Geschichten aus der Provinz

Wenn ich es nicht selber gesehen hätte … (Teil 2/2)

Ungeübt in diesem Thema, viele Fragen, keine Antworten. Welche Schritte sind zu tun und welche sind zu lassen, um in harmonischer Gemeinsamkeit mit einem Feldhamster ein Gartengrundstück zu teilen? Mit dem Ziel, einen Kompromiss zwischen den persönlichen und den Interessen des Feldhamsters zu finden, entwarfen und verwarfen wir so manchen Gedanken.

Wir waren ziemlich hilflos und wollten die Entwicklung zunächst in Ruhe studieren. Selbst Hand gar an das Leben dieser so seltenen Kreatur zu legen, verbot sich von selbst und so vertrauten wir zunächst einmal darauf, dass die Natur selbst eine Lösung findet für Feldhamster, die in ein Gartengrundstück einziehen. So ganz langsam wurde uns bewusst, dass den verschiedenen Katzen der Nachbarn es nicht entgangen ist, dass sich auf unserem Grundstück etwas Besonderes abspielt.

Der bei uns eingezogene Feldhamster, der sich uns inzwischen offen zeigt, wenn er die auf unserer Terrasse ausgelegten Äpfel, die eigentlich den Vögeln als Winterfutter dienen sollen, abnagt und Zug um Zug in seinen Bau schleppt, ist bislang um ein direktes Gefecht mit einer der Katzen der Nachbarn herum gekommen. Schlau wie er ist, verlässt er den Bau nur, um sich der Äpfel zu bedienen, wenn weit und breit keine Katze in Sicht ist.
Die Katzen wiederum scheinen bislang der Strategie zu folgen, bewegungslos vor dem Bau zu warten und darauf zu hoffen, dass die Beute den Bau ja irgendwann einmal verlassen muss. Ich vermute, der Hamster weiß, wenn da jemand vor seiner Tür wartet und legt sich schlafen. Und da ein Feldhamster offensichtlich länger schläft als eine Katze bereit ist zu warten, ging diese Taktik nicht so richtig auf.

Dass Katzen allerdings auch bereit sind, zu lernen und ich jetzt erklären kann, warum ich diesen kleinen Bericht unter die Überschrift „Wenn ich es nicht selber gesehen hatte“ gestellt habe, hat den Grund darin, dass ich heue morgen eine Katze sah, mit einem Apfel im Maul, und diese Katze den Apfel direkt vor das Eingangsloch des Feldhamsterbaues ablegte und sich dann sofort wieder in Lauerstellung begab.

Ich war baff, es ist spannend in unserem Garten. Ob die geänderte Jagdstrategie der Katzen zum Erfolg geführt hat, entzieht sich jedoch unserer Kenntnis. Wir haben nie einen Beweis dafür gefunden, dass es zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen Katzen und Hamster gekommen ist.

Dennoch schien alles bestens gelöst. Über mehrere Wochen ließ sich kein Hamster mehr in unserem Garten sehen und auch die Katzen hatten ihr Interesse an unserem Grundstück verloren. Nur das große Loch im Rasen blieb als stummer Zeuge eines bislang nicht aufgeklärten Schicksals von Feldhamstern in unserem Garten zurück.

Bis dann über Nacht in der Blumenrabatte, in direkter Nähe des Hauses, ein neues Loch entstanden ist…. Dieses neue Loch, dass in Größe und Beschaffenheit mit dem im Rasen durchaus vergleichbar war, ließ uns vermuten, dass das veremeintlich gelöste Problem zurück war. Dass ein Feldhamster, wenn er offenbar nicht mit Äpfeln gefüttert wird, auf die Stiefmütterchen in der Rabatte zurückgreift, nehmen wir inzwischen gelassen zur Kenntnis. Unsere Verbündeten sind Nachbars Katzen…

Wir haben nachgefragt bei den zuständigen öffentlichen Stellen und wissen nun, dass wir nichts unternehmen dürfen, was den Lebensraum dieses so seltenen wie zu schützenden Nagers einengt oder irgendwie negativ beeinflusst. Auch eine Vergrämungsstrategie verbietet sich. Allein, es ist zulässig, eine Ausgleichsfläche auf unserem Grundstück zu definieren, auf die wir den Feldhamster locken dürfen…..aha.

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