbeit. Leider nicht lange. Ich erkrankte nach 1 Woche an einer Gürtelrose. Diagnose des Arztes, psychischer Stress. Tja, ich denke, dass lag daran, dass ich einfach mit diesem großen Umschwung nicht klar kam. So war ich wieder krank und das hatte Folgen.
Meine Kollegin hatte keine Lust mehr mich zu vertreten und es gab wieder Querelen, die sich dann richtig hochschaukelten. Es kam, was kommen musste, wir waren wieder dort, wo wir vor einem Jahr waren. Der Chef stand natürlich auf ihrer Seite, klar und ich wollte die Konsequenzen ziehen, ich bat um Umsetzung. Ha, ha die Rechnung hatte ich ohne den Chef gemacht, der stimmte dem nicht zu und so musste ich da weiter machen. Jedoch die Zusammenarbeit war keine mehr mit meiner Kollegin und ich konnte und wollte so nicht mehr weiter machen. Ich zog mich wieder raus.
Mein Sitzungen bei meiner Therapeutin wurden wieder enger und sie gab mir den Rat, mir einen neuen Job zu suchen. Mit 45 Jahren ja klar, ich verdiente nicht schlecht und wo sollte ich als Arzthelferin solch Job finden? Ich blieb erstmal im Krankenstand.
Das Geld wurde immer knapper und Dirk und ich waren jetzt ständig beide zu Hause.
Ich war sehr sehr oft mit Canis spazieren, ihm erzählte ich alle meine Sorgen und ich sprach mit ihm, wie mit einem Freund. Das tat mir gut. Wem sollte ich meine Sorgen erzählen. Es konnte mir doch sowieso keiner helfen. In mir stiegen die Sorgen auf, was sollen wir bloß machen, wie lange können wir das Haus halten. Diese Ängste legten sich natürlich auch auf meine Stimmung. Es gab Streit, in der Familie und auch mit meiner Schwester, ach es war einfach alles verfahren.
Das Einzigste was mich hoch hielt, waren mein Canis und die Sitzungen bei meiner Therapeutin.
Ich bewarb mich schließlich doch, in einem Krankenhaus. Ich hatte auch meinen früheren Chef von meiner Praxiszeit gefragt, ob er mich wieder einstellt aber leider Fehlanzeige.
Joa und siehe da ich bekam aus dem Krankenhaus einen Personalbogen, den ich ausfüllen sollte, mit eventueller Aussicht auf einen Job. Schließlich hatte ich eine vielseitige Ausbildung vom OP bis zum Röntgen. Aber ich musste warten und wir fuhren erstmal in den Urlaub. Den konnten wir uns eigentlich gar nicht leisten aber es war in der Nähe bei Ramona, Canis seiner Züchterin und da waren wir jeden Tag. Mit Ramona konnte ich nicht nur darüber reden sondern auch über meine Sorgen. Das tat so so gut. Wir hatten soviel Spaß mit den Hunden und auch mit der Familie. Da habe ich so schön meine Sorgen vergessen. Vor Dirk hatte ich meine Gefühle versteckt. Ich wollte es ihm nicht noch schwerer machen als es schon war. Er sollte sich einfach wohl fühlen. Und er mochte Ramonas Familie auch sehr gern und er fühlte sich wohl.
Doch jeder Urlaub hatte ein Ende und da waren sie wieder , meine Probleme. ich bekam ständig böse Briefe von der Personalleiterin, wann ich denn wieder gedenke wieder zu arbeiten. Sorgte nicht gerade für Sicherheit in meinen Gefühlen. Ich holte mir auch rechtlichen Rat und dann endlich kam der lang ersehnte Brief und ich hatte ein Vorstellungsgespräch von der Klinik für die Tätigkeit im OP.
Uff, wieder OP, da war ich schon mal aber da war ich 10 Jahre jünger aber besser als gar nichts.
Ich war mega aufgeregt und plötzlich eröffnete man mir dort, sie suche händeringend jemanden für die Dialyse. Häää, Dialyse? Ich hab dann dem Personalchef gesagt, okay, ich kann mir das anschauen, bin offen für alles aber Ahnung hab ich davon nicht. Ich durfte dann auch gleich in der Abteilung vorsprechen und es erschlug mich, piepende Maschinen, Menschen, die krank waren und an Schläuchen hingen und in Betten lagen, dazu hier ein Gesicht einer Mitarbeiterin und da einer Mitarbeiterin. Oh je aber die machten mir dort alle Mut, das lernst du und so sagte ich für ein Probearbeiten zu.
Den Tag werde ich wohl nie in meinem Leben vergessen. Ich glaube ich hab mich manchmal fast stranguliert mit den ganzen Schläuchen aber ihr glaubt es nicht, am Ende des Tages konnte ich ganz allein eine Maschine aufbauen. Jaaaaaa, juchu und dann wollten die mich da auch noch. Also sagte ich zu und so handelte ich dann mein Gehalt aus, was natürlich viel weniger war aber egal, ich hatte wieder Arbeit und konnte neu beginnen. War Eine von Vielen und nicht mehr alleinige Chefarztsekretärin. Und ich konnte wieder mit Menschen arbeiten.
Vor lauter Freude fuhren wir gleich wieder in den Urlaub zu Ramona für ein paar Tage. Dort schmiss ich die Kündigung in dem alten Betrieb in den Kasten. Es war vollbracht. Ich begann neu.
Warum ich Das alles so genau erzähle, weil es wirklich ein Umbruch war in ein neues Leben.
Mein Dirk war zwar auch erleichtert, dass ich endlich wieder arbeiten konnte aber es ging ihm körperlich nicht gut. Er war oft verstimmt, konnte meine Ängste nicht nachvollziehen. Wie auch, er war nicht mehr der Dirk, der mich früher aufgefangen hat, der mir Rat gab, er hatte sich verändert. War unsicherer, vergaß oft und fasste die Problematik oft nicht.
Im September fing ich dann meine neue Stelle an, die frühere Firma machte mir keine Schwierigkeiten, die waren froh, dass sie mich los waren. Ich arbeitete Vollzeit und es war schwer, mega schwer. Schichtarbeit 5 Tage die Woche, Früh Spät Wechselschicht. Man das war ein Brett. Dann brach sich zudem auch noch meine Mutter den Oberarm und lag im Krankenhaus.
Was tun? Ich holte meine Mutter zu mir.
Zwischendurch fuhr ich noch mit Canis nach Schweinfurth. Warum ich das hier mit einbringe? Weil ich dort Moni und Micha kennengelernt habe, 2 Menschen, die mir noch sehr wichtig werden, dass wusste ich aber noch nicht. Ich ließ Dirk und meine Mutter zusammen für 2 Tage zurück und ich erlebte eine Ausstellung, die mir sehr in Erinnerung geblieben ist. Ramonas Tochter war auch mit und die ist so mega lustig und herzerfrischend, so dass ich dort soviel Spaß hatte, wie lange nicht. Wir haben manchmal gebrüllt vor Lachen, so dass Ramona uns manchmal einen Vogel zeigte(natürlich liebevoll). Mit Moni und Micha baute sich da was auf, das spürte ich. Wir mussten uns erst beschnuppern aber wir waren neugierig aufeinander.
Zu Hause wieder angekommen, wartete wieder viel Arbeit. Meine Mutter, die bei uns wohnte, bis sie wieder allein zu recht kam und dann die Arbeit, die schön war aber auch anstrengend. Meine Mutter war und ist auch nicht einfach und hatte so ihre Vorstellungen. Als sie 1 1/2 Monate später wieder nach Hause fuhr, atmeten wir auf. Jedoch lange Pause hatten wir nicht.
Dirk seine Mutter, zu der er eigentlich keinen Kontakt mehr hatte, weil auch sie charakterlich so schwierig war, lag im Krankenhaus. Oh neeee aber ich sagte zu Dirk, wir müssen da was tun, du wirst es dir nie verzeihen, wenn sie stirbt und du hast nichts getan.
So fuhren Dirk und Max zu ihr und sie sah nach vielen Jahren ihren Sohn und ihren Enkel wieder.
Es war sehr emotional für Alle und ich war froh, dass sie sich versöhnt hatten. Es war eine schwierige Kiste aber egal, wichtig war, dass sie sich versöhnen. Ein Grund war ich, weil Dirk mich mit 2 Kindern geheiratet hatte und ihren Sohn weg nahm. Naja manchmal hatten wir uns auch verstanden aber manchmal kam dann wieder ihr Groll auf. Naja, sie war auch sehr krank und nahm jahrelang ziemliche Hammermedikamente.
Leider konnten wir die neue Versöhnung nicht lange genießen, denn sie wurde abermals ins Krankenhaus eingeliefert, mit der Aussicht, dass sie ins Heim muss.
Wie sollte das gehen, was wird aus der Wohnung. Wir erkundigten uns hier in einem Heim in der Gegend und das war nicht schwer, Durch die gute Rente, konnte sie sich das leisten.
So fuhren wir in ihren Wohnort, der 400 km weit weg war und lösten die Wohnung auf. Das war ein Akt. Dirk war ja auch nicht gesund und dann noch die Wohnung auflösen. Ich hörte mich um und fand eine Vereinigung für Obdachlose, die räumten mir die ganze Wohnung leer, bis zur Schlüsselübergabe. Welch ein Glück. So nahmen wir nur das mit, womit wir ihr das Zimmer einrichten konnten. Leider mussten wir viel abgeben, mir blutete das Herz. Die schönen Sachen aber es musste sein.
Canis hatten wir mit und seine Mutter wohnte dort, wo ich und Dirk und kennen gelernt hatten und wo ich 7 Jahre ein wunderschönes Leben geführt hatte.
Ich ging zu der Stelle, wo mein Wohnhaus stand, dass war der Wende zum Opfer gefallen und abgerissen worden. Ich schwelgte in Erinnerungen.
Die Mutter von Dirk wurde Tage nach der Auflösung der Wohnung in das Heim in unserer Nähe gebracht. Sie war erst ganz unglücklich, sie wäre so gern mit in unser Haus gezogen aber sie und Dirk , Nein, das konnte und wollte ich nicht.
Dirk seine Mutter war zuerst froh bei uns in der Nähe zu sein aber dann kamen wieder ihre Stimmungsschwankungen und sie machte Dirk Vorwürfe. Nicht gerade einfach für ihn, denn es war auch wirklich schwer für ihn, sich um alles zu kümmern. Er hatte ja auch mit sich zu tun.
So kam sie auch noch kurz vor Weihnachten in Krankenhaus. Wir waren immer da und dort sagte sie mir, dass sie so glücklich ist, dass Dirk so eine liebe Frau bekommen hat und ich soll auf ihn aufpassen, ist er doch so krank. Es tat ihr in der Seele weh, ihren Sohn so zu sehen. Dieser Satz treibt mir, jedesmal die Tränen in die Augen, weil es auch das letzte Mal war, wo ich sie bei Bewusstsein gesehen habe und wir hatten uns versöhnt und ich hatte ihren Segen. Endlich. Jahrelang hatte ich darum gekämpft.
Im März verstarb sie dann. Dirk durfte dann gar nicht mehr zu ihr, weil sie isoliert lag. Wir haben sie dann nur noch ein letztes Mal gesehen. Nie werde ich das Bild vergessen und Dirk hat bitterlich geweint.
Ihre Beerdigung war ein wenig mystisch. Am Grab während der Rede flog plötzlich ziemlich tief ein Flugzeug über uns hinweg. Lacht jetzt nicht, nicht ich habe das bemerkt, sondern Max und Dirk gleichzeitig empfanden es so, als flöge sie davon und sagte nochmal Ade.
Eine merkwürdige Situation aber wir haben noch oft davon gesprochen.

Dirk war alleiniger Erbe und so blieb ein bisschen Geld übrig, was wir ins Haus steckten und wir planten eine Reise. Einmal nochmal weg fahren, wir wollten unbedingt eine Kreuzfahrt machen.

Ja, ich schreibe schon wieder und wisst ihr warum? Ich bin heute von einer lieben Bekannten angesprochen worden, wie toll sie meinen Blog findet und sie so gern mit liest. Ich habe sie gefragt, komme ich auch nicht als Jammertante rüber? Nein, überhaupt nicht, es wäre so real. Völlig beflügelt und voller Ideen, wie ich jetzt weiter schreibe, haben Lust darauf gemacht, heute mit meiner Geschichte weiterzuschreiben.

Ja, wie mach ich weiter. Also, ich habe ja im September in der Dialyse angefangen zu arbeiten. Es war nicht einfach aber ich habe schnell einen guten Draht zu dem Team bekommen und ich lernte die Patienten schnell kennen. Das waren natürlich schwer kranke Menschen aber! es waren auch Menschen, die genauso wie wir mit Ihren Gefühlen, Wünschen und Sorgen lebten, wie wir auch.

Ich fand das einfach schön, sie jeden 2. Tag wieder zu sehen. Ich zerrte davon, mich auf Arbeit zu unterhalten, sie zu betreuen und ich bekam soviel zurück. Zu Manchen baute ich da ein Vertrauensverhältnis auf, was mir gut tat und ich textete meinen Dirk zu Hause damit zu. Der wusste zwar nicht, Wer, Wer ist aber er hörte gern zu, lachte mit mir über witzige Dinge und war mit mir traurig, wenn es eben manchmal jemanden von den Patienten schlecht ging oder gar uns verließ.

Er lernte meine Kollegen vom Namen her kennen und ich baute auch zu einigen Kollegen ein Vertrauensverhältnis auf. Manchmal musste ich auch mal reden und bei einer Kollegin tat ich das ein bisschen mehr. Ihr erzählt ich meine Geschichte und auch das wir ein Haus haben und 1 Kind noch da war, 2 waren bereits ausgezogen.

Da sagte sie mir einen Satz” Warum müsst ihr ein Haus haben, wenn ihr du dich dafür so abrackern musst. Viele Berufsjahre, 3 Kinder , Vollzeit und der Mann krank mit Rente.”

Ich schaute sie an wie ein Auto und sagte, das Haus hat Dirk mit seinen eigenen Händen gebaut und wir freuen uns Haus und Garten zu haben. Naja, antwortete sie, aber Dirk wird doch nicht gesünder, wer macht den Garten, wie bezahlt man Reparaturen? Denk doch mal an Dich.

Ich hab sie damals nicht verstanden aber der Satz gravierte sich in meinem Hirn ein, wie in einen Grabstein. Ich wusste noch nicht, wie real er werden würde.

Im Sommer fuhren wir das 1.Mal nach Usedom. Wir mieteten uns ein Ferienhaus am Stettiner Haff, ich hatte die Adresse in einer Hundezeitschrift entdeckt. Es war ein unglaublich schöner Urlaub, diese Natur, der Canis hatte Spaß und wir fühlten uns so wohl, weit weg, von unseren Problemen.

Von da ab verloren wir unser Herz an diese Insel und bis zur heutigen Zeit fahren wir jedes Jahr dorthin aber anders. Wie? Das erzähle ich viel später.

Wieder zu Hause holten uns die Sorgen wieder ein. Das Haus!!! Können wir es halten? Ich rechnete hin und ich rechnete her. Dirk wusste auch nicht so recht eine Antwort. In mir stieg jeden Tag ein bisschen mehr die Angst hoch. Sollte man es doch verkaufen? Wir hätten keine finanzielle Kette mehr und der Garten, diese riesen Hecke, wer sollte die scheren. Die Kinder? Die hatten ihre eigenen Vorstellungen und Max unser Jüngster, hatte klare Vorstellungen. Maschinenbau wollte er studieren in Hannover und dann auch dahin ziehen. Meine Ältesten wohnten schon da. Sollte ich ihnen ein schlechtes Gewissen machen, indem ich ihnen erzählte, wie es finanziell aussah? Nein, ich wollte, dass sie ihren Weg gehen, sie waren gesund, jung und voller Tatkraft. Da werde ich sie wohl zurück halten? Niemals. Max , unser Jüngster spürte aber das ich irgendetwas vorhatte. Erst beruhigte ich ihn aber dann erzählte ich ihm, von meinen Gedanken.

Dann ging bei uns auch noch die Heizung kaputt. Der Monteur gehörte fast mit zur Familie, so oft war der da. Leider kam die blanke Wahrheit ans Licht, wir brauchten einen neuen Kessel. Der kostete Geld, viel Geld, was wir nicht hatten.

Ich ging sehr oft spazieren, mit Canis, führte Selbstgespräche und diese Überlegungen führten zu der Erkenntnis: Wir müssen verkaufen, bevor es zu spät ist, wir müssen unser Haus verkaufen, es geht nicht anders.

Ich weiß es noch wie heute, es war ein wunderschöner warmer Spätsommertag, ich kam mit Canis von so einem Spaziergang nach Hause und Dirk stand auf der Terrasse. Ich sagte, Zwergl, ich muss mit dir reden, lass uns unter den Pavillon setzen und reden.

Ich sprach von meiner Erkenntnis, ich redete und redete und Dirk saß vor mir und hörte zu und fragte dann. Meinst du wirklich, wir müssen verkaufen? Ja, sagte ich, bevor wir Verluste machen, bevor wir rausgepfändet werden, klar es dauert noch aber mach die Augen auf, nicht zu. Noch müssen wir nicht gleich aber irgendwann und das wird nicht mehr lange dauern müssen wir und dann können wir nicht mehr wählen, an Wen und Wann.

Wir saßen da und weinten, wir weinten bitterlich, mitten am helllichten Tag und wir lagen uns in den Armen und trösteten uns. Dirk wurde es jetzt bewusst, ich hatte recht.

Dirk fragte, wie wollen wir das denn machen? Ich sagte, ich habe da schon so eine Idee.

Ich hatte mir 2 Makler ausgeschaut. Der Eine war ein älterer Herr, war Immobilienmakler im Ruhestand und arbeitete noch nebenbei bei einer Firma und die Anderen waren , es stimmte wirklich knallhart und nur auf Gewinn aus.

Ich habe in den Gesprächen mit Beiden, immer gleich , wir müssen nicht verkaufen aber wir wollen UND wir suchen aus, wer hier einzieht. Bisschen weit aus dem Fenster gelehnt Katrin aber so hielt ich mir die Preisdrücker vom Laib.

Den Zuschlag für den Makler erhielt der ältere Herr. Ich hatte Vertrauen zu ihm und er sagte damals, ich werde alles tun, dass sie gut verkaufen, schließlich war es doch noch zu sehr belasten und ich wollte trotzdem noch Geld mitnehmen und nicht +-Null rausgehen. Er versicherte mir, dass mein Wunsch in Erfüllung geht.

Dirk war ziemlich in sich zusammengesunken, keine Wunder, das war sein Haus, er hatte es gebaut und geplant, es sollte unsere Altersversicherung sein. Tja aber das ging nicht mehr, er hatte zu wenig Rente, obwohl er so lange gearbeitet hatte.

Noch war ich voller Tatendrang, sagte mir, was sollen wir mit dem Haus und immer und immer wieder hörte ich die Worte meiner Kollegin. Das Haus ist eine Sache, ihr müsst leben.

Jaaa, stimmt und deswegen ist der Weg richtig.

Ich weiß noch genau, wie diese Herren von der Super-Maklerfirma durch die Tür kamen und mir erstmal ihre Bedingungen eröffneten. Ich blieb ganz ruhig und zeigte ihnen erstmal Grundstück und Haus und blieb cool. Ich sagte ihnen, dass ich überhaupt nicht gezwungen bin, zu verkaufen, ich aber auf lange Sicht plane. Da schlugen sie um in Interesse, machten Angebote und ließen mir nacheinander ihre Visitenkarten da. Ich hatte längst meine Entscheidung getroffen, die auf keinen Fall. Lieber verkaufe ich gar nicht. Mein Favorit stand fest, der alte Herr, der so lieb und überhaupt nicht wie ein Makler rüber kam. Er wollte nicht mal eine Maklerprovision von uns , auch nicht zur Hälfte. Diese Halsabschneider vorher, wollten schon mal 20 % vom Kaufpreis. Ich glaub, ich spinne.

So ging es los. Der Makler, der eigentlich gar keiner war, weil er so mitfühlend war und so nett. Eigentlich hab ich erst später begriffen, als alles über die Bühne war, das er wahrscheinlich gewusst hatte, warum wir verkaufen mussten.

Es wurden Fotos gemacht, Baupläne und alles vom Haus musste gescannt und übermittelt werden.

Dann kam eigentlich Das, was am Schlimmsten war. Es kamen die ersten Interessenten und wir mussten alles in einen Zustand bringen, als wäre es ein Musterhaus, alles persönliche weg und WIR AUCH. Das war so demütigend. Während da fremde Menschen in unserem Haus rumwanderten, mussten wir spazieren gehen. Es war mir, als würde ich fremd gehen. Furchtbar.

Wir liefen draußen rum, bis die Zeit vorbei war und dann musste ich erstmal lüften. Raus mit den fremden Gerüchen.

Dann kam, was ich auch schon erwartet hatte, die Interessenten hatten alle vor den Preis zu drücken aber nicht nur der Makler sonder auch wir wussten, Nein, nur mit Gewinn sonst nichts.

Es wurde Oktober. Ich hatte euch ja in dem Blog vorher geschrieben, dass wir eine Kreuzfahrt machen wollten. Sie war auf Last Minute und nicht so teuer aber eigentlich wirklich notwendig? Egal, wir brauchten was für unsere geschundene Seele. So buchten wir und freuten uns drauf. Max erklärte sich bereit, falls sich neue Interessenten melden, dass gemeinsam mit unserem netten Makler zu managen. Dan fiel auch noch die Heizung wieder aus. Oh nein, das auch noch. Die Leute können doch nicht in kalten Räumen durchgehen. Der Monteur konnte erst nach unserer Reise aber er zeigte uns einen Trick, wie wir diese olle Heizung immer wieder in Gang bringen. Nach dem Urlaub kamen wir nicht umhin einen neuen Brenner zu installieren. Ja okay, es musste sein,schließlich musste das Haus intakt weg.

Aber erst die Reise. Am 11.10.2012 ging es los mit der AIDA zur 7 tägigen Kanarenreise.

Eine Reise, die leider nicht so wurde wie erwartet.

Ach jaaaa, ich hab noch etwas ganz Wichtiges nicht erzählt.

Canis!!! Wohin mit Canis, wenn wir auf reisen sind. Max ging zur Berufsschule und war den ganzen Tag weg. Zu Ramona???, so weit weg. Mir fielen Moni und Micha ein, wisst ihr noch? Das Pärchen aus Schweinfurt , mit den beiden hatten wir uns etwas angefreundet und sie erklärten sich bereit Canis für 14 Tage zu sich zu nehmen. Denn sie wollten in Hannover ausstellen und dann bringen sie ihn uns gleich mit. So brachten wir Canis vor unserer Abreise zu Moni uns Micha. Es tat mir weh, ihn dort zu lassen aber er hatte Spaß mit Vito, dass machte es die Sache leichter aber ich hatte da schon Sehnsucht. Am liebsten hätte ich alles rückgängig gemacht aber es musste sein, Dirk musste raus von zu Hause, er sollte wieder durchatmen , Hoffnung schöpfen und Kräfte sammeln für den allerletzten Schritt, den Verkauf und den Neuanfang. Neuanfang, ja wo eigentlich? Egal, darum kümmern wir uns, wenn wir wieder zurück sind. Noch hatten wir nicht mal einen Käufer.

Es ging los, wir freuten uns riesig auf diese Woche, endlich mal durchatmen, Kräfte sammeln und dann würde bestimmt endlich ein Licht am Ende des Tunnels aufflackern.

Dirk war ja bis Mitte Dezember 2012 in der Anschlussheilbehandlung. Als er zurück kam, war er zwar erholt aber er hatte sich verändert. War es die Krankheit? Nein, heute weiß ich, dass es der Verkauf des Hauses war. Es tat ihm so so weh und er war so tapfer. Er jammerte nicht, er ließ sich auf Alles ein, was uns bevor stand. Nur, er hatte keine Kraft sich irgendwie einzubringen. Ich hatte damals gedacht, dass es daran lag, dass er den Infarkt zu verarbeiten hatte. Sicherlich lag es auch daran aber es war der Auszug aus seinem selbst gebauten Haus, sein Traum, den er sich verwirklicht hatte. Ich wollte es damals garnicht, wäre lieber in Hannover geblieben aber Dirk zu Liebe, habe ich mich dann damit angefreundet und fand es dann auch wunderschön, dort zu leben.
Jetzt aber mussten wir es verlassen. Ich heuerte eine Umzugsfirma an, mit der Option, dass sie außer der persönlichen Sachen, alles einpacken müssen und auch wieder im neuen Haus auspacken und Alles so ausführen sollten, dass wir im neuen Heim nicht mehr soviel machen müssen.
Es kam der Organisator der Firma, ich zeigte ihm das Haus und besprach Alles mit ihm, auch das Finanzielle. Das Angebot seinerseits war genial, es hielt bei der vielen Arbeit, doch die Kosten in einem bezahlbaren Rahmen. Ein absoluter Trugschluss, wie sich dann später herausstellen würde.
Dirk konnte also in Ruhe zu Hause ankommen und wir wollten unser letztes Weihnachtsfest mit den Kindern in Ruhe verleben. Jedoch so große Mühe ich mir gab, es kam kein richtiges Gefühl bei mir auf. Ich kochte so ein schönes Essen, jedoch machten mir die Kinder einen Strich durch die Rechnung. Meine Jungs waren feiern gewesen und müde, meine Tochter hatte mit dem Kleinen zu tun und war etwas gestresst, nur Dirk und ich waren eigentlich bereit. Ach es war einfach wie verhext. Alles was ich eigentlich versucht hatte, dass wir ein gemeinsames schönes Weihnachten haben, ging irgendwie nicht.
Den Jahreswechsel verbrachten ich und Dirk allein. Wir planten eigentlich nur, wie wir was machen wollten. Denn wir mussten uns auch eine neue Küche kaufen, die kam aber erst 4 Wochen nach dem Einzug. Internet, Telefon usw. alles musste geändert werden und es klappte irgendwie nichts so richtig.
Dann kam der Tag des Umzuges. Die Männer rückten an und es ging gut voran, bis ich dann darauf verwies, dass der Dachboden auch noch geräumt werden musste. Der Vorarbeiter erklärte mir, dass davon nichts im Auftrag stand. Hääää, ich hatte aber doch alles besprochen.
Nein, hatte ich wohl nicht. Ich rief diesen Organisator an und stellte ihn zur Rede. Der war plötzlich so unfreundlich und sagte mir, dass dies nicht mit in dem Kalkulationspreis drinnen war. Unfassbar, der hatte mich übers Ohr gehauen. So treibt man Kosten in die Höhe.
Ich weiß es noch wie heute, ich ging ins Schlafzimmer, dort saß seit Stunden Dirk auf dem Bett und ich versuchte ihm zu erklären, was passiert ist. Er fasste die Situation nicht, er wusste nichts mehr und ich war gerade völlig in mir zusammengebrochen. Wer räumt den Dachboden jetzt leer. Zwar hatten uns unsere Nachbarn und die Jungs das Kaminholz rüber geschafft aber der Dachboden? Meine Jungs? Wie lange sollte das dauern und es war soviel.
Ich ging nochmal zu dem Vorarbeiter. Er merkte wohl jetzt, in welcher Lage ich mich befand.
Wir besprachen, dass ich dann die Gardinenstangen und Lampen selbst anbringe und auch die Schränke selbst aufbauen müsste aber sie würden den Dachboden räumen und dann bleibt der Preis.
Gott sein dank, der Stein plumpste vom Herzen runter. Egal, ich würde schon jemanden finden, der mir half. Dirk konnte ich gar nichts zumuten. Er war wie versteinert. Natürlich kamen seine Beschwerden vom Parkinson richtig raus. Er zitterte und es ging alles nur langsam. Er tat mir so unsagbar leid. Ich musste und wollte so weit wie möglich alles von ihm fernhalten. Ich hatte ja noch unsere Jungs und unsere Nachbarn. Sie kümmerten sich auch um Canis. Der büchste während des Umzuges immer wieder von unseren Nachbarn aus. Stand immer wieder vor unserer Haustür.
Der Tag des Einzuges werde ich wohl auch nicht vergessen.
Alle Möbel waren jetzt da und wir hatten die erste Nacht dort geschlafen. Es waren noch Restarbeiten zu machen von den Möbelleuten. Mit denen hatten wir uns jetzt fast angefreundet. Die waren echt super Jungs und sie erzählten mir auch, dass dieser Chef der die Orga gemacht hatte, immer so handelt. Er schreibt Sachen einfach nicht auf und treibt so die Kosten in die Höhe.
Die Jungs halfen mir wo sie konnten und machten Sachen, die sie eigentlich garnicht tun mussten. Der Vorarbeiter hatte erkannt, in welcher Lage wir uns befanden.
Dann bekam ich einen Anruf aus dem alten Zuhause. Die 2 Arbeiter, die die Restarbeiten machen sollten, hatten einen Eimer Farbe fallen lassen und die Farbe ergoss sie über die ganze Treppe.
Ich hab gedacht ich dreh durch. Als ich mir das Unglück ansah, war ich fassungslos. Alles weiße Farbe überall. Die Truppe reinigte alles, wirklich alles und ich muss euch sagen, als ich die Rechnung bekam, musste ich wirklich weniger bezahlen als was vereinbart war.
Eigentlich konnte ich wirklich von Glück reden, dass ich solch einen Trupp gefunden hatte. Klar, es war nervenaufreibend aber letztendlich haben sie mir geholfen. Ich war einfach dankbar.
So waren wir dann hier, in unserem neuen Zuhause. Es war noch soviel zu tun. Ich hatte aber Gott sei Dank unsere Nachbarn und eine damalige Freundin und ihren Mann, die mir die Schränke aufstellten und mir mit halfen, alles einzurichten. Dirk konnte zu der Zeit nicht mal eine Gardinenstange anbringen. Mein Schatz, der immer so handwerklich super klasse war. Es ging einfach nicht. Er war krank, wirklich krank.
Unser jüngster Sohn zog ja zuerst mit ein bis zum Beginn des Studiums. Er hatte auch zu verdauen. Er kam schlecht klar, mit der Situation, dem Umzug und der Krankheit seines Vaters.
Er fuhr am letzten Tag des Umzuges in das alte Haus, hat dort noch einmal gebaden in unserem schicken Bad und nahm für sich Abschied. Es hat mir das Herz zerrissen, ihn so zu sehen, wie auch er litt. Er ist auch sehr sensibel aber er unterstützte uns auch.
So begann unser neues Leben in unserem neuen gemieteten Häuschen.
Zumindest war dieser schwere Teil beendet. Am 1.3.2013 gaben wir die Schlüssel endgültig den neuen Eigentümern in die Hände.
Es war vorbei.

Ich schreibe heute nicht in meinem Rückblick weiter, nein, ich möchte heute über das Erlebnis schreiben, was ich hatte. Nicht weil ich jammern möchte, sondern weil ich meine Angst wegschreiben möchte.

Dirk fiel Anfang November in eine Depression. Vielleicht war es die Krankheit, vielleicht war es die dunkle Jahreszeit. Aufmerksam wurde ich, dass Dirk abends auf der Couch saß und sich nicht gerade halten konnte und auch nachmittags konnte er plötzlich beim Spaziergang nicht mehr die Beine nicht mehr richtig vom Fußboden bekommen.

Er war auch so traurig und vor allem morgens wenn er in mein Gesicht schaute, war da kein Lächeln.

Dirk seine Krankengymnastin ist auch mit mir befreundet und sie war es die mich fragte, “Sag mal, kann es sein, dass Dirk depressiv ist?” Ich war überrascht aber es machte mich nachdenklich. Es wäre eine Erklärung für den Zustand, indem er sich befindet. Auch meine Nachbarin, mit ihr gehe ich öfter mal spazieren, fragte, ob es Dirk schlechter geht. Es blieb also nicht verborgen und ich bildete mir das auch nicht ein. Ich schrieb Dirk seiner Neurologin eine E-Mail indem ich ihr den Sachverhalt schilderte. Ich machte mir solche Sorgen, Sie rief mich auch gleich auf dem Handy an und sagte , es könne gut sein, dass er in eine Depression rutscht. Nicht ungewöhnlich bei dem Krankheitsbild und der dunklen Jahreszeit. Sie verschrieb ihm ein Depressivum, was eigentlich gut verträglich ist und ein Präparat ist, was wenig Nebenwirkungen hat.

Wir sollten langsam anfangen. So begannen wir mir einer 1/2 Tablette jeden 2. Tag. Es dauerte nicht lange und er wurde gelöster und das Gesicht hellte sich auf. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Last von mir abfiel. Er holte mich sogar einmal von Arbeit ab, weil er Weihnachtseinkäufe gemacht hatte. Wann war das denn das letzte Mal, wann er mich spontan abgeholt hatte. Meine Kolleginnen sagten, guck mal, da ist dein Mann. Jaja, hab ich gesagt, bis ich ihn wahrnahm. Unfassbar. Ich freute mich so sehr.

Er sollte die Dosis wochenweise erhöhen bis auf eine Tablette. Dirk sagte noch, ist nicht 1 Tablette zuviel? Wollen wir es nicht bei einer 1/2 Tbl belassen? Ich sagte ihm, “lass uns die Dosierung so machen, wie deine Neurologin es festgelegt hat”. Er sollte recht behalten.

Dann ging es plötzlich nach Weihnachten los. Dirk hatte mehr Zittern als sonst und er war morgens so unbeweglich. Was denn jetzt? Naja, das Wetter schwankte ja auch, nur grau in grau, viel Wind und sogar Sturm und Regen. Nicht gerade fördernd für ihn. Das wird schon wieder.

Kurz vor Silvester merkte ich dann, dass Dirk wieder öfters wegnickte , obwohl er immer Mittags schlief. Darauf achte ich sehr, dass er seine Ruhe bekommt. Silvester war auch noch okay, bis auf noch stärkeres Zittern des Armes. Naja, es stand ja auch im Beipackzettel. Neujahr ruhten wir total aus, es war so ein Sturm draußen und wir machten zwar unseren Spaziergang aber sonst war Andante.

Am Tag nach Neujahr ging es morgens los, Dirk kam schwer hoch und er saß auf dem Bett und sagte, zieh mich mal hoch. Ich stutzte, hä, was ist denn jetzt. Dirk verlangte sonst nie Hilfe. Ich ging dann morgens mit Canis seine Runde. Als ich nach Hause kam, Dirk macht immer Frühstück, war nichts fertig, er versuchte den Geschirrspüler auszuräumen, was ihm aber nicht gelang. Er hielt sich am Küchentisch fest und versuchte es zu verbergen, dass er nicht von der Stelle kam und er zitternde Beine hat. Ich tat, als würde ich es nicht merken und machte Canis sein Futter und deckte den Tisch. Nach dem Frühstück schickte ich Dirk einkaufen. Ich wollte, dass er in Bewegung kam. Es tat mir weh zu sehen, wie schwer er es hatte vom Fleck weg zu kommen aber das Einzige, was dann hilft, ist ihn in Bewegung zu halten.

Es dauerte zwar lange aber er kaufte alles ein und es kam etwas Schwung in ihn rein. Nach dem Mittag ruhte er und ich hatte den Eindruck, am Nachmittag ging es ihm besser. Ich musste dann zum Nachtdienst und als ich von der Schicht wieder kam, empfing er mich gut gelaunt und eigentlich ohne Zittern.

Heute Morgen, dann das Schlimme. Er versuchte aus dem Bett aufzustehen und mühte sich so sehr. Ich tat als schlief ich, damit er nicht bemerken konnte, dass ich es sah. Dann ging er ins Bad und er kam und kam nicht wieder. Ich rief ihn und fragte, “Alles in Ordnung Zwergl?”” Ich komm nicht mehr hoch” war die Antwort. Ich bin dann sofort ins Bad und fasste ihn unter und führte ihn ins Schlafzimmer. Seine Beine zitterten. Er sagte, “ich weiß nicht, so schlimm war es noch nie. Ich glaube, es liegt an dem Citalopram”. Nun hatte er erst seine Morgendosis an den gängigen Medikamenten eingenommen aber er hatte vollkommen recht, so schlimm war es noch nie.

Ich rief gleich die Neurologin an und fragte sie um Rat. Sie wollte erst die Tabletten sofort absetzen aber widerrief das auch gleich wieder. Denn auch wenn es nur 6 Wochen Einnahme waren, Citalopram darf man nur ausschleichend absetzen.

Wir einigten uns, die Dosis erstmal zu reduzieren und am Wochenanfang nochmal Kontakt zu haben, falls es nicht schlimmer wird.

Ich sagte zu Dirk, du nimmst die Tabletten jetzt immer nachmittags. Ich versprach mir folgendes davon: Zum Einen hatten dann die normalen Medikamente die Chance zu wirken und zum Anderen konnten dann die Nebenwirkungen des Citalopram besser verarbeitet werden von seinem Körper, da es ihm am Nachmittag immer besser ging als am Morgen.

Nach dem Gespräch mit der Neurologin am Morgen ging ich erstmal mit Canis spazieren. Dort musste ich so weinen. Es war einfach wieder so schlimm und es machte mir so Angst, was in der Früh passiert ist. Es brach aus mir so heraus aber ich konnte weinen, es war niemand da, der mich hören konnte aber es war doch jemand bei mir, mein allerbester Freund, mein Canis. Er war und er ist immer so lieb und er merkt in solchen Situationen, wie schlecht es mir geht und er hört dann ganz besonders gut. Er behält mich dann immer in seinem Blick und kommt dann oft zum streicheln, wo er mir dann seinen Kopf entgegen reckt und lächelt, als wollte er mir sagen, mach dir keine Sorgen, ich bin da, es kann nichts passieren.

Meistens hab ich dann mein Handy dabei und auch an diesem Tag. Ich schüttete dann meinen Freundinnen Moni und Ramona mein Herz aus, die sich schon Sorgen machten, weil ich mich länger nicht gemeldet hatte. Es ist komisch oder? Aber die Beiden sind dann irgendwie da, als würden sie das spüren. Denn wir wohnen ja weit auseinander und jeder hat so seinen Alltag. Es war mir, als würden sie spüren, dass es mir schlecht ging.

Nach dem langen Spaziergang ging es mir besser und ich frühstückte mit Dirk und danach packte ich ihn ins Auto und fuhr mit ihm ins Schwimmbad. Eine super Idee. Denn durch das Wasser, entkrampfte sich seine Muskulatur und das schwimmen regte seinen Körper an.

Mittags ging es ihm dann endlich besser und nach seinem Schläfchen wollte er sogar mit zum Spaziergang. Ich atmete auf aber auch mein Dirk. Denn auch er hatte Angst. Er merkt es ja auch und auch er hat Angst. Aber er ist so dankbar und so lieb zu mir. Das gibt mir immer wieder Auftrieb.

Ich hoffe, der nächste Morgen wird besser und wir können wieder aufatmen.

Ich werde euch erzählen wie es weiter geht.

Danke, dass ihr mir immer Mut gemacht habt zu schreiben, denn das macht mir Mut, Euch in mein Leben zu lassen und ich hole mir damit neue Kraft.

Heute sind wir mal wieder in der Gegenwart.
Heute war Neurologentermin in Braunschweig.

Es war doch ziemlich turbulent mit Dirk in der letzten Zeit.
Im November die Depression, das Versagen der Beine und das Aufflammen des Tremors.

Okay, wir haben die zeitlichen Einnahmen der Medikamente so umgestellt, dass er die Nachtpause nicht so lang hat, jedoch durch die Winterkälte und das Achterbahnfahren des Wetters, schlägt es immer wieder um. Die Vormittage sind manchmal sehr anstrengend für Dirk und erst am Nachmittag geht es ihm gut.

Seine Neurologin sah sofort, dass es ihm schlechter ging, sei es das Gangbild, sei es das Zittern (Tremor). Dirk bestätigte Das sofort. Die Überlegung ging dann in Richtung, das Citalopram wieder abzusetzen. Alternative? Jaaa, ein Medikament, es klang plötzlich sehr vorsichtig von ihr, das nicht so in die Dopaminantagonisten eingreift aber!!! müde macht. Mhh, ein stimmungsfreudiger müder Mann, wie geht das, wie soll das sein? Ich sagte ihr, dass ich nicht glaube, dass dies das Richtige für ihn ist. Dann kam Dirk zum Zuge. Er wollte seit langem, dass das Sifrol niedriger dosiert wird. Er hatte das Gefühl, dass es ihm überhaupt nicht bekommt, nicht in der hohen Dosierung.
Die Ärztin war einverstanden aber man merkte ihr an, dass sie ambulant an ihre Grenzen kam.
Wir beratschlagten wie wir weiter vorgehen in den Gaben und dann fragte ich sie zum Schluss, was sie davon halten würde, Dirk doch noch einmal in einer Klinik vorzustellen und welche sie vorschlagen würde. Ich fügte noch hinzu, dass ich aber nicht an die Parkinsonklinik in Kassel denke, da ich damals das Gefühl hatte, sie kommen nicht weiter und ihn ja nach Frankfurt geschickt haben, was völlig daneben ging.
Sie sagte mir, dass sie da völlig bei mir ist und wirklich eine stationäre Behandlung vorschlägt , sie empfahl uns die Parkinsonklinik in Beelitz. Sie kennt wohl auch den Leitenden Professor dort und konnte nur Gutes berichten. Ich solle mir die Klinik auf der Homepage anschauen und wir sollen gemeinsam überlegen.

Wir gingen nach dem Gespräch mit der Ärztin auf die wunderschöne Hundewiese in Braunschweig. Während Canis über die Wiese tobte, redeten wir. Dirk war sehr dafür, die Möglichkeit mit der Klinik auszuprobieren. Welche Möglichkeiten hatten wir denn, Keine, also.
Auf der Rückfahrt schaute ich auf die Homepage und las die Klinikbewertungen. Das hörte sich alles top an. Ein Mann, der auch an MSA erkrankt war , schrieb: Gesund werde ich nie mehr aber ich hatte ein halbes Jahr wieder Lebensqualität nach dem Klinikaufenthalt.
Ich las Dirk alles vor.
So haben wir entschieden. Er wir ihn gehen, den Weg nach Beelitz in die Parkinsonklinik.
Ich bin wieder voller Zuversicht. Es wird ihm gut tun und ihm besser gehen.
Ich kann ihn ja auch besuchen, es ist ja nicht unendlich weit. 2 1/2 Stunden mit dem Auto. Canis wird sich freuen, mal wieder verreisen. Komischerweise fährt er im Moment super gerne Auto. Pfft, hat er früher nie so gemocht.
Jetzt werden wir erst einmal das Sifrol reduzieren und in 3 Wochen werden wir mit unserer Ärztin Beelitz anpeilen.
Wir werden es schaffen, ein Weg ist aufgetan und ich bzw. wir sind so gespannt wo er uns hinführt aber ich bin mir sicher, er führt bergauf!

Katrin

Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.