Marathon und Parkinson (Teil 1/2)

Der lange Weg zum Ziel – Frankfurt/Main-Marathon 2006

….und noch einmal stand ich wieder an der Startlinie. Was ich zu Beginn meiner Krankheit nie geglaubt habe, ist wahr geworden, ich laufe nach elf Jahren immer noch einen Marathon. Ich weiß, jeder kann der Letzte für mich sein, aber bis es soweit ist, werde ich weiter laufen.

Ich stehe und warte auf den Startschuss. Ralf darf mich mit dem Fahrrad begleiten ab KM 10. Wir haben die offizielle Erlaubnis des Veranstalters bekommen, da Fahrräder sonst auf der Strecke verboten sind…

Gedanken gehen mir durch den Kopf. Hast Du genug trainiert ? Nein, eigentlich war es zu wenig. Hoffentlich bekomme ich genug Luft durch das Malheur mit dem eingeklemmten Nerv, wie weit komme ich überhaupt heute, werde ich ankommen?

Der Startschuss erfolgte pünktlich um 11.00 Uhr. Mehr als 10.000 Läufer machten sich auf den Weg und ich brauchte alleine acht Minuten, bis ich die Startlinie überquert hatte. Die Stimmung war super, wir klatschten und sangen am Anfang alle mit.

Gleich zum Anfang führte uns der Kurs durch die engen Schluchten von Mainhattan. Bei KM 2 sah ich schon meine Schwägerin stehen und rufen. Weiter ging es durch Mainhattan und die Sonne kam, es wurde warm. Ich zog meine Jacke aus und warf sie meinem Schwager, der bei KM 6 stand, zu. Die war ich los.

Nun ging es immer besser. Nach einem regelrechten Zickzackkurs zwischen den Wolkenkratzern überquerten wir beim zwölften Kilometer den Main. Nach einem turbulenten ersten Drittel, bei denen wir von Bands, Trommlern und Zuschauern angefeuert wurden, sackte auf den nächsten Kilometern die Stimmung merklich ab. Dies ist wohl auch auf die Stadtteile zurückzuführen, durch die die Strecke führte – im ersten Teil konnten die Zuschauer mit nur wenigen Schritten an mehreren Streckenabschnitten sein – hier hingegen waren sehr viele Straßen gesperrt worden. Aber da Ralf inzwischen mit dem Rad dabei war, machte es mir gar nichts aus.

Ich fing an zu überlegen, wie lange kann ich noch so gut laufen? Kilometer um Kilometer ging vorbei. Einige Bekannte und auch Leute aus meiner Gruppe standen ab und zu unterwegs am Straßenrand. Das war eine Freude, sie zu sehen!

Ich lief immer noch gleichmäßig meinen Schnitt, den Nerv merkte ich minimal. Was war das ? Auf einmal vor mir zwei Frauen. Die kenne ich doch? Und richtig, es waren Sonja und Ute, mit denen ich auch schon immer mal zusammen gelaufen bin. Wir unterhielten uns etwas, dann lief ich langsam vorbei.

Gisi