Herr Parkinson bei der Arbeit (Teil 2/2)

Warum ist Arbeit mir heute, fünf Jahre später, noch so wichtig?
Wir leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft, der Tüchtige (wie meine Mutti so schön sagt), findet Anerkennung, wir definieren uns über unsere Arbeit und unsere Berufe.
Was bin ich als Parkinsonpatient? Worin liegt mein Wert? Darf ich einfach krank sein?
Muss ich mein Handicap kompensieren durch künstlerische Betätigung, Engagement im Ehrenamt?
Oder soll ich gar einen Job neben der Rente annehmen, um die Lücke, die schmerzhafte Leere in meinem Innern auszufüllen?

Ist es genug, Meister der Langsamkeit zu sein, die Schnecke im Wappen zu führen und zu den wenigen Menschen zu gehören, die ZEIT haben? Einfach nach ein paar aktiven Stunden im OFF zu verschwinden? Was würde Friedrich Engels dazu sagen? Für ihn hatte die Arbeit einen großen Anteil an der Menschwerdung des Affen. Und was mache ich?

Ich beherrsche zum Glück noch den aufrechten Gang und habe beide Hände frei, mit denen ich Werkzeuge wie Laptop, Handy und Fernbedienung benutzen kann, was mich deutlich von den Primaten, den Menschenaffen unterscheidet, lieber Herr Engels! Und nicht nur das….Ich kann Menschen glücklich machen und habe Zeit zum Klavierspielen und völlig nutzlos herumzuhängen. Gelegentlich starre ich dabei einfach nur die Raufasertapete an, was ungeheuer entspannend ist.
Statt Herrn Parkinson an mir arbeiten zu lassen, versuche ich, inzwischen manchmal irgendwie gereift und ein bisschen gelassener, meine Tage so schön und erfreulich wie möglich zu gestalten.
Arbeit hat heute einen anderen Stellenwert für mich. Es geht nicht ohne, aber sie ist nicht mehr der höchste Wert in meinem Leben. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mich mit anderen Parkis vergleiche, denen, die mehr schaffen, die klüger sind als ich, die sich ehrenamtlich stark und scheinbar unermüdlich engagieren und die noch eine Arbeit haben. Dann färbt ein Hauch von Neid mein starres Antlitz für einen kleinen Moment zartgrün……aber nur kurz und ich verschwinde wieder in meinem Leben mit dem nicht mehr genau definierten Begriff der Arbeit.

Claudia R.

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