Mein Leben mit Mister Parkinson (13)

Ich schreibe heute nicht in meinem Rückblick weiter, nein, ich möchte heute über das Erlebnis schreiben, was ich hatte. Nicht weil ich jammern möchte, sondern weil ich meine Angst wegschreiben möchte.

Dirk fiel Anfang November in eine Depression. Vielleicht war es die Krankheit, vielleicht war es die dunkle Jahreszeit. Aufmerksam wurde ich, dass Dirk abends auf der Couch saß und sich nicht gerade halten konnte und auch nachmittags konnte er plötzlich beim Spaziergang nicht mehr die Beine nicht mehr richtig vom Fußboden bekommen.

Er war auch so traurig und vor allem morgens wenn er in mein Gesicht schaute, war da kein Lächeln.

Dirk seine Krankengymnastin ist auch mit mir befreundet und sie war es die mich fragte, “Sag mal, kann es sein, dass Dirk depressiv ist?” Ich war überrascht aber es machte mich nachdenklich. Es wäre eine Erklärung für den Zustand, indem er sich befindet. Auch meine Nachbarin, mit ihr gehe ich öfter mal spazieren, fragte, ob es Dirk schlechter geht. Es blieb also nicht verborgen und ich bildete mir das auch nicht ein. Ich schrieb Dirk seiner Neurologin eine E-Mail indem ich ihr den Sachverhalt schilderte. Ich machte mir solche Sorgen, Sie rief mich auch gleich auf dem Handy an und sagte , es könne gut sein, dass er in eine Depression rutscht. Nicht ungewöhnlich bei dem Krankheitsbild und der dunklen Jahreszeit. Sie verschrieb ihm ein Depressivum, was eigentlich gut verträglich ist und ein Präparat ist, was wenig Nebenwirkungen hat.

Wir sollten langsam anfangen. So begannen wir mir einer 1/2 Tablette jeden 2. Tag. Es dauerte nicht lange und er wurde gelöster und das Gesicht hellte sich auf. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Last von mir abfiel. Er holte mich sogar einmal von Arbeit ab, weil er Weihnachtseinkäufe gemacht hatte. Wann war das denn das letzte Mal, wann er mich spontan abgeholt hatte. Meine Kolleginnen sagten, guck mal, da ist dein Mann. Jaja, hab ich gesagt, bis ich ihn wahrnahm. Unfassbar. Ich freute mich so sehr.

Er sollte die Dosis wochenweise erhöhen bis auf eine Tablette. Dirk sagte noch, ist nicht 1 Tablette zuviel? Wollen wir es nicht bei einer 1/2 Tbl belassen? Ich sagte ihm, “lass uns die Dosierung so machen, wie deine Neurologin es festgelegt hat”. Er sollte recht behalten.

Dann ging es plötzlich nach Weihnachten los. Dirk hatte mehr Zittern als sonst und er war morgens so unbeweglich. Was denn jetzt? Naja, das Wetter schwankte ja auch, nur grau in grau, viel Wind und sogar Sturm und Regen. Nicht gerade fördernd für ihn. Das wird schon wieder.

Kurz vor Silvester merkte ich dann, dass Dirk wieder öfters wegnickte , obwohl er immer Mittags schlief. Darauf achte ich sehr, dass er seine Ruhe bekommt. Silvester war auch noch okay, bis auf noch stärkeres Zittern des Armes. Naja, es stand ja auch im Beipackzettel. Neujahr ruhten wir total aus, es war so ein Sturm draußen und wir machten zwar unseren Spaziergang aber sonst war Andante.

Am Tag nach Neujahr ging es morgens los, Dirk kam schwer hoch und er saß auf dem Bett und sagte, zieh mich mal hoch. Ich stutzte, hä, was ist denn jetzt. Dirk verlangte sonst nie Hilfe. Ich ging dann morgens mit Canis seine Runde. Als ich nach Hause kam, Dirk macht immer Frühstück, war nichts fertig, er versuchte den Geschirrspüler auszuräumen, was ihm aber nicht gelang. Er hielt sich am Küchentisch fest und versuchte es zu verbergen, dass er nicht von der Stelle kam und er zitternde Beine hat. Ich tat, als würde ich es nicht merken und machte Canis sein Futter und deckte den Tisch. Nach dem Frühstück schickte ich Dirk einkaufen. Ich wollte, dass er in Bewegung kam. Es tat mir weh zu sehen, wie schwer er es hatte vom Fleck weg zu kommen aber das Einzige, was dann hilft, ist ihn in Bewegung zu halten.

Es dauerte zwar lange aber er kaufte alles ein und es kam etwas Schwung in ihn rein. Nach dem Mittag ruhte er und ich hatte den Eindruck, am Nachmittag ging es ihm besser. Ich musste dann zum Nachtdienst und als ich von der Schicht wieder kam, empfing er mich gut gelaunt und eigentlich ohne Zittern.

Heute Morgen, dann das Schlimme. Er versuchte aus dem Bett aufzustehen und mühte sich so sehr. Ich tat als schlief ich, damit er nicht bemerken konnte, dass ich es sah. Dann ging er ins Bad und er kam und kam nicht wieder. Ich rief ihn und fragte, “Alles in Ordnung Zwergl?”” Ich komm nicht mehr hoch” war die Antwort. Ich bin dann sofort ins Bad und fasste ihn unter und führte ihn ins Schlafzimmer. Seine Beine zitterten. Er sagte, “ich weiß nicht, so schlimm war es noch nie. Ich glaube, es liegt an dem Citalopram”. Nun hatte er erst seine Morgendosis an den gängigen Medikamenten eingenommen aber er hatte vollkommen recht, so schlimm war es noch nie.

Ich rief gleich die Neurologin an und fragte sie um Rat. Sie wollte erst die Tabletten sofort absetzen aber widerrief das auch gleich wieder. Denn auch wenn es nur 6 Wochen Einnahme waren, Citalopram darf man nur ausschleichend absetzen.

Wir einigten uns, die Dosis erstmal zu reduzieren und am Wochenanfang nochmal Kontakt zu haben, falls es nicht schlimmer wird.

Ich sagte zu Dirk, du nimmst die Tabletten jetzt immer nachmittags. Ich versprach mir folgendes davon: Zum Einen hatten dann die normalen Medikamente die Chance zu wirken und zum Anderen konnten dann die Nebenwirkungen des Citalopram besser verarbeitet werden von seinem Körper, da es ihm am Nachmittag immer besser ging als am Morgen.

Nach dem Gespräch mit der Neurologin am Morgen ging ich erstmal mit Canis spazieren. Dort musste ich so weinen. Es war einfach wieder so schlimm und es machte mir so Angst, was in der Früh passiert ist. Es brach aus mir so heraus aber ich konnte weinen, es war niemand da, der mich hören konnte aber es war doch jemand bei mir, mein allerbester Freund, mein Canis. Er war und er ist immer so lieb und er merkt in solchen Situationen, wie schlecht es mir geht und er hört dann ganz besonders gut. Er behält mich dann immer in seinem Blick und kommt dann oft zum streicheln, wo er mir dann seinen Kopf entgegen reckt und lächelt, als wollte er mir sagen, mach dir keine Sorgen, ich bin da, es kann nichts passieren.

Meistens hab ich dann mein Handy dabei und auch an diesem Tag. Ich schüttete dann meinen Freundinnen Moni und Ramona mein Herz aus, die sich schon Sorgen machten, weil ich mich länger nicht gemeldet hatte. Es ist komisch oder? Aber die Beiden sind dann irgendwie da, als würden sie das spüren. Denn wir wohnen ja weit auseinander und jeder hat so seinen Alltag. Es war mir, als würden sie spüren, dass es mir schlecht ging.

Nach dem langen Spaziergang ging es mir besser und ich frühstückte mit Dirk und danach packte ich ihn ins Auto und fuhr mit ihm ins Schwimmbad. Eine super Idee. Denn durch das Wasser, entkrampfte sich seine Muskulatur und das schwimmen regte seinen Körper an.

Mittags ging es ihm dann endlich besser und nach seinem Schläfchen wollte er sogar mit zum Spaziergang. Ich atmete auf aber auch mein Dirk. Denn auch er hatte Angst. Er merkt es ja auch und auch er hat Angst. Aber er ist so dankbar und so lieb zu mir. Das gibt mir immer wieder Auftrieb.

Ich hoffe, der nächste Morgen wird besser und wir können wieder aufatmen.

Ich werde euch erzählen wie es weiter geht.

Danke, dass ihr mir immer Mut gemacht habt zu schreiben, denn das macht mir Mut, Euch in mein Leben zu lassen und ich hole mir damit neue Kraft.

Katrin