Manchmal muss man etwas verändern

Vor circa vier Jahren erhielt ich die Diagnose Parkinson. Bumm, man wird an die Wand gestellt und vor einem öffnet sich ein großen Loch.
Dann sagte der Doc, es muss gar nicht schlimmer werden, wir werden Sie einstellen und dann kann es sein, dass es für lange Zeit ganz gut weiter geht. Heute denke ich, er wollte mich nur beruhigen.
Ich habe also auf der Arbeit viel umgestellt, mich gefragt, was ist wichtig und was möchte *ICH*.

Da ist die Arbeit, welche mir immer sehr wichtig gewesen ist und auch heute noch kann ich Kraft für mich dort finden. Aber was ist mit meinen Hobbys? Ich habe einen Garten in einem Gartenverein und ich bin gerne mit dem Rad unterwegs. Aber ganz ehrlich, das alles kostet Kraft. Mein Kleingarten ist schon sehr groß. Immer mehr hatte ich das Gefühl, nicht mehr hinterher zu kommen, ständig von vorn anzufangen. Letztes Jahr ging es dann irgendwie gar nicht mehr. Mir fehlte die Kraft, oft konnte ich mich nicht aufraffen, hin zu fahren, nicht mal, um einfach nur zur Ruhe zu kommen. Und immer die Nachbarn fragen? Nee….

Nun habe ich mich nach 20 Jahren gewunden und aufgegeben. Ich bin nicht glücklich mit der Entscheidung, da ich das nicht alleine entschieden habe. Mein Parkinson hat viel dazu beigesteuert.
Und dann sind da meine Radtouren. Ein gutes Tourenrad, aber auch ein hoher Einstieg. Ich wurde sehr unsicher beim auf- und absteigen.Wenn ich gefahren bin, kein Problem, aber ich muss ja auch rauf und wieder runter. Ich habe nicht gleich gemerkt, dass ich immer weniger unterwegs war.
Aber am Ende des Jahres habe ich in mein Rad-Tagebuch geschaut und es war nicht so prall wie die Jahre zuvor.

Auch dies war nicht MEINE Entscheidung.
Dann fragte mich vor einiger Zeit eine Freundin aus meiner Tanzgruppe, wie ich das auffangen wolle. Ich sagte, ich weiß es nicht. Ich hatte mir bis dato keine Gedanken über ein Hinterher gemacht, schließlich hatte doch der Doc gesagt, es muss sich nicht ändern. Aber es kam anders.

Heute bin ich in einer Tanzgruppe für Parkinsonkranke. Wir machen viele tolle Dinge.
Ich möchte nicht gleich von einem Hobby sprechen, da ich vorher nie wirklich nie getanzt habe, aber es macht Spaß. Supertolle Leute, die ich kennenlernen durfte! Mein Parki hat keine Chance, mir dies zu vermasseln. Und dann habe ich angefangen zu fotografieren. Okay, erst mal nur mit dem Handy, aber die Fotos sind gut und im Netz bekomme ich viele positive Reaktionen.

Und ja, es macht Spaß. Mein Parkinson hat auch hier nur wenig zu melden, außer dass manchmal das Bild verwackelt. Gleich noch mal den Auslöser gedrückt und jep, toll!

Fazit: Es muss ein Rad her, bei dem das Auf- und Absteigen leichter ist, das Handy in die Tasche und los geht’s! Das hört sich nach einen Plan an und mein Parki wird sich mal hinten anstellen müssen.

Gisela