Mein Leben mit Mister Parkinson (10)

Ja, ich schreibe schon wieder und wisst ihr warum? Ich bin heute von einer lieben Bekannten angesprochen worden, wie toll sie meinen Blog findet und sie so gern mit liest. Ich habe sie gefragt, komme ich auch nicht als Jammertante rüber? Nein, überhaupt nicht, es wäre so real. Völlig beflügelt und voller Ideen, wie ich jetzt weiter schreibe, haben Lust darauf gemacht, heute mit meiner Geschichte weiterzuschreiben.

Ja, wie mach ich weiter. Also, ich habe ja im September in der Dialyse angefangen zu arbeiten. Es war nicht einfach aber ich habe schnell einen guten Draht zu dem Team bekommen und ich lernte die Patienten schnell kennen. Das waren natürlich schwer kranke Menschen aber! es waren auch Menschen, die genauso wie wir mit Ihren Gefühlen, Wünschen und Sorgen lebten, wie wir auch.

Ich fand das einfach schön, sie jeden 2. Tag wieder zu sehen. Ich zerrte davon, mich auf Arbeit zu unterhalten, sie zu betreuen und ich bekam soviel zurück. Zu Manchen baute ich da ein Vertrauensverhältnis auf, was mir gut tat und ich textete meinen Dirk zu Hause damit zu. Der wusste zwar nicht, Wer, Wer ist aber er hörte gern zu, lachte mit mir über witzige Dinge und war mit mir traurig, wenn es eben manchmal jemanden von den Patienten schlecht ging oder gar uns verließ.

Er lernte meine Kollegen vom Namen her kennen und ich baute auch zu einigen Kollegen ein Vertrauensverhältnis auf. Manchmal musste ich auch mal reden und bei einer Kollegin tat ich das ein bisschen mehr. Ihr erzählt ich meine Geschichte und auch das wir ein Haus haben und 1 Kind noch da war, 2 waren bereits ausgezogen.

Da sagte sie mir einen Satz” Warum müsst ihr ein Haus haben, wenn ihr du dich dafür so abrackern musst. Viele Berufsjahre, 3 Kinder , Vollzeit und der Mann krank mit Rente.”

Ich schaute sie an wie ein Auto und sagte, das Haus hat Dirk mit seinen eigenen Händen gebaut und wir freuen uns Haus und Garten zu haben. Naja, antwortete sie, aber Dirk wird doch nicht gesünder, wer macht den Garten, wie bezahlt man Reparaturen? Denk doch mal an Dich.

Ich hab sie damals nicht verstanden aber der Satz gravierte sich in meinem Hirn ein, wie in einen Grabstein. Ich wusste noch nicht, wie real er werden würde.

Im Sommer fuhren wir das 1.Mal nach Usedom. Wir mieteten uns ein Ferienhaus am Stettiner Haff, ich hatte die Adresse in einer Hundezeitschrift entdeckt. Es war ein unglaublich schöner Urlaub, diese Natur, der Canis hatte Spaß und wir fühlten uns so wohl, weit weg, von unseren Problemen.

Von da ab verloren wir unser Herz an diese Insel und bis zur heutigen Zeit fahren wir jedes Jahr dorthin aber anders. Wie? Das erzähle ich viel später.

Wieder zu Hause holten uns die Sorgen wieder ein. Das Haus!!! Können wir es halten? Ich rechnete hin und ich rechnete her. Dirk wusste auch nicht so recht eine Antwort. In mir stieg jeden Tag ein bisschen mehr die Angst hoch. Sollte man es doch verkaufen? Wir hätten keine finanzielle Kette mehr und der Garten, diese riesen Hecke, wer sollte die scheren. Die Kinder? Die hatten ihre eigenen Vorstellungen und Max unser Jüngster, hatte klare Vorstellungen. Maschinenbau wollte er studieren in Hannover und dann auch dahin ziehen. Meine Ältesten wohnten schon da. Sollte ich ihnen ein schlechtes Gewissen machen, indem ich ihnen erzählte, wie es finanziell aussah? Nein, ich wollte, dass sie ihren Weg gehen, sie waren gesund, jung und voller Tatkraft. Da werde ich sie wohl zurück halten? Niemals. Max , unser Jüngster spürte aber das ich irgendetwas vorhatte. Erst beruhigte ich ihn aber dann erzählte ich ihm, von meinen Gedanken.

Dann ging bei uns auch noch die Heizung kaputt. Der Monteur gehörte fast mit zur Familie, so oft war der da. Leider kam die blanke Wahrheit ans Licht, wir brauchten einen neuen Kessel. Der kostete Geld, viel Geld, was wir nicht hatten.

Ich ging sehr oft spazieren, mit Canis, führte Selbstgespräche und diese Überlegungen führten zu der Erkenntnis: Wir müssen verkaufen, bevor es zu spät ist, wir müssen unser Haus verkaufen, es geht nicht anders.

Ich weiß es noch wie heute, es war ein wunderschöner warmer Spätsommertag, ich kam mit Canis von so einem Spaziergang nach Hause und Dirk stand auf der Terrasse. Ich sagte, Zwergl, ich muss mit dir reden, lass uns unter den Pavillon setzen und reden.

Ich sprach von meiner Erkenntnis, ich redete und redete und Dirk saß vor mir und hörte zu und fragte dann. Meinst du wirklich, wir müssen verkaufen? Ja, sagte ich, bevor wir Verluste machen, bevor wir rausgepfändet werden, klar es dauert noch aber mach die Augen auf, nicht zu. Noch müssen wir nicht gleich aber irgendwann und das wird nicht mehr lange dauern müssen wir und dann können wir nicht mehr wählen, an Wen und Wann.

Wir saßen da und weinten, wir weinten bitterlich, mitten am helllichten Tag und wir lagen uns in den Armen und trösteten uns. Dirk wurde es jetzt bewusst, ich hatte recht.

Dirk fragte, wie wollen wir das denn machen? Ich sagte, ich habe da schon so eine Idee.

Ich hatte mir 2 Makler ausgeschaut. Der Eine war ein älterer Herr, war Immobilienmakler im Ruhestand und arbeitete noch nebenbei bei einer Firma und die Anderen waren , es stimmte wirklich knallhart und nur auf Gewinn aus.

Ich habe in den Gesprächen mit Beiden, immer gleich , wir müssen nicht verkaufen aber wir wollen UND wir suchen aus, wer hier einzieht. Bisschen weit aus dem Fenster gelehnt Katrin aber so hielt ich mir die Preisdrücker vom Laib.

Den Zuschlag für den Makler erhielt der ältere Herr. Ich hatte Vertrauen zu ihm und er sagte damals, ich werde alles tun, dass sie gut verkaufen, schließlich war es doch noch zu sehr belasten und ich wollte trotzdem noch Geld mitnehmen und nicht +-Null rausgehen. Er versicherte mir, dass mein Wunsch in Erfüllung geht.

Dirk war ziemlich in sich zusammengesunken, keine Wunder, das war sein Haus, er hatte es gebaut und geplant, es sollte unsere Altersversicherung sein. Tja aber das ging nicht mehr, er hatte zu wenig Rente, obwohl er so lange gearbeitet hatte.

Noch war ich voller Tatendrang, sagte mir, was sollen wir mit dem Haus und immer und immer wieder hörte ich die Worte meiner Kollegin. Das Haus ist eine Sache, ihr müsst leben.

Jaaa, stimmt und deswegen ist der Weg richtig.

Ich weiß noch genau, wie diese Herren von der Super-Maklerfirma durch die Tür kamen und mir erstmal ihre Bedingungen eröffneten. Ich blieb ganz ruhig und zeigte ihnen erstmal Grundstück und Haus und blieb cool. Ich sagte ihnen, dass ich überhaupt nicht gezwungen bin, zu verkaufen, ich aber auf lange Sicht plane. Da schlugen sie um in Interesse, machten Angebote und ließen mir nacheinander ihre Visitenkarten da. Ich hatte längst meine Entscheidung getroffen, die auf keinen Fall. Lieber verkaufe ich gar nicht. Mein Favorit stand fest, der alte Herr, der so lieb und überhaupt nicht wie ein Makler rüber kam. Er wollte nicht mal eine Maklerprovision von uns , auch nicht zur Hälfte. Diese Halsabschneider vorher, wollten schon mal 20 % vom Kaufpreis. Ich glaub, ich spinne.

So ging es los. Der Makler, der eigentlich gar keiner war, weil er so mitfühlend war und so nett. Eigentlich hab ich erst später begriffen, als alles über die Bühne war, das er wahrscheinlich gewusst hatte, warum wir verkaufen mussten.

Es wurden Fotos gemacht, Baupläne und alles vom Haus musste gescannt und übermittelt werden.

Dann kam eigentlich Das, was am Schlimmsten war. Es kamen die ersten Interessenten und wir mussten alles in einen Zustand bringen, als wäre es ein Musterhaus, alles persönliche weg und WIR AUCH. Das war so demütigend. Während da fremde Menschen in unserem Haus rumwanderten, mussten wir spazieren gehen. Es war mir, als würde ich fremd gehen. Furchtbar.

Wir liefen draußen rum, bis die Zeit vorbei war und dann musste ich erstmal lüften. Raus mit den fremden Gerüchen.

Dann kam, was ich auch schon erwartet hatte, die Interessenten hatten alle vor den Preis zu drücken aber nicht nur der Makler sonder auch wir wussten, Nein, nur mit Gewinn sonst nichts.

Es wurde Oktober. Ich hatte euch ja in dem Blog vorher geschrieben, dass wir eine Kreuzfahrt machen wollten. Sie war auf Last Minute und nicht so teuer aber eigentlich wirklich notwendig? Egal, wir brauchten was für unsere geschundene Seele. So buchten wir und freuten uns drauf. Max erklärte sich bereit, falls sich neue Interessenten melden, dass gemeinsam mit unserem netten Makler zu managen. Dan fiel auch noch die Heizung wieder aus. Oh nein, das auch noch. Die Leute können doch nicht in kalten Räumen durchgehen. Der Monteur konnte erst nach unserer Reise aber er zeigte uns einen Trick, wie wir diese olle Heizung immer wieder in Gang bringen. Nach dem Urlaub kamen wir nicht umhin einen neuen Brenner zu installieren. Ja okay, es musste sein,schließlich musste das Haus intakt weg.

Aber erst die Reise. Am 11.10.2012 ging es los mit der AIDA zur 7 tägigen Kanarenreise.

Eine Reise, die leider nicht so wurde wie erwartet.

Ach jaaaa, ich hab noch etwas ganz Wichtiges nicht erzählt.

Canis!!! Wohin mit Canis, wenn wir auf reisen sind. Max ging zur Berufsschule und war den ganzen Tag weg. Zu Ramona???, so weit weg. Mir fielen Moni und Micha ein, wisst ihr noch? Das Pärchen aus Schweinfurt , mit den beiden hatten wir uns etwas angefreundet und sie erklärten sich bereit Canis für 14 Tage zu sich zu nehmen. Denn sie wollten in Hannover ausstellen und dann bringen sie ihn uns gleich mit. So brachten wir Canis vor unserer Abreise zu Moni uns Micha. Es tat mir weh, ihn dort zu lassen aber er hatte Spaß mit Vito, dass machte es die Sache leichter aber ich hatte da schon Sehnsucht. Am liebsten hätte ich alles rückgängig gemacht aber es musste sein, Dirk musste raus von zu Hause, er sollte wieder durchatmen , Hoffnung schöpfen und Kräfte sammeln für den allerletzten Schritt, den Verkauf und den Neuanfang. Neuanfang, ja wo eigentlich? Egal, darum kümmern wir uns, wenn wir wieder zurück sind. Noch hatten wir nicht mal einen Käufer.

Es ging los, wir freuten uns riesig auf diese Woche, endlich mal durchatmen, Kräfte sammeln und dann würde bestimmt endlich ein Licht am Ende des Tunnels aufflackern.

Katrin