Es ist nur Parkinson (Teil 2/2)

Offenheit macht Vieles einfacher

Auch im Sportstudio habe ich gleich bei meiner Anmeldung gesagt, dass ich MP habe: „Ich habe eine Sch…-Krankheit – es geht mir gut.“ Und auch hier, bei fremden Menschen, gab es nur positive Rückmeldungen. Durch die Offenheit wird vieles einfach(er):

So habe ich nach meinem Probetraining den Vertrag im Sportstudio unterschrieben. Nach körperlicher Belastung ist das handschriftliche Schreiben für mich aber so gut wie unmöglich. Also habe ich lachend gefragt, ob ich 3 Kreuze machen dürfe. Nun – nach ein paar Minuten gab es dann doch meine krakelige Unterschrift.

Heute sage ich aus Überzeugung: Mir geht es besser als von 2,5 Jahren, also vor der Diagnose. Das schließt die Psyche mit ein.

Psyche

Vom ersten Tag an, also selbst als die Frage MSA oder MP noch nicht geklärt war, blieb ich ruhig. Keine Panik, kein Schock, nichts. Es ist, wie es ist, habe ich immer gedacht.

Ich habe oft gelesen, dass schwer Erkrankte fragen „Warum ich?“

Ich habe mir aber gesagt: „Wer sonst, wenn nicht ich?“ Meine Frau? Meine Tochter? Meine Freunde? (O.K., mir fallen ein paar Knallköppe ein, denen ich mein MP gerne abtreten würde.)

Unsere Tochter ist schon lange außer Haus. Sie hat uns 3 süße Enkelkinder geschenkt. Ohh, der 14-jährige Enkel darf aber nicht lesen, dass ich ihn „süß“ nenne. Die beiden Mädels (11 und 6 Jahre) würden das aber sicher gerne lesen. Also ist auch hier alles geregelt. Das Kind, unsere erwachsene Tochter, steht auf eigenen Beinen. Und wie!

Ich bin 66 Jahre, fühle mich fit, bin fit. Das können nicht alle sagen. Ob mit oder ohne MP. Das habe ich verinnerlicht. Und so geht es mir physisch und psychisch gut.

Ich blende nichts aus

Natürlich weiß ich, wie es mit meinem MP weitergehen kann. Ich blende da nichts aus. Ich habe mich informiert, so zum Beispiel hier bei PAOL. – Danke dafür an die vielen fleißigen Macher/innen.

Ich weiß, dass meine Krankheit voranschreitet. Ich werde dann nicht so fit sein wie heute. Geht es mir dann psychisch schlechter? Ich werde es sehen. Das gilt aber auch für alle Gesunden. Denn wenn wir älter werden, lassen die Kräfte nach. Also geht es mir auch hier nicht anders als anderen Menschen. Auch die wissen nicht, was der kommende Tag bringt.

Ich lasse mir den heutigen Tag nicht dadurch verderben, dass es mir morgen vielleicht schlechter geht. Ich lebe NUR heute. So, wie wir alle. In mir ist der feste Wille, dass ich mich nicht unterkriegen lasse. Und ich weiß, dass ich es schaffe!

Liebe Grüße
Rainer

teamdopamin

Hallo, wir sind Christoph aus Dortmund und May aus Hamburg. Wir wollen über Morbus Parkinson informieren und aufzeigen, wie vielseitig die Erkrankung und der Umgang damit sein kann – aus der Sicht der Betroffenen selbst. Übrigens: Wir sind beide selbst an Parkinson erkrankt.

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