Ich möchte meine Kraftquellen teilen

Zum einen ist es meine Arbeit. Hört sich vielleicht komisch an. Ich versuch es mal zu erläutern:
Ich war sehr lange (so um die 20 Jahre ) Selbstständig im Einzelhandel. Ich bin in verschiedene Märkte gefahren und habe dort, je nach Auftraggeber, die Ware verräumt, Bestellungen gemacht und mit Abteilungsleiter/innen besprochen was anliegt. Es hat riesen Spaß gemacht. Vor allem wenn man akzeptiert wird und im Verkauf etwas bewegen kann. Es gab nur wenige Personen, vor denen ich mich rechtfertigen musste. —

Dann bekam ich die Diagnose Parkinson :
Einige Vertreter und Marktmitarbeiter hatten ja schon irgendwie mitbekommen, dass etwas los war, zB. wenn ich die Hand nicht ruhig halten konnte, die Stimme sehr viel leiser wurde, usw.  Natürlich konnte ich es IMMER erklären – mit zu viel Arbeit.
Nun geht es allerdings nicht mehr.  Ich bin von Anfang an sehr offen damit umgegangen. Ich habe es den Leuten erklärt und habe dann in echt betroffene Gesichter geschaut. Ich habe aber auch gesagt, ich mache meinen Job wie immer, vielleicht manchmal etwas langsamer. Und dann hörte ich nur: OK, wenn was ist, sag bescheid. Und dann erhielt ich Hilfe und Unterstützung. Jetzt erst merke ich, dass mir alle auch vorher schon geholfen hatten. Aber viel wichtiger war: Niemand – wirklich niemand zweifelte an meiner Leistung. Es war irgendwie fast wie immer.
Heute bin ich noch in diesen Märkten tätig, nur bin ich nicht mehr selbständig, sondern bei einer Agentur angestellt. Und da hab ich auch bescheid gesagt (mit etwas Verzögerung ). Ich hatte ein gutes Gefühl – und dann raus damit. Und auch hier steht meine Leistung an erster Stelle.
Dies ist in der Tat eine meiner Kraftquellen : Ich fühle mich gut bei der Arbeit, weiss was ich mache und werde wie vor der Diagnose behandelt. Es gibt keine mitleidigen Blicke, es gibt so vieles anderes zu besprechen, wenn ich vor Ort bin. Manchmal, aber wirklich nur, wenn gerade jemand dran denkt und es irgendwo eine Frage zu dem Parki gibt, bin ich als ” Fachfrau” gefragt.

Die andere Quelle hat irgendwie mit mir zu tun.

Was???

2011 Hatte ich mich mit dem EHEC- Virus angesteckt. Ich musste ins Krankenhaus und der Doc sagte: “Wenn wir nichts tun, haben Sie noch fünf Stunden zu leben.” Das war mal eine Ansage — mein erster Gedanke war: Was muss ich noch alles arbeitsmäßig erledigen?

Angst .. Panik… Termine…. Hilfe….was nun?

Drei Tage hat es gedauert, bis ich den Satz verstand, es wäre in fünf Stunden vorbei gewesen. Ein Gedanke: Das war´s ? 14 Stunden Arbeit am Tag und jetzt mit 44 Jahren aus und vorbei?

NEE … NEE…. nicht mit mir. Es hat damals fünf Monate gedauert, bis ich schmerzfrei war und wieder mit der Arbeit anfangen konnte. Und eines wurde mir klar, es muss mehr geben als nur Arbeit.

Ich habe dann viele Aufträge abgeben und angefangen zu leben. Hört sich komisch an, aber ich hatte etwas gelernt: Ich habe ein Leben, welches ICH genießen möchte. Es ist nicht leicht gewesen, immer an dieses neue ICH zu denken, manchmal war es auch wieder ganz weg.

Und dann kam der Parkinson… nicht tödlich, aber unheilbar und ich ohne Plan über den Verlauf.

Am Anfang hab ich oft geweint und geflucht. Bis ich merkte es geht um MICH. Wieder hab ich meine Aufträge genommen und vieles, sehr viel geändert. Mir Zeit für mich genommen und mir bewusst gemacht das mir meine Arbeit Spaß macht, sie aber nicht alles ist. Ich habe angefangen in den Urlaub zu fahren. Einfach nur an mich zu denken. Es gibt so viel was ich noch machen möchte.

Heute habe ich durch den Parki viele tolle Menschen kennengelernt. Ich freu mich immer auf den nächsten Tag, das nächste Treffen und bin mit mir zufrieden.
Wir haben eine DVD gedreht, sind auf Veranstaltungen aufgetreten, proben für ein Bühnenauftritt und ich bin Teil von diesem Dopamin Projekt,

und sehr gespannt was noch alles kommt.
Dieses neue Ich gibt mir Kraft:
* für meinen Job, den ich wirklich sehr gern mache.
* und für viele Unternehmungen
* und für Mich……..

Gisela

Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.