Gestatten Herr P. – Ich verändere Ihr Leben ( UND ZWAR GRÜNDLICH)

Ich und meine Probleme, Ängste, Gefühle und Sorgen sowie noch nicht verarbeitete Erlebnisse, seit ich Parkinson habe!

Die Diagnose Parkinson……zog mir so richtig die Füße unter dem Boden weg, zum ersten Mal im Leben …. was nun…..warum ich …. wie geht es nun weiter….
Der starke, alles bewältigende, vor nichts Angst habende Ralf, voller Ideen und Tatendrang …..
Auf einmal klein, hilflos und voller Angst vor der Zukunft….

Fragen über Fragen, nächtelanges Grübeln, wie verändert sich mein Leben, wie schnell schreitet die Krankheit voran, wie reagiert mein Umfeld???????

Zuerst alle Artikel und Berichte über Parkinson regelrecht verschlungen ….
Was mich noch unsicherer über den Verlauf und Umgang mit Parkinson machte….

Dann den anfänglichen Beschluss der Geheimhaltung der Krankheit fallen gelassen und mich in meinem Umfeld geoutet…..
Ich dachte das sei besser, damit die Leute mit den Ausfallerscheinungen und Unsicherheiten besser deuten können und nicht meinen, ich sei betrunken……

Auch der mühsame Weg die richtige Medikation zu finden, setzte mir sehr zu.
Die gelang erst nach zwei Jahren, in der Parkinsonklinik in Wolfach…und war auch sehr gut…

Und dann die Erkenntnis, dass ich, der jedem seiner Freunde, Verwandten und Bekannten immer und zu jeder Zeit mit Rat und Tat zur Hilfe stand, nach einem Wasserschaden im Haus, so ziemlich alleine und ohne Hilfe da stand…….WARUM????

Die Firma, in der ich alles gab, die immer vorne an Stand, in der ich jede Überstunde und zusätzliche Arbeiten gewissenhaft ausführte, in der ich die Schlosserei führte, kündigte mir mit sogar zwei Kündigungen: Wegen Krankheit…und wegen Diebstahl…
Wobei mein direkter Vorgesetzter, dem ich voll vertraute, einer der ersten war, der von meiner Krankheit erfuhr, dies mit übelsten Verleumdungen vorne an führte….

Schließlich dann, mit nur 52 Jahren erwerbsunfähig …. nichts mehr wert…. nicht mehr zu gebrauchen.. ein Schmarotzer der dem Staat auf der Tasche liegt…


Und die Erkenntnis, dass dieser Typ Namens Parkinson in mir so langsam immer mehr Überhand über mich gewinnt…

Freunde und Verwandte, die sich immer mehr zurückzogen, selbst der beste Freund, für den ich alles getan hätte, für den ich durchs Feuer gegangen wäre, lies mich fallen…


WARUM???
Ich denke mir, dass dies nicht mal in böser Absicht erfolgt ist, sondern dass diese Menschen nicht mit meiner Krankheit umgehen können…
Zumindest macht dieser Gedanke den Verlust für mich erträglicher……

Ja, nach nun 6 Jahren mit Herrn P. haben all diese Ereignisse auch mich sehr verändert und zu einem anderen Menschen gemacht, der ich gar nicht sein will…oberflächlich…egoistisch….unehrlich…verletzend…Eigenbrötlerisch, ohne Rücksicht auf andere, der sich in seine eigene kleine Scheinwelt flüchtet und die, die Ihm gut meinen,nimmer mehr verletzt…

Da ich dies aber jetzt erkannt habe und ich das ändern möchte, habe ich beschlossen diese Ereignisse, die ich dachte, sie seien erledig,t nun Punkt für Punkt aufzuarbeiten und mich den Tatsachen, die nun mal unabänderlich sind, zu stellen, und werde mir auch Hilfe dazu nehmen..

MISTER P. ZIEH DICH WARM AN…..I‘ll be back💪, Du kannst in mir wohnen, aber nicht mein Leben bestimmen………Nicht mehr !!!

Ich hoffe, ich kann mit diesem Beitrag vielen Betroffenen Mut machen, und auch nicht betroffene Personen anregen, sich mit dem Teufel Namens Hr. P. auseinanderzusetzen, wir Erkrankten sind noch immer die selben Menschen, die wir vorher waren…….


Denn schon morgen könnte Hr. P. sich in Eurem Körper einnisten und Euer Leben mit einem Schlag auf den Kopf stellen, was ich wirklich niemanden auf dieser Welt wünsche.

Zu Guter letzt in diesem Beitrag , als es mir damals einen Tag nach meinem 52. Geburtstag, an dem meine Firma mir die zweifache Kündigung überbrachte, wirklich total dreckig ging, weil ich über die Falschaussagen meines lieben Vorgesetzten tief enttäuscht von der Menschheit war, nahm mich meine Tochter in den Arm und tröstete mich und fragte: “Papa, wenn Du könntest, wem würdest Du Deine Krankheit geben?“


„Niemandem, keinem Menschen auf der Welt.“ antwortete ich ihr, worauf sie mich mit großen Augen angesehen hat und meinte : „Ich dachte, du sagst dem R…h. “womit Sie meinen Vorgesetzten meinte.


„Nicht mal dem, nicht mal dem, das wünsche ich nicht mal meinem ärgsten Feind.“ sagte ich, “ worauf sie mich noch fester drückte und leise sagte: „Aber zumindest einen Tag und zwar einen an dem es Dir wirklich sehr schlecht geht, könntest Du Ihm Hr P. einmal ausleihen, damit er weiß was Du hast und wie sch….e das ist.”


Darauf hin musste ich trotz meiner ohnmächtigen Wut und Enttäuschung schmunzeln und antwortete meiner Kleinen: „Das wäre eine gute Idee, aber dann müsste ich es mehreren Menschen in meinem Umfeld mal leihen.”
Und plötzlich lachten wir beide herzhaft.

Ralf

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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