Lieber Tango als Fango

Tango als Therapieform in einer Neurologischen Klinik

Schon seit langem wollte ich Tango mal ausprobieren. Bisher hatte ich leider dazu keine Gelegenheit. Nun aber war es soweit. Ich war gespannt und freute mich auf diese Therapie-Stunde. Keiner der Teilnehmer konnte Tango tanzen und wir wussten alle nicht, was hier auf uns zukam. Einige Teilnehmer waren neugierig und hatten sich bewusst für diese Therapie entschieden. Bei den anderen stand Tango ungewollt auf dem Therapieplan und die Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Wir starteten die Unterrichtsstunde mit einem Aufwärmtraining gehend durch den Raum und diversen Lockerungsübungen zu rhythmischer Musik. Dadurch lernten wir uns außerdem in entspannter und gelöster Atmosphäre kennen. Die Gruppe war buntgemischt – alt und jung, und jeder startete erst alleine, später dann gemeinsam tanzend durch den Saal.

Wir absolvierten diverse Paar-Übungen mit immer wechselnden Partnern. Erstaunlich war dass die Absprache mit dem jeweils „fremden“ Partner in kürzester Zeit reibungslos klappte. Gleichzeitig entdeckten wir neue Tanzformen und Tanzschritte, kamen in Schwingung und fühlten uns wie Teenager bei der Tanzschule. Es war eine herrlich gelöste Atmosphäre.

Unglaublich, was Musik und Rhythmus mit uns machten. Durch den Samba-Rhythmus zu Beginn und den Tango-Klängen kamen wir in eine völlig andere Körperhaltung. Paarweise, Hand in Hand stolzierten wir durch den Saal mit aufrechtem Gang, die Nasenspitzen nach oben, etwas hochnäsig, aber unglaublich selbstbewusst.

Durch Tango wurden alle selbstbewusster. Körpersprache und Mimik waren völlig verändert. Viele die anfangs nach vorne gebeugt und mit einem traurigen, starren Gesicht hereinkamen waren einfach wie verwandelt. Der Tanz gab uns allen Selbstbewusstsein und der Parkinson machte uns nicht mehr klein.

Stilvoll tanzend schritten wir durch den Saal. Jeder machte mit. Auch diejenigen, die eigentlich am Anfang wackelig auf den Beinen waren und nicht sicher waren, ob sie mitmachen können.

Ein älterer Herr, der vorher einen Fango-Packung erhalten hatte brachte es auf den Punkt:

„Lieber Tango als Fango!“ und dabei strahlten seine Augen.

Stephanie

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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