Ich gehe mal glücklich sein…….

Ich verlasse die Arztpraxis, schaue auf die Uhr: Ui, schon so spät? Ich eile ins Büro. Eine Kollegin fragt mich: „Und, alles ok?“ „Ja klar!“
Doch mein Innerstes schreit: Nein! Gar nichts ist in Ordnung! Diagnose Parkinson!! Ich gehe direkt ins Büro der Chefin und kündige! Aber: Sie akzeptiert meine Kündigung nicht!!!


Das ist nunmehr über sechs Jahre her. Heute bin ich froh und dankbar dafür.
Meine Arbeit und meine eigene positive Haltung sind -trotz Parkinson- ein Teil meines Lebensinhalts, der mir Selbstbewusstsein gibt und mir das Gefühl vermittelt, gebraucht zu werden und dazuzugehören – eine wichtige Quelle für soziale Kontakte.

Die Wertschätzung von außen poliert einfach mein Ego auf.
Es fühlt sich gut an, wenn meine Arbeit mir meine Ressourcen trotz Parkinson zeigt.
Ich betrüge mich aber auch selbst ein wenig und sage mir, solange ich meine Arbeit gut erledigen kann, bin ich nicht krank.
Einerseits kostet mich die Arbeit zwar Kraft, andererseits schöpfe ich gerade auch Kraft daraus.
Manchmal ist allerdings auch sehr viel zu tun. Höchstgeschwindigkeit den ganzen Tag, so dass der Boxenstopp auf meiner Rennstrecke ausfällt. Das mag Parkinson überhaupt nicht! Aber bevor ich in Panik gerate, nicht weiß was ich zuerst tun soll und das auch noch schnell, habe ich gelernt, dass alles seine Zeit braucht, auch das Durchatmen und kurzes Innehalten.
Gelegentlich habe ich aber auch das Gefühl, alles geht irgendwie langsamer als früher und ich versuche durch Mehrarbeit und Anstrengung, die Langsamkeit zu kompensieren. Ein Teufelskreis!
Tja, manchmal bringt mich meine Arbeit einfach an den Rand des Wahnsinns, aber von da aus kenne ich den Weg.
Letztendlich höre ich auf mein Herz. Solange es glücklich ist und JA sagt, zu dem was ich tue, ist es die richtige Entscheidung. Ohne meine Arbeit wäre mein Leben nur halb so verrückt.

Ich gehe jetzt mal glücklich sein….

Canty

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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