Herr Parkinson bei der Arbeit (Teil 1/2)

Ich bin sauer, immer noch. Mal mehr, mal weniger.

Warum? Auf wen? Auf Herrn Parkinson, versteht sich.
Ein Jahr vor meiner Diagnose Parkinson habe ich nach längerer Pause angefangen, in meinem Beruf als Krankenschwester in Teilzeit zu arbeiten. Ich wollte nach gelungener Scheidung beruflich richtig durchstarten in ein besseres ausgefülltes Leben, mit Anerkennung, finanzieller Unabhängigkeit, der Aussicht auf eine interessante Weiterbildung und dem guten Gefühl, zu einem tollen Kollegenteam zu gehören.

Alle Hoffnungen hatten sich innerhalb von fünf Monaten zerschlagen, da ich wegen der heimlichen Aktivitäten meines mir noch unbekannten Begleiters der eigentlich nicht sehr großen Arbeitsbelastung in keiner Weise gewachsen war. Die Arbeit, der Umgang mit den Patienten, die Krankheitsbilder, alles war gleich geblieben, aber es fühlte sich so vollkommen anders an.
Früher konnte ich schnell und sicher reagieren, war belastbar und habe es meistens geschafft, meine professionelle Distanz zu bewahren.

Das war auf einmal ganz anders. Alles war unheimlich ermüdend und anstrengend, die Probleme der Patienten prasselten ungefiltert auf mich ein und eine 20-Stunden-Woche stand wie ein riesiger Berg vor mir. Ich habe aufgegeben und gekündigt. Nun wurde geprüft, ob ich eine Umschulung machen kann, dafür ging es mir aber zu dem Zeitpunkt schon zu schlecht. Ein Jahr später stand nach dem üblichen Ärztemarathon die Diagnose Parkinson fest. Drei Monate später wurde der Antrag auf volle Erwerbsminderungsrente bewilligt.

Ich war raus, einfach raus. Weg vom Fenster, im Abseits, tot für den Arbeitsmarkt, mit 48 Jahren.
Nein, so war das nicht geplant! Ich hatte das Gefühl, im Nichts zu verschwinden. Musste mich mit anderen Problemen auseinandersetzen. Da waren ja noch die beiden jüngeren Kinder, ein Umzug stand bevor und mein unverschämter neuer Begleiter verlangte ebenfalls meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich war beschäftigt, und zwar den ganzen Tag.
War das auch Arbeit? Eine ungewollte Krankheit zu akzeptieren, mit ihr leben zu lernen, aufmerksam zu sein, Schmerzen zu ertragen, Grenzen neu auszutesten, meinen Kindern und Mitmenschen zu erklären, wie ich mich fühle? Jeden Morgen mit großer Überwindung aufstehen und einen anstrengenden Alltag bewältigen? Es war wie Schwimmen im Meer, immer auf der Suche nach Orientierung, einem Leuchtturm, einem Anker.

Aus dieser Phase stammen meine zahlreichen Leuchtturmbilder, gemalt in schlaflosen Nächten und am Tag, um die Angst vor dem Nichts zu vertreiben. Das alles zusammen war mehr als Arbeit.
Aus dieser Situation gab es kein Entrinnen mehr, keinen Urlaub, keine Gnade.
Mein Problem, zu lösen von mir selbst.

Claudia R.

2 Antworten auf „Herr Parkinson bei der Arbeit (Teil 1/2)“

  1. Die Leuchttürme weisen dir den Weg!
    “Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her”.
    Das mag vielleicht abgedroschen klingen, waren aber meine Gedanken beim Lesen deiner Zeilen.

  2. Die Erzählung beschreibt Herrn Parkison sehr gut. Ich wünschte mir, meine Geschwister könnten dieses lesen, denn sie schaffen soviel mehr wie ich und sind nicht so schnell kaputt wie ich, obwohl beide Schwestern Herzkrank sind. Es ist so schwer zu erklären , dass man gewisse Dinge einfach nicht mehr schafft. Ich selber möchte vieles schaffen und komme an meine Grenzen……

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