Geschichten aus der Provinz

Wenn ich es nicht selber gesehen hätte… (Teil 1/2)

Die Geschichte, die ich erzählen will, spielt in einer kleinen Stadt in der niedersächsischen Tiefebene. Wer mit den Örtlichkeiten besser vertraut ist, dem mag der Name Gronau etwas sagen. Wobei es mir wichtig ist zu erwähnen, dass niemand ein Defizit an Allgemeinbildung zu befürchten hat, wenn solche Details aus der niedersächsischen Provinz nicht sogleich jedem geläufig sind.

Nein, man führt hier ein beschauliches Leben und geht die Dinge in Ruhe an, die so ein normaler Tag an die Leute heranträgt.

Dann sollte auf der grünen Wiese, vor den Toren Gronaus, ein Fachmarktzentrum mit riesigem Parkplatz gebaut werden. Es wurde heftig und leidenschaftlich diskutiert. Das Für und Wider hielt sich die Waage und nach drei Jahren war die Situation festgefahren und verrannt. Was nun?

Alle Beteiligten, egal ob aus dem „Für“- oder „Wider“- Lager, waren sich einig, dass diese besondere Situation einer außergewöhnlichen Lösung bedurfte. Niemandem schließlich sei es zu- zumuten, dass er sein Gesicht verlieren sollte. Ob es nun der sprichwörtlichen Bauernschläue zuzurechnen ist oder ob gut unterrichtete Kreise das Schlagwort in den Ring geworfen haben, verbleibt bis heute im Dunkeln.

Jemand hatte das Wort “Feldhamster” lanciert, mit der Folge, dass binnen weniger Stunden die Naturschutzbehörde des Landkreises das Thema aufgriff. Auf einem vielseitigen Dokument ließ die Behörde den Akteuren um das Fachmarktzentrum wissen, dass dort wo der seltene und des Aussterbens bedrohte, seit vielen Jahren in der „Roten Liste“ geführte Feldhamster zu Hause sei, kein Platz wäre für irgendeine Baumaßnahme. Die zu erwartenden Proteste fielen geringer aus als befürchtet. Im Grunde konnten alle Beteiligten gut damit leben, dass man nun statt des geplanten Fachmarktzentrums einen Feldhamster bekam.

Somit hatte alles seine Ordnung und ich verstehe die Kritik derer, die bis zu diesem Punkt nichts Bemerkenswertes an dieser Geschichte finden können und sich fragen, warum es sich denn überhaupt lohne, diesen nüchternen Bericht zu verfassen. Diesen Gedanken könnte ich teilen, wenn, ja wenn das Thema Feldhamster hier abgehakt werden könnte……..

Im Laufe der folgenden Wochen verlor sich der Diskussionsfaden um das Fachmarktzentrum so langsam und auch die Tatsache, offensichtlich in direkter Nachbarschaft mit einem Feldhamster zu leben, spülte keine nachhaltigen und substanziellen Diskussion in die Köpfe der Bürger. War doch der Feldhamster selbst ein eher theoretisches Thema, denn niemand wusste bis dato von einer persönlichen Begegnung mit dem seltenen Nager zu berichten.

Dann war da plötzlich ein Loch in unserem Rasen. Tags drauf steckte in dem Loch ein Zierkürbis, der, gedacht zur Dekoration seinen eigentlichen Platz auf dem Trittstein vor der Haustür hatte. Es war deutlich zu beobachten, dass an dem für dieses Loch etwas zu große Zierkürbis irgendetwas zog und zerrte, um die Frucht dennoch in das Loch zu befördern.

Wie jetzt? Eines dieser seltenen und schützenswerten Exemplare bei uns auf dem Grundstück? Bange Fragen, die sich stellen, weiß man doch nicht wie lange ein solches Tier zu bleiben gedenkt und außerdem steht zu befürchten, dass man auf die zu erwartenden Früchte des Gartens einen zusätzlichen unkontrollierter Zugriff vermuten darf, der so nicht hinnehmbar sein würde.

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