Gailingen – Der Spiegel

Zuerst einmal zum Haus: Die Klinik ist aufgeteilt in Neurologische Häuser sowie Neurologisch-psychosomatische Häuser.
Ich befinde mich im Haus Schwarzwald, dies ist ein neurologisches Haus. Das Zimmer selbst hat eine angemessene Größe, alles was man braucht – ausreichend Stauraum, um all die Dinge, die man als Frau benötigt, unterzubringen. Dazu habe ich noch Zugang zum Balkon, was gerade an den ersten Frühlingstagen ein klarer Vorteil war.

Die ersten Anwendungen beginnen in der Regel morgens um 8:00 Uhr.
Der Terminplan ist so gelegt, dass man meistens die letzte Anwendung, in diesem Fall einen Vortrag, um ca 16:30 Uhr hat. Nun, zu den Vorträgen: Was soll ich sagen, ich bin natürlich eingeschlafen. Nachdem ich ein paar Tage hier war, hat man mich bereits hektisch gesucht.

Es stellte sich heraus, dass eine Dame, die ihre Diagnose noch nicht allzu lange hatte, ein Haus weiter war. Meine Diagnose ist vielleicht auch noch nicht so alt, aber durch 22 Jahre Tremor und natürlich auch durch die Selbsthilfegruppe, die ich leite, habe ich Einiges an Erfahrungen sammeln können. Schnell gesellte sich eine zweite Dame dazu, nun waren wir eine Dreierkombination – drei Frauen mit der Diagnose Parkinson. Auch diese Dame hatte ihre Diagnose erst seit kurzem, die offenen Fragen habe ich beantwortet.

Im Grunde genommen ist es eine kleine Selbsthilfegruppe geworden, in der nächsten Woche wollen wir ein Treffen organisieren für alle Parkinson – Patienten. Eine der Damen gründet nun ihren eigenen Parkinson – Stammtisch. Mein Elan ist scheinbar ansteckend. Wer hätte das gedacht?
Da fahre ich in die Reha und betreibe hier auch Selbsthilfe, aber das Schöne ist, wenn man merkt, dass es dem Gegenüber besser geht.

Was mich anbelangt, war die Woche doch anstrengender als gedacht. Schnell bin ich an meine körperlichen Grenzen gekommen. Es fiel mir natürlich extrem schwer, mir das einzugestehen, also habe ich einfach weiter gemacht, bis es nicht mehr ging. Am Dienstag hat Parki dann in Form eines OFF für seine persönliche Ruhephase gesorgt. Ab 13:00 Uhr habe ich alle Anwendungen abgesagt und den Rest des Tages im Bett verbracht. Das ist wieder einmal der Spiegel, der einem vorgehalten wird, in der Hoffnung, dass die Einsicht kommt.

Gewisse Dinge sind einfach nicht mehr machbar oder fallen mir zumindest sehr schwer.
Mit 36 Jahren will man das natürlich nicht einsehen, allerdings ist auch das wohl Teil der Reha.
Am Ende bekommt man eine klare Aussage darüber, wo man steht, was man kann und das ist auch gut so. Die Therapeuten sind alle durch die Bank weg sehr freundlich, trotz allem sorgen sie dafür, dass man die Therapien ernst nimmt, geben Tipps für zu Hause und zeigen Übungen, die man überall und jederzeit machen kann,um seinen Zustand zu verbessern.

Was das Essen anbelangt, kann man darüber streiten. Dem Einen schmeckt es, dem Anderen nicht – ich denke, das ist überall so.
Was mich hier ein wenig stört, ist das ewige Erneuern der Pläne. Bisher ist noch kein Tag ohne eine Planänderung vergangen. Meinen Arzttermin hatte ich beim Chefarzt, er hat das erste Medikament bereits geändert. Ich bin mit ihm sehr zufrieden, wobei ich sehr skeptisch bin, was Ärzte betrifft.
Er hatte mir zugesichert, dass wir die Medikamente ein paar Tage testen. Sollte die erwünschte Wirkung nicht eintreten, wird etwas Neues versucht. Das liegt auch in meinem Interesse, da ich froh bin, wenn meine Situation sich einfach verbessert.

Nun genießt alle das Osterwochenende, wir hören uns in der neuen Woche!

Dini