Ich fühlte mich unverwundbar, unzerstörbar…

…und keine Krankheit der Welt könnte mir was. Habe ich gedacht, nein ich wusste es sogar. Dann kam der Tag, vor meinem 37ten Geburtstag. Ich wollte ein Schloss in die Zimmertür einbauen aber ich konnte den Schraubendreher nicht an die Schraube ansetzen. Der Schlitz in der Schraube war plötzlich so klein und als ich ihn traf, konnte ich die Hand nicht drehen. Sehnenscheidenentzündung war meine Diagnose, schließlich sind wir gerade umgezogen und ich musste einiges schleppen.

Noch lange nicht überzeugt

….und wie gehe ich jetzt mit ihm um, mit diesem Parkinson? So richtig überzeugt haben mich weder ein DAT-Scan, noch die Wort von Dr. L. Die Tabletten habe ich zwar bekommen, genommen jedoch nicht! Ich war überzeugt die Krankheit mit der Tabletteneinnahme zu bestätigen. Die Taktik des Verdrängens wurde also aktiviert. Keine Tabletten, kein Parkinson, es wird schon wieder, dachte ich. Meine Frau musste ein „Schweigegelöbnis“ leisten, mit niemanden und ich meinte mit niemanden, also weder mit der Familie noch mit Freunde, darüber zu sprechen. Zum Glück jedoch gibt es Dr. Google, der kennt Wege und Möglichkeiten mit jeder Krankheit fertig zu werden……

Und so saß ich eines Tages im Zug nach Magdeburg, voller Hoffnung und Optimismus und der Überzeugung, dass die Diagnose Parkinson bald der Geschichte angehört. Unzählige Akupunkturnadeln wurden in meine Ohrmuscheln gesetzt und ich fühlte, wie meine Beweglichkeit leichter und schneller wurde. Den Grund merkte ich erst auf dem Heimweg. Mein Portemonnaie war leer und drückte in der Hosentasche nicht mehr. Mein Fazit des Ausfluges nach Magdeburg war, viel Edelmetall, kein Nutzen, leere Geldbörse. Ein paar Monate später kam noch Post von der Polizei Magdeburg mit der Aufforderung, die Modalitäten für die Bezahlung der Akupunktur offen zu legen.

Wenige Monate Monate später dann doch die erste Sifrol und sehe da, es fühlte sich gut an. Meine rechte Hand konnte plötzlich wieder schrauben, schreiben, Zähne putzen. Das Wort „Parkinson“ war jedoch immer noch ein „verbotenes“ Wort, das auszusprechen sich nicht schickte……..für die nächsten drei Jahre!

Karl

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Von teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.