Ich komme mit dir, Ella

Liebe Ella,
mir gefällt dein Vorschlag, den Jakobsweg zu gehen.
Leider bin ich schon alt und nicht mehr gut zu Fuß.
Als Kind bin ich bei Kriegsende von dem Ort unserer Flucht nach Hause gelaufen (Schlesien).
Jeden Tag 15 bis 20 Kilometer, oft ohne Essen und Trinken.
Das dauerte zehn Tage und dann kamen wir in einem verwüsteten Heimatort.
Überall standen Panzer, sogar in der Kirche und die Straßen waren vermint.

Es war ein Weg in die Heimat, den ich nie vergessen werde, da viele schreckliche Erlebnisse unsere Begleiter gewesen sind. Nur einen Monat durften wir zu Hause sein, dann wurden wir wie eine Viehherde vertrieben, links und rechts bewaffnete Soldaten.
ES REICHT!

Nun würde ich gern mit dir den Jakobsweg gehen.
Mich an einer schönen Wiese erfreuen, dem Gesang der Vögel lauschen und mit dir ein Lied singen.
So vertreiben wir die Sorgen mit Herrn Parkinson.
Du bist noch jung, ich schon alt. Wir können uns gegenseitig Mut machen.
Berge, Wälder, Flüsse und Seen bestaunen wir.
Wenn die Kraft nicht mehr reicht, geben wir uns die Hände,dann geht es sich leicht.

Haben wir den letzten Berg erstiegen, der so gewaltig vor uns lag, singen wir frohen Mutes:
„Schön ist das Leben… schön“.

Wie bist du schön, unsere Erde!
Mit deinen Wiesen, Bergen, Wäldern, Meeren, Feldern, Flüssen und Seen.
Tiere und Pflanzen erfreuen meine Sinne und leise höre ich eine Vogelstimme.
Sie jubiliert wie meine Seele.

Hier ist ein Paradies.

Dir liebe Grüße von

Lindi