Im Akutkrankenhaus für Psychosomatik

Reha 2018

Reha bedeutet ja Rehabilitation. Wieder ins normale Leben finden.

Mein Leben war 2015 ein paar Monate nach der Diagnose ziemlich durcheinander geraten. Ich befand mich in einer schweren Depression und suchte händeringend nach Hilfe. Im Forum von Jung und Parkinson bekam ich viele Antworten auf die Frage, wo andere in meiner Situation Hilfe gefunden hatten. Unter anderem bekam ich die dringende Empfehlung mich nach Scheidegg im Allgäu in eine Fachklinik zu begeben und dort Hilfe zu suchen. Das ist eine Psychosomatische Klinik und keine Neurologische Klinik. Aber mein eigentliches Problem lag ja auch in der Verarbeitung der Diagnose und meinen seelischen Nöten. Die Erwähnung meiner Parkinson Erkrankung bei der Anmeldung führte zu einer Nachfrage bezüglich meiner körperlichen Einschränkungen (die es ja de facto kaum gab) und einer Aufnahme stand nichts im Wege. Die Klinik ist nicht wirklich auf körperliche Leiden eingestellt. Im Vordergrund steht die Behandlung der seelischen Beschwerden. Leider sind die Wartezeiten für gesetzlich Versicherte sehr lang (ca. 8 -12 Monate). Mitglieder bestimmter Kassen (z.B. DAK) und Zusatzversicherte haben deutlich kürzere Wartezeiten. Wenn man die chefärztlichen Wahlleistungen in Anspruch nimmt, kann man die Wartezeit umgehen (die Kosten dafür liegen bei ca. 50€ am Tag).

Ein Vorteil bei einem Akutkrankenhaus ist auf jeden Fall, dass eine Einweisung des Hausarztes oder Neurologen ausreicht, um einen Aufenthalt zu erwirken und keine großen Anträge gestellt werden müssen. Die Aufenthaltsdauer liegt bei 5 Wochen mit Verlängerung auch 6 Wochen. Gefordert ist ein Diagnoseschlüssel wie Depression, Ängste, Lebenskrise, Burn-out oder Ähnliche. Die Zeit wird gefüllt mit Therapien unterschiedlichster Art: Einzelgesprächen, Gruppentherapien, Tanz/Körpertherapien, Kunsttherapie, Sport jeglicher Art, Meditation und Entspannungstechniken , Vorträgen, Massagen, Wassergymnastik etc.

Mir haben die meisten Therapien geholfen und oft gab es Impulse, z. B. etwas in meinem Leben zu verändern, parallel gleich von mehreren Therapeuten unterschiedlicher Fachrichtungen. Da kommt man dann schon mal ins Nachdenken, ob nicht doch was dran ist. Auch die Patientengemeinschaft trägt ihren Teil zur Rehabilitation bei und spielt eine wichtige Rolle.

Die Unterbringung in Einzelzimmern, die komplette Versorgung mit Essen, die Reinigung der Zimmer, die Abschottung nach außen, auch die nahezu fehlende bzw. schwache Versorgung mit Internet/Telefon, die perfekte wunderschöne Natur, all das ist wohltuend und entlastend. Ich konnte mal ganz auf mich zurückkommen und meinen Körper spüren. Die Reduzierung auf einen selbst, bringt neue Erkenntnisse, die in den Gesprächen mit den sehr engagierten Therapeuten verarbeitet werden können. Voraussetzung ist die Bereitschaft mitzuwirken.

Auch Wiederholungstäter haben eine Chance. Ich war 2015 und 2016 schon einmal dort, um mich zu stärken, um meine negativen Gedanken zu bändigen, um meine Ängste vor der Zukunft zu mindern und um neue Wege mit dem Parkinson zu leben, zu finden. Ich wurde herzlich willkommen geheißen, und beim Abschied hieß es, dass ich wiederkommen dürfe: Welch ein Trost, dieser Gedanke.

Ein psychosomatischer Klinikaufenthalt bedeutet Arbeit mit sich selbst, viel meiner Verzweiflung und Angst ist dabei hochgekommen und nach außen gedrungen. Das ist anstrengend und sehr intensiv. Für mich ist das aber ein unverzichtbarer Aspekt meiner Auseinandersetzung mir der Krankheit. Und im Ergebnis sehr positiv. Ich bin dabei zu lernen, meine Angst als Begleiter zuzulassen, ebenso den Parkinson und kann jetzt schon besser damit umgehen.
Ich konnte gestärkt nach 6 Wochen Aufenthalt wieder nach Hause zurückkehren.

Meine ganz persönlichen Ergebnisse des gerade vergangenen Aufenthaltes:

Ich strebe an:
Stärkung und Ausbau meiner Selbstliebe und Selbstfürsorge
Stärkung und Ausbau der Verbundenheit mit meinen Lieben
Eingeständnis meiner Schwächen und die Bereitschaft, Schwäche auch nach außen zu zeigen
Mehr positives Denken in meinem Leben
Erkenntnis, dass ich mehr mehr Ruhe in meinem Alltag brauche
Ausbau meiner Spiritualität

Ich habe gewonnen:
Erkenntnis meiner Stärken.
Einsichten in die Fremdwahrnehmung meiner Person.
Ein gegenständliches Bild meiner Angst (aus der Körpertherapie).
Einen sicheren Ort in mir.
Ein neues Mantra (bleibt mein Geheimnis)
Körperliches und seelisches Gleichgewicht

Ich bin sicher, dass mir das bei der Bewältigung der Parkinsonerkrankung helfen wird und ich kann einen derartigen Aufenthalt nur weiterempfehlen.

Kornblume

Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.